Überbleibsel aus dem Mittelalter Wittekindsburg in Rulle ist heute Ziel für Wanderer

Von Thomas Wübker

Das steinerne Kreuz am Boden gehört zu den Überresten der Wittekindsburg im Nettetal. Foto: Thomas WübkerDas steinerne Kreuz am Boden gehört zu den Überresten der Wittekindsburg im Nettetal. Foto: Thomas Wübker

Wallenhorst. Die Stadt- und Kreisarchäologie besteht seit 40 Jahren. Zum Jubiläum entstand die dezentrale Sonderausstellung „Magische Orte entdecken“. Dazu gehört auch die Wittekindsburg im Grenzgebiet des Wallenhorster Ortsteils Rulle zu Osnabrück. Dort soll sich Sachsenherzog Widukind nach der Niederlage gegen Karl den Großen in den Sachsenkriegen der 780er Jahre versteckt haben, sagt die Legende.

Wer den Hügel im Nettetal gegenüber von Knollmeyers Mühle hinauf klettert, der kommt bald an einen Wall. Die Steinmauer ist eines der wenigen Überbleibsel der Wittekindburg. Darüber ist noch das Fundament der Turmmauern zu sehen, die allerdings aufgetürmt wurden, um es besser sichtbar zu machen, wie Archäologin Judith Franzen erklärt.

Zweck der Burg unbekannt

Diese Überreste der Wittekindsburg, das steinerne Kreuz am Boden, und weitere Fundamente im hinteren Teil des Waldes seien vom 8. bis 10. Jahrhundert zur Zeit der Sachsenkriege genutzt worden, so Franzen. Wofür die Burg aber diente, das sei nicht bekannt. Der Legende nach diente sie dem Sachsenkönig Wittekind als Rückzugsort bei seiner Flucht vor dem Frankenkönig Karl dem Großen. Fakt ist, dass sich Wittekind, der auch Widukind genannt wurde, im Jahr 785 taufen ließ und den Treue-Eid auf Karl schwor. Der soll übrigens als Taufpate fungiert haben. Die Sachsenkriege endeten jedoch erst 29 Jahre später.

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Die Burg sei wohl erst im Laufe der Jahrhunderte zerstört worden, vermutet Judith Franzen. Die Franken haben sie nach ihrem Sieg über die Sachsen umgebaut. Im 13. Jahrhundert sei sie dann aufgegeben worden. Auch wenn es die Steinfundamente vermuten lassen, wurde die Burg nicht komplett aus diesem Material gebaut. Angesichts der erhöhten Lage der Burg und ihrer Wälle war sie relativ sicher vor Eroberungen.

Burg im 13. Jahrhundert aufgegeben

Die damalige Burg soll aus einem System von Wällen und Gräben bestanden haben. In ihrem Inneren befanden sich eine Hauptburg und eine Vorburg. Beide Burgen waren durch hohe Mauern und diversen Rundtürmen vor Angreifern auf dem Burghügel gesichert. Bei Ausgrabungen wurden in der Hauptburg mehrere Hausfundamente und Spuren von Herdstellen freigelegt. Dies deutet daraufhin, dass die Wittekindsburg von Menschen bewohnt war. Wie lange und zu welchem Nutzen, das ist leider nicht bekannt, so Franzen.

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Für die Zeitgenossen ist die Wittekindsburg ein Ausflugsziel beim Wandern. Sie können sich in Knollmeyers Mühle im Tal stärken. Manch einer nutzt die Ruinen auch als Grillstation. Entsprechende Funde sind dort vor allem im Sommer entdeckt worden.


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