Osnabrück unter Dampf Aus Spaniens Sonne kam die „Lollo“ nach Osnabrück


Osnabrück. Einmal Volltanken, das sind 2.700 Liter. Wer eine Lokomotive hat, denkt in anderen Dimensionen. Albert Merseburger aus Osnabrück gehört zu den Menschen, die sich privat eine Diesellok gönnen. Nein, nicht irgendetwas Kleines. Seine V 160 ist 16 Meter lang und wiegt über 75 Tonnen. Am Sonntag ist die „Lollo“ zu Gast beim Dampfloktag am Piesberg.

Was treibt jemanden dazu, sich eine solche Lok anzuschaffen? Für Merseburger ist es irgendwie nur konsequent. Schließlich hat er sich als Vorsitzender der Osnabrücker Dampflokfreunde dem Thema Eisenbahn mit Leib und Seele verschrieben. Was andere auf ihrer Modellbahnanlage nachbauen, betreibt der Verein am Fuße des Piesbergs im Maßstab 1 zu 1: Einen Bahnhof samt Stellwerk, Lokomotiven und Dutzende von Wagen. Die Dampflokfreunde verlegen Gleise, haben eine alte Drehscheibe gerettet, renovieren Gebäude und Anlagen und investieren seit Jahren viel Energie, Arbeit, Zeit und Geld in die Restaurierung der „Schinkellok“. Da passt der Kauf einer der letzten „Lollos“ schon ins Bild.

Totengräber der Dampflokomotiven

Der Abstecher seiner Lok zum Dampflokfest am Zechenbahnhof hat trotzdem etwas dezent Makaberes. Natürlich, die „Lollo“ ist ein besonderes Stück Eisenbahngeschichte, sie gilt als Mutter der erfolgreichsten deutschen Streckendiesellok-Reihe. Aber genau deshalb ist es, als würde der Totengräber sich beim Treffen der letzten, rüstigen Senioren zeigen. Nur mal so, weil irgendwie gehört man ja auch dazu.

Totengräber? In den 50 Jahren stellte die Bahn mit den modernen 23ern die letzte Neubau-Dampflokbaureihe in Dienst. Fast schon ein Anachronismus, denn zur gleichen Zeit begann bei Krupp die Entwicklung einer einmotorigen Großdiesellokomotive für den mittelschweren Streckendienst. Die Zeit war reif für den (Traktions-) Wechsel.

Der Vorbau erinnerte die Bahner an die Lollo

Ab 1960 baute Krupp sechs Vorserienexemplare dieser vierachsigen Diesellokomotive, die die Bahn als V 160 in ihren Bestand einreihte. Ins Auge fiel dabei deren weit ausladender „Vorbau“, der allerdings nur die ersten neun Exemplare zierte. Die Eisenbahner mit ihrem ausgeprägten Hang zu charakterisierenden Spitznamen erinnerte diese Formsprache wohl irgendwie an die Schauspielerin Gina Lollobrigida: Die „Lollo“ war geboren.

1960 hatte die Bahn Albert Merseburgers bei Krupp unter der Nummer 1960/4045 gebaute Lok als V160 002 in Dienst gestellt und nicht mal 20 Jahre später, am 18. März 1979, ausgemustert. Über Italien kam sie 1981 nach Spanien zum Gleisbau-Unternehmen Comsa, das die Lok für ein Arbeitsleben auf der spanischen Breitspur umrüstete. Bis 2003 schuftete die „Lollo“ im Streckenbau, bevor sie - gezeichnet von einem langen, harten Arbeitsleben – auch dort aufs Abstellgleis rollte.

Hier könnte die Geschichte enden. Tut sie aber nicht. Merseburger entdeckte vor fünf Jahren die Maschine und kaufte sie schließlich. 2010 - 30 Jahre nach dem Verkauf - trat sie wieder den Weg in ihre Heimat an.

Per Tieflader von Spanien nach Bremen

Ein Weg mit Hindernissen: Da die Lok keine Lauffähigkeitsbescheinigung erhielt, musste ein Transport per Tieflader organisiert werden. In Bremen sollte sie dann auf ihre vorgeschickten Normalspur-Drehgestelle gesetzt werden. Die passten aufgrund der Änderungen an der Lokabstützung aber zunächst nicht mehr.

Dann begann die Restaurierung: Zug und Stoßvorrichtungen mussten auf Normalspur zurückgebaut werden, der ausgelutschte Maybach-16 Zylinder wurde durch einen in Papenburg gefundenen und aufgearbeiteten Tauschmotor ersetzt. Im Mai 2012 war die „Lollo“ erstmals zu Gast auf dem Zechenbahnhof, bevor sie ab 2013 in Neustrelitz weiter aufgearbeitet und mit aktueller Sicherheitstechnik ausgestattet wurde.

Wer rastet, der rostet …

Am Sonntag kommt sie zum Dampflokfest am Zechenbahnhof erneut nach Osnabrück, aus eigener Kraft und in dem Glanz, mit dem die Bahn sie vor rund 55 Jahren in Dienst gestellt hat.

Aufs Abstellgleis wird die „Lollo“ trotz ihres Alters und all der investierten Arbeit aber so schnell nicht wieder rollen. Ganz im Gegenteil: Sie soll als Mietlok und im Bauzugdienst wieder Züge an den Haken nehmen. Denn: Wer rastet, der rostet …


Osnabrück unter Dampf - Das Programm:

10.00-18.00 Uhr

  • Dampflokausstellung
  • Dampfzugpendelfahrten zum Hauptbahnhof
  • Präsentation von Dieselloks und historischen Güterwagen
  • Präsentation der „Lollo“
  • Führerstandsmitfahrten
  • Historische Dampf-Baustelle
  • Kinderdampfeisenbahn
  • Eisenbahnsouvenirs
  • 5‘‘- Dampflok – Kindereisenbahn
  • Präsentationsstand 41 052
  • Modell-Dampfloks
  • Feldbahnfahrten
  • Historische Nutzfahrzeuge
  • Buspendelverkehr zum höchsten Punkt Osnabrücks
  • Infostand Kultur- und Landschaftspark Piesberg

11.00-18.00 Uhr

  • Mitmachangebote des Museums Industriekultur
  • Dampfkraft auf Papier
  • Dampfmaschinen aus einem Guss
  • Mit Dampfbooten volle Fahrt voraus

11.00-18.00 Uhr

  • Unter Dampf wird gelöscht – Die Dampfspritze
  • „Feuer! Feuer! Hilfe, es brennt! 150 Jahre Feuerwehr Osnabrück.“

11.00 und 15.00 Uhr

  • Führung „Unter Dampf“

11.30 / 13.30 / 15.30 Uhr

  • Schienenbusfahrten nach „Kamerun“

12.00 /14.00 / 16.00 Uhr

  • Wie funktioniert die Dampflok? Und was sind ihre Tücken?
  • Ehemalige Dampflokführer erzählen aus ihrem Alltag

14.00, 15.00, 16.00 Uhr

  • Leselust auf Lokgeschichten
  • Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen der Grundschule Pye präsentieren Eisenbahn-Geschichten

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