Beherzte Sozialdemokratin Zum Tod der Osnabrücker Politikerin Ursula Pistorius

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Ursula Pistorius wurde vor fünf Jahren vom SPD-Ortsverein Schinkel für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt. Archivfoto: Egmont SeilerUrsula Pistorius wurde vor fünf Jahren vom SPD-Ortsverein Schinkel für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt. Archivfoto: Egmont Seiler

Osnabrück. Im Alter von 82 Jahren ist nach kurzer, schwerer Krankheit Ursula Pistorius gestorben. Sie war für die Sozialdemokraten drei Legislaturperioden Abgeordnete des niedersächsischen Landtages und gehörte 24 Jahre dem Stadtrat an.

Die aktuelle Situation der Flüchtlinge verfolgte die beherzte und bei Bedarf scharfzüngige Sozialdemokratin bis zuletzt. Schließlich war ihre Familie selbst 1949 aus Frankfurt/Oder in den Westen gekommen. Im Wallenhorster Hotel Bitter waren Ende der 1940er Jahre Übersiedler wie heute Flüchtlinge in einer Sammelunterkunft untergebracht.

An der Angelaschule machte sie Abitur. Ihren erlernten Beruf als Bibliothekarin gab Pistorius nach der Geburt ihres ältesten Sohnes 1956 auf. Zwei weitere Söhne kamen 1960 und 1961 zur Welt. Politisch aktiv wurde die Hausfrau und Mutter in der Ära Willy Brandts, dessen Ostpolitik sie faszinierte. 1970 trat sie in die SPD ein. Im Stadtteil Schinkel lebte sie, der Ortsverein Schinkel wurde ihre politische Heimat.

Leidenschaftliche Wahlkämpferin

1972 kandidierte sie auf Bitte des Ortsvereins für den Osnabrücker Rat. Auch wenn der Listenplatz wenig erfolgreich schien, stürzte sich Pistorius in den Wahlkampf. Es war ihr immer eine Freude, zu diskutieren, zu erklären und um Wählerstimmen zu werben. Die Polit-Einsteigerin hatte Erfolg: Sie bekam so viele Stimmen, dass sie in den Rat einziehen konnte. Dort und in Ausschüssen wie dem Krankenhausneubauausschuss setzte sie sich vehement für einen Neubau der Städtischen Kliniken am Finkenhügel ein.

1978 kandidierte Ursula Pistorius erstmals für den niedersächsischen Landtag. Dreimal hintereinander holte sie den Wahlkreis Osnabrück-Ost direkt gegen ihre CDU-Mitbewerber. Im Hannover machte sich Pistorius für einen Ausbau der Universität und Hochschule in Osnabrück stark.

In der sozialen Wirklichkeit des Schinkels

Bei ihrem Abschied aus dem Landtag bescheinigte ihr der damalige Osnabrücker SPD-Unterbezirksvorsitzende Ernst Schwanhold, dass sie nicht wie andere Politiker die Wähler und Wählerinnen vor Ort vergessen habe. Vielmehr habe sie „immer in die soziale Wirklichkeit des Schinkels“ zurückgefunden. „Ein politisches Mandat ist ein Mandat auf Zeit“, hatte Ursula Pistorius damals gesagt. Das galt auch für ihren Abschied aus dem Rat 1996. Danach nahm sie sich Zeit für sich, begann ein Seniorenstudium und bereiste viele Länder im Osten Europas.

Ursula Pistorius hinterlässt drei Söhne, darunter Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, und fünf Enkel.


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