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08.09.2015, 17:02 Uhr LANDGERICHT OSNABRÜCK

Geständnis des Arztes im öffentlichen Interesse

Kommentar von Sebastian Stricker

Michael Hune, Pressesprecher des Landgerichts Osnabrück, informierte die Medien unverzüglich über das „umfassende Geständnis“, das der angeklagte Arzt unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgelegt hat. Foto: Michael GründelMichael Hune, Pressesprecher des Landgerichts Osnabrück, informierte die Medien unverzüglich über das „umfassende Geständnis“, das der angeklagte Arzt unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgelegt hat. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Es war gleich zu Prozessbeginn ein Moment, auf den viele gewartet haben. Doch ausgerechnet beim umfassenden Geständnis des Arztes aus Osnabrück, der reihenweise Patientinnen hintergangen und sexuell missbraucht sowie im Cyberspace seinen mutmaßlich pädophilen Neigungen nachgegeben haben soll, durfte die Presse nicht zuhören.

Das mag aus Sicht der Medien und anderer Teile des Publikums bedauerlich sein, geht aber juristisch in Ordnung. Das Gerichtsverfassungsgesetz erlaubt die Einschränkung oder den Ausschluss von Öffentlichkeit, wenn besondere schutzbedürftige Interessen dem allgemeinen Informationsinteresse entgegenstehen.

In der geplanten Einlassung des Angeklagten wurden intime Details sowohl aus seinem Leben als auch aus der Privatsphäre der geschädigten Frauen offenbar, die Unbeteiligte nichts angehen. Erst recht braucht das Publikum zum Verständnis der Vorwürfe nicht die „inkriminierten Objekte“ zu sehen – sprich die unsittlichen Fotos und Videos, um die sich die Anklage dreht.

Löblich ist deshalb die unverzügliche, zusammenfassende Pressemitteilung des Landgerichts über die Einlassung des Arztes. Gerade weil das Geständnis am Ende auch mildernde Umstände bedeuten kann, kam sie rechtzeitig – nämlich auf dem Höhepunkt des öffentlichen Interesses.


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