Von Marquardt bis „allkauf“ Damals die neue Dimension des Einkaufens in Osnabrück

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Das „Osnabrücker Tageblatt“ war schwer beeindruckt, als der 30-jährige Investor Wolfgang Marquardt im Juli 1968 den Baubeginn für sein Einkaufsparadies ankündigte. 26 Millionen DM sollte der Komplex kosten, mit dem er den Einzelhandelsstandort Osnabrück aufmischen wollte.

Eine „Stadt in der Stadt“ würde am Huxmühlenbach entstehen, kündigte Marquardt an, in nur sieben Monaten Bauzeit, mit eigenem Bahnanschluss, 1060 Parkplätzen und 23200 qm Bruttonutzfläche. Es dauerte zwar einen Monat länger, aber das Ergebnis beeindruckte.

Äußerlich machte das Marquardt-Center zwar nicht mehr her als ein Plattenbau aus den goldenen Zeiten der DDR. Aber die Osnabrücker kamen am 14. April 1969 in Scharen zur Eröffnung, um die neue Dimension des Einkaufens zu erleben. Für die „Verbraucher“ – das Wort kam damals gerade erst in Mode – bot das Marquardt-Center vieles, was es auch in der Innenstadt zu kaufen gab, aber mit Selbstbedienung und für weniger Geld. Im Obergeschoss der „profikauf“-Markt, im Erdgeschoss die Ladenstadt mit Schuh- und Bekleidungsgeschäften, einem Gartencenter, zwei Restaurants und einem Friseur, einem Jugendpavillon und einem Postamt. Draußen eine Tankstelle, eine Autowaschanlage und eine Minigolfanlage. Sogar eine eigene Müllverbrennungsanlage gehörte zum Komplex.

Weithin sichtbar war der Betonmast mit dem Logo des neuen Zentrums, um die Kunden auch auf der Mindener Straße und der Schellenbergbrücke auf das „Mekka des Einzelhandels“ aufmerksam zu machen, wie es damals hieß. Das war auch nötig, denn der Standort am Huxmühlenbach lag schon damals abseits der Hauptverkehrsadern. Ein Umstand, der die anfängliche Euphorie schnell bremste.

Investor Marquardt ging pleite, im Februar 1972 wurde die Immobilie zwangsversteigert. Der damals noch junge Hamburger Immobilienkaufmann Johannes Christiansen übernahm die Betonburg, die fortan als SB-Warenhaus „mehr-Wert“ und schließlich als „allkauf“ weitergeführt wurde. 1997 zog „allkauf“ in den nahegelegenen Hasepark um, wo das Unternehmen inzwischen als „Realkauf“ firmiert.

Der alte Standort am Huxmühlenbach weckt noch andere Erinnerungen bei manchen Osnabrückern, die in den 80er Jahren jung waren. Auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums eröffnete im Herbst 1983 ein Autokino, in dem Actionfilme, Pornos und gelegentlich Filmhits wie „Der weiße Hai“ gezeigt wurden. Nach einigen Monaten war aber auch diese Episode beendet.


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