Aufregung im Zoo Osnabrück Irrflug ins Tigergehege: Tierpfleger retten Pelikan


Osnabrück. Dieser Ausflug hätte einen Rosapelikan aus dem Zoo Osnabrück beinahe das Leben gekostet: Tierpfleger mussten den Vogel jetzt vor Tigern in Sicherheit bringen, nachdem dieser im Wasserbecken des Raubkatzen-Geheges gelandet war. Ein Besucher hielt die einmalige Rettungsaktion mit der Handykamera fest.

Der Fotograf Helmut Kemme, vielen Lesern der Neuen Osnabrücker Zeitung vor allem durch seine Bilder von Sportereignissen bekannt, spazierte zufällig mit seiner Familie durch die Asien-Landschaft „Angkor Wat“, als er beobachtete, wie der aus seinem nahe gelegenen Revier herübergesegelte Pelikan sich plötzlich im Pool der beiden Sumatra-Tiger niederließ – und damit den Raubkatzen beinahe selbst zum Fraß vorwarf. „Da war Aufregung pur“, berichtet Kemme.

Von überall seien Tierpfleger zum Tigergehege geeilt. Mit vereinten Kräften versuchten sie, die Gefahr zu bannen. Denn schnell waren die bis dahin faul in der Sonne liegenden Tiger Argo und Diana auf den unbekannten Eindringling aufmerksam geworden. Ist hier vielleicht ein kleiner Leckerbissen ins Haus geflattert? Rosapelikane stehen zwar naturgemäß nicht auf ihrer Speisekarte. Gleichwohl schlich eine der jungen Raubkatzen bereits neugierig um die Wasserstelle und das nervös darauf umherschwimmende Geflügel herum, als die Zoomitarbeiter ein Ablenkungsmanöver starteten.

Pappkartons und Fleisch

Fotograf Kemme beschreibt, wie sie Pappkartons und Fleischbrocken auf die von meterhohen Mauern, Gittern und Sichtfenstern aus Panzerglas umgebene Wiese warfen, um die Tiger von dem Rosapelikan wegzulocken. Dieser wiederum hielt die potenziellen Fressfeinde auf Abstand, indem er von einer Seite zur anderen paddelte und dabei mit seinem gewaltigen Schnabel klapperte und schnappte. Helmut Kemme: „Der Vogel wusste sich zu helfen! Die Tiger wirkten dagegen etwas ratlos.“

Als die Raubkatzen endlich sogar ins Innengehege liefen und sich dort die Schieber hinter ihnen schlossen, war der Weg für die Helfer frei. Kemmes Fotos zeigen, wie ein Mitarbeiter sich den Pelikan unter den Arm klemmt und mit zugehaltenem Schnabel aus dem Tigerkäfig hinausträgt. „Das sah alles sehr professionell und routiniert aus“, schildert der Augenzeuge. Und auch Zoodirektor Michael Böer ist nach dem spektakulären Rettungseinsatz im Gespräch mit unserer Redaktion voll des Lobes: „Die Tierpfleger haben blitzschnell und super reagiert.“

Auf Notfälle vorbereitet

Wenn Tiere entkommen, würden im Zoo Osnabrück Notfallpläne greifen, so Böer weiter. Außerdem sei der Zoo darauf vorbereitet, falls unterschiedliche Tierarten sich in einem Gehege ungeplant begegnen oder dort nicht vertragen – wie das etwa beim Versuch der Vergesellschaftung gelegentlich vorkomme. Es sei aber das erste Mal gewesen, dass sich einer der frei lebenden Zoovögel in die im Frühjahr 2014 eröffnete Tigeranlage verirrt hat. Und das habe Folgen.

Heißt im Klartext: Mag der Rosapelikan bei seiner Odyssee auch glimpflich davongekommen sein, Federn lassen muss er jetzt trotzdem. Und seine Artgenossen und Artverwandten gleich mit. Denn wie Direktor Böer im Gespräch mit unserer Redaktion ankündigte, wolle der Zoo Osnabrück den Fall zum Anlass nehmen, alle nicht in Volieren gehaltenen Vögel wieder konsequent flugunfähig zu machen. Dazu sollen nachwachsende Schwungfedern einseitig gestutzt werden.

„Wollen Unfälle vermeiden“

Zuletzt sei auf diese höchst umstrittene Maßnahme verzichtet worden, „wegen rechtlicher Unklarheiten“, wie Michael Böer erläutert. Aber nur deswegen habe der Rosapelikan, der aus einer Gruppe von etwa zehn Tieren stammt, überhaupt abheben und Gefahr heraufbeschwören können. Man könne von Glück sprechen, dass bei seinem Irrflug über den Schölerberg nichts und niemand zu Schaden gekommen sei.

„Es beginnt mit der Tigeranlage und endet mit der Autobahn. Die Vögel einfach fliegen zu lassen, ist zu riskant. Es können Unfälle passieren, die wir vermeiden wollen“, sagt Böer. Inwieweit diese Form der Vorsorge jedoch mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist, das eine Manipulation der Flügel nur bei medizinischer Notwendigkeit erlaubt, ließ der Zoodirektor offen.


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