Feuer! Feuer! Hilfe, es brennt! 150 Jahre Feuerwehr Osnabrück im Museum Industriekultur


Osnabrück. Sie rannten zum Einsatzort, sie reichten die Eimer von Hand zu Hand, sie schwitzten an den Pumpen. Aber die Männer von der Heger Laischaft konnten das Kaffeehaus Bellevue nicht mehr retten. Der Brand im Herbst 1864 war die Initialzündung zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Osnabrück. Zu ihrem 150. Bestehen zeigt das Museum Industriekultur ab Sonntag die Ausstellung „Feuer! Feuer! Hilfe, es brennt!“

Schon 1722 schaffte die Heger Laischaft eine Feuerspritze an, und in Osnabrück war jeder Mann zwischen 18 und 60 zum Löschdienst verpflichtet. Wenn es brannte, strömten zwar 200 Helfer oder mehr herbei, aber sie standen sich nicht selten im Weg, wie Museumsleiter Rolf Spilker vermerkt. Es waren die Turner, die dem Osnabrücker Löschwesen vor 150 Jahren eine Struktur gaben.

Der Vorstand des Männer-Turnvereins teilte dem Magistrat am 25. November 1865 mit, dass er eine „Corporation zur Rettung bei Feuersgefahr“ bilden werde, um den „Mitbürgern bei vorkommendem Brandunglück treulich zur Seite zu stehen“.

Mit Unterstützung der Stadt wurde die Turner-Feuerwehr nach und nach ausgerüstet und militärisch-straff organisiert, mit Hauptmann, Zugführern und Rohrführern. Und mit einer eigenen Satzung, die unter Paragraph 17 ausführt: „Jedes Mitglied der Turnerfeuerwehr hat in und außer dem Dienste ein ehrenhaftes, männliches Betragen, insbesondere im Dienste Pünktlichkeit, Ruhe, Ausdauer, gehorsam und – wo es gilt – Muth und Besonnenheit zu zeigen.“

Keine Vorreiterrolle

Die Einrichtung der Turner-Feuerwehr war für Osnabrück zwar der entscheidende Schritt, um die Brandbekämpfung professioneller zu organisieren. Aber damit habe die Stadt keineswegs eine Vorreiterrolle eingenommen, sie sei lediglich einem Trend gefolgt, sagt Silke Dohms, die selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt ist und maßgeblich an der Ausstellung im Museum Industriekultur mitgewirkt hat. Vorreiter war Osnabrück auch nicht, wenn es um die technische Ausstattung ging. Die erste Motorspritze wurde 1912 angeschafft, das erste motorisierte Fahrzeug 1919. Schon damals mussten sich die Feuerwehrleute anhören, dass die Stadtkasse keine großen Sprünge zulasse.

Kampf ums Geld

1909 wurde in Osnabrück erstmals ein hauptamtlicher Brandmeister eingestellt: Paul Schreiber, ein anerkannter Mann seines Fachs, setzte sich für eine bessere Ausbildung der Feuerwehrmänner und für die Ausstattung mit modernen Löschgeräten ein. Dass er Osnabrück schon vier Jahre später den Rücken kehrte, ist für Museumsleiter Spilker ein Indiz, dass wieder einmal das Geld eine Rolle spielte. Immerhin rang sich der Magistrat Mitte der 20er Jahre durch, in Osnabrück eine Berufsfeuerwehr zu installieren.

Blaulicht und Strahlrohr

Die Ausstellung im Museum Industriekultur zeigt Dokumente aus mehreren Jahrhunderten, die oft kurios anmuten. Und weil bei Blaulicht, Rutschstange und Strahlrohr so manches Kind im Manne geweckt wird, kommt auch die Technik nicht zu kurz. Das Feuerwehrmuseum Kirchlengern stellte einige Leihgaben zur Verfügung, viele Exponate stammen aber auch aus Osnabrück.

Dazu gehören die Wassereimer aus Leder, die bis weit ins 19. Jahrhundert hinein als Löschgeräte unentbehrlich waren. Zuvor hatte man Holzeimer verwendet. Nach einem Brand um 1800 mussten alle hölzernen Löscheimer durch lederne ersetzt werden. Auch das war schon ein Fortschritt.


Die Feuerwehr ist überall dabei

Die Ausstellung „Feuer! Feuer! Hilfe, es brennt!“ wird bis zum 4. Oktober im Magazingebäude des Museums Industriekultur am Süberweg 50 gezeigt. Eröffnung ist am Sonntag, 23. August um 11Uhr.

Aus diesem Anlass zeigen die Feuerwehren von 11 bis 18 Uhr Feuerwehrarbeit aus nächster Nähe. Gezeigt werden historische und moderne Fahrzeuge und Geräte.

An folgenden Sonntagen ist die Feuerwehr vor Ort um Fragen zu beantworten und moderne Feuerwehrtechnik zu zeigen:

23. und 30. August,

6.,13. und 27. September und 4. Oktober.

Am Samstag, 19. September ist die Feuerwehr Osnabrück mit zahlreichen Fahrzeugen auf der Festmeile in der Innenstadt zwischen Nikolaiort und Domhof präsent.

Die Ausstellung im Museum Industriekultur ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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