Spieltriebe 2015 Route Orange: Monika Vivell spielt im Stück „Was wir wissen“

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Stille Rolle: Monika Vivell als Lucy bei den Proben zu „Was wir wissen“. Foto: Thomas OsterfeldStille Rolle: Monika Vivell als Lucy bei den Proben zu „Was wir wissen“. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Kurz vor Beginn der „Spieltriebe 6 – Das Unmögliche geschieht“ stellen wir Ihnen die Routen des Festivals vor. Den Anfang macht die Route Orange „Erinnerungsschluchten“, auf der Monika Vivell eine Frau spielt, die eine persönliche Apokalypse erlebt.

Im Hinterhof der Nobbenburger Straße 13 ist schon vieles gekommen und gegangen. Künstlerateliers etwa. Oder die städtische Kunstschule. Und wo einst der CD-Tempel war, ist heute ein Digitalspezialist.

Ein Ort der Vergänglichkeit und Veränderung. Das passt zu dem Spieltriebe-Stück „Was wir wissen“, das auf der Route Orange an diesen Ort führt. Monika Vivell spielt Lucy, eine Frau, die einer existenziell verunsichernden Situation ausgesetzt ist. Und die Zuschauer mit ihr. Erst langsam schält sich heraus, was eigentlich passiert ist.

Verlassene Tischlerei

Gespielt wird in einer Tischlerei, wo knapp eine Woche vor Festivalbeginn geprobt wird. Und wo auch sonst alle Zeichen auf die Spieltriebe hindeuten. Ein Kameramann kommt herein, der einen Teil des Durchlaufs für einen Trailer mithilft. „Kann mal jemand den Besen da wegstellen?“ fragt er. Der störe im Bild. „Das ist Kunst“, reagiert jemand schlagfertig. Aber klar, der Besen kommt weg.

Ansonsten geht es sehr ruhig und konzentriert beim Durchlauf für dieses stille Stück zu. Monika Vivell  sitzt als Hauptfigur Lucy viele Minuten schweigend in der Hocke auf dem Boden, während die anderen Figuren reden.

Das Stück wird erarbeitet

Verzweifelt scheint sie etwas in sich zu suchen, eine Erinnerung, eine Wahrheit. Da mögen Lucys Gäste sich noch so viel mit Gesprächen über Urlaub und Job ablenken, die Zuschauer werden trotzdem bei Lucy sein, in der es sichtbar arbeitet.

Monika Vivell, die auch schon in sehr kraftvollen, lauten Rollen zu sehen war, zeigt hier eine sehr leise Seite ihres Könnens. Ist es schwer, eine solche Rolle zu spielen?  „Man lässt sich ja nicht einfach in die Rolle fallen“, sagt Vivell, die mit dem Spieltriebe-Stück aus ihrer Elternzeit zurückkehrt. Vielmehr wird das Stück erarbeitet. Regisseur Henri Hüster etwa schaut beim Durchlauf von verschiedenen Stellen im Raum zu und gibt ganz wenige, letzte Anweisungen.

Unterschiedliche Perspektiven

Das Stück über eine persönliche Apokalypse sei „das privateste bei den Spieltrieben“, beschreibt er es. Die Tischlerei hat er bewusst als Spielort gewählt. Eigentlich sei die Halle so gar kein Theaterraum, so Hüster. Doch das hat ihn gereizt. Die Publikumsreihen sind an drei Seiten längs der Bühne aufgebaut. „Die Zuschauer sehen sich gegenseitig beim Zuschauen zu“, sagt Henri Hüster mit feinem Lächeln. Und sie haben nicht dieselbe Perspektive auf das Geschehen, was zu Pamela Carters Stück passt.

Chance für Neuanfang

Die britische Autorin wird nicht zu den Spieltrieben  kommen, sondern sich die deutschsprachige Erstaufführung erst angucken, wenn sie in den Spielplan übernommen wurde. Dafür kommt Übersetzer Hannes Becker.

„Was wir wissen“ ist das zweite und letzte Stück auf der Route Orange, die zunächst in die Kunsthalle führt, wo der Projektjugendclub Spieltriebe „Exit us“ zeigt. Auch darin geht es um den Weltuntergang, dieses Mal in seiner großen Form. Die Apokalypse der (über-)
technisierten Welt wird aber als Chance für einen Neuanfang gezeigt.


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