Eine Chronologie Vor fünf Jahren: Katastrophenalarm in Osnabrück

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Osnabrück. Am 27. August 2010 um 4 Uhr in der Früh tat der damalige Oberbürgermeister von Osnabrück, Boris Pistorius, etwas, das keiner seiner Vorgänger seit dem Kriegsende getan hatte: Er löste Katastrophenalarm aus.

Von Wilfried Hinrichs und Frank Riehemann

Osnabrück lief voll. Unendlich scheinender Dauerregen überforderte die Kanalisation, ließ Hase, Düte, Nette und alle anderen Gewässer weit über sich selbst hinauswachsen. Tausende wurden in Stadt und Umland von den Wassermassen überrascht.

Die Brühe ergoss sich in Keller und Wohnungen, stand manchen Weidetieren bis zum Hals und bedrohte sogar die Umspannanlage in Lüstringen. Wenige Zentimeter fehlten, und der Strom wäre großflächig ausgefallen.

Die Autobahn A30 musste an der Anschlussstelle Nahne sogar wegen Überflutung gesperrt werden. An nur einem Tag fiel so viel Regen wie sonst in einem ganzen Monat. Die Hase erreichte einen historischen Pegelstand.

Vor zahlreichen Häusern in Osnabrück und im Umland stapelten sich tagelang Berge von durchnässtem Sperrmüll. Der materielle Schaden ging in die Millionen, die emotionalen Folgen sind nicht zu ermessen. Wenn es heute lange und heftig regnet, beschleicht viele Menschen ein ungutes Gefühl.

Haben wir die richtigen Lehren aus der Hochwasser-Katastrophe gezogen? Sind die Stadt und die Kommunen im Umland heute besser auf solche Jahrhundertereignisse vorbereitet? In unserer Serie gehen wir in dieser Woche diesen Fragen nach und besuchen jene Familie, die vor fünf Jahren durch die Wassermassen Hab und Gut verloren.

Hier eine Chronologie der Ereignisse von vor fünf Jahren.

Donnerstag, 26. 8. 2010

Tagsüber: Es regnet ununterbrochen. Die Autobahnabfahrt Nord an der A1 steht unter Wasser. In Hagen gerät ein Hang ins Rutschen. Die Feuerwehren sind im Dauereinsatz.

20.00 Uhr: Unwetterwarnung für Stadt und Landkreis.

Freitag, 27. 8. 2010

3.55 Uhr: Auf der A 30 bei Nahne steht das Wasser. Drei Autos sind in den Fluten stecken geblieben.

4.00 Uhr: Die Stadt löst Katastrophenalarm aus.

4.30 Uhr: Am Kreisel in Georgsmarienhütte tritt die Düte über die Ufer.

7.00 Uhr: An der Gummiwiese in Hagen fassen die Abläufe die Wassermassen nicht mehr. Häuser werden überflutet.

7.50 Uhr: Die Hase überschwemmt das Wehr der Pernickelmühle.

8.07 Uhr: Am Düte-Kreisel in Oesede wird der Eingang des Lebensmittelmarkts Dütmann mit Sandsäcken verbarrikadiert. Die Möbelfirma Wiemann stellt die Produktion ein.

8.22 Uhr: Der Wilkenbach in Hellern führt zwei Meter höheres Wasser als normal.

8.30 Uhr: Die Lengericher Landstraße ist wegen der überschwemmten Dütebrücke gesperrt.

8.50 Uhr: Das Freibad in Hagen ist überschwemmt, das Becken mit Schlamm und Geröll geflutet.

9.35 Uhr: Der Krisenstab im Kreishaus hat Hilfe angefordert. Einsatzkräfte des THW und Fachzüge kommen aus Oldenburg und Cloppenburg, aus der Grafschaft Bentheim und dem Emsland.

9.45 Uhr: Feuerwehrleute paddeln in Schlauchbooten durch die Straßen.

10.09 Uhr: Die historische Dallmühle in Hagen an der Bergstraße ist schwer beschädigt. Der Goldbach hat den Keller des alten Sägewerks gefüllt.

10.32 Uhr: Die Bahnlinie Osnabrück–Rheine ist gesperrt. Reisende werden mit Bussen nach Rheine gebracht, Fernzüge weiträumig umgeleitet.

11.21 Uhr: Die Regenrückhaltebecken in Hellern können kein Wasser mehr aufnehmen. Die Fluten schwappen zurück in die Straßen und strömen in Hauseingänge und Keller.

11.32 Uhr: In Hasbergen und Hellern sind fast alle Wege nach Osnabrück gesperrt.

12.04 Uhr: Die Kläranlage in Belm ist übergelaufen. Über den Belmer Bach ergießt sich das Schmutzwasser in die Hase.

14.05 Uhr: Die OPG teilt mit, dass das Parkhaus Vitihof für voraussichtlich eine Woche geschlossen bleibt. Das Untergeschoss war überflutet worden.

14.09 Uhr: Stadtsprecher Jürgensen berichtet, dass es an der Großen Schulstraße in Hellern zu Stromausfällen gekommen ist. Deshalb können dort keine Pumpen eingesetzt werden. Die Stadt bietet Boote und Busse an.

15.00 Uhr: Die Firma Wiemann in Oesede setzt die Produktion fort.

16.07 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht die Niederschlagsmengen: Von Donnerstag 8 Uhr bis Freitag 8 Uhr fielen in Osnabrück 128 Liter Regen pro qm, bis 15 Uhr am Freitag sind noch 12 Liter dazugekommen.

16.12 Uhr: Ein Damm der Düte bei der Möbelfabrik Wiemann ist gebrochen.

17.53 Uhr: Die Stadt Osnabrück meldet, dass der Hase-Pegel bislang noch nicht gefallen ist. Um 17.30 Uhr liegt der Stand noch bei 273 Zentimetern über normal. Gefährdet ist das Umspannwerk Heideweg. Feuerwehr und THW sichern das Werk.

20.03 Uhr: Die Firma Schoeller muss ihre Produktion einstellen.

Samstag, 28. 8. 2010

0.35 Uhr: Nach Auskunft der Feuerwehr ist das Umspannwerk in Osnabrück vorerst gesichert.

12.44 Uhr: Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) meldet eine leichte Entspannung an der Düte in Wersen und an der Hase in Lüstringen.

12.51 Uhr: In Oesede steht der Kindergarten St. Marien komplett unter Wasser.

12.56 Uhr: Die Landstraße 88 ist am Autobahnzubringer A 1 in Richtung Osnabrück aufgrund eines Erdrutsches gesperrt.

18.11 Uhr: Oberbürgermeister Pistorius hebt den Katastrophenfall auf.

18.33 Uhr: Das Wasser an der Mindener Straße steht immer noch 50 Zentimeter hoch unter der Brücke. Einige Bewohner sind von der Außenwelt abgeschlossen.

Sonntag, 29. 8. 2010

17.24 Uhr: Im Fledder kann das Wasser des Röthebachs nicht abfließen, weil die Hase voll ist.

19.00 Uhr: Die Feuerwehr rückt mit dem Kranwagen zur Hase auf dem alten Klöcknergelände an. Ein Arm der Hase – die Klöcknerhase – soll abgesperrt werden. Die Einsatzkräfte hoffen, dass dann das Wasser aus dem Röthebach ablaufen kann.

Montag, 30. 8. 2010

9.00 Uhr: Im Stadtgebiet Osnabrück gibt es außer der einspurigen Verkehrsführung auf der L 88 zwischen Osnabrück-Hafen und Leyer Straße keine Sperrungen mehr.

10.30 Uhr: Die Kläranlage in Belm ist fast wieder intakt.

14.45 Uhr: Die Pegelstände an der Hase in Eversburg (1,79 Meter) und an der Düte in Wersen (1,99 Meter) liegen unterhalb der ersten Meldestufe. An der Hase in Lüstringen herrscht mit 2,27 Meter noch Meldestufe 2.

Mittwoch, 1. 9. 2010

16.49 Uhr: Die Mindener Straße in Osnabrück ist wieder frei.


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