„Unterschiedliche Rechtsauffassungen“ Klinikum Osnabrück feuert Chefarzt

Von Wilfried Hinrichs

Symbolfoto: imago/suedraumfotoSymbolfoto: imago/suedraumfoto

Osnabrück. Das Klinikum Osnabrück hat sich mit sofortiger Wirkung vom Chefarzt der Onkologie getrennt. Der Hintergrund: Unterschiedliche Auffassungen über die Art und Weise der Abrechnung.

Beide Seiten halten sich in dieser heiklen Auseinandersetzung sehr bedeckt. Tatsache ist, dass die Klinikum-Leitung eine fristlose Kündigung ausgesprochen hat und der renommierte Krebsarzt das Haus Hals über Kopf verlassen musste. Patienten, die den Mediziner sprechen wollten, wurden vertröstet. Wer hartnäckiger nachfragte, erhielt zur Antwort, dass der Professor nicht mehr für das Klinikum tätig sei.

Geschäftsführer Frans Blok begründet den drastischen Schritt mit einem „Dissens über vertragliche Abrechnungsmodalitäten“. Im Klartext: Es geht ums Geld. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht eine Vereinbarung aus dem Jahr 2008, die der Chefarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Blutstammzellentransplantation mit dem damaligen Klinikum-Geschäftsführer Hansjörg Hermes ausgehandelt hatte. Über Inhalte hüllen sich beide Seiten in Schweigen. Klinikum-Geschäftsführer Blok sagt, der Chefarzt habe einige Vorgänge nicht ausreichend erklären können, die jetzt im Zuge des umfassenden Konsolidierungsprozesses des Klinikums ans Licht gekommen seien. Das Vertrauensverhältnis sei zerstört. „Es ist schade, dass Vorfälle aus der Vergangenheit, die wir nicht ignorieren können, zur Beendigung der Zusammenarbeit führen mussten.“ Der Professor genieße fachlich ein hohes Ansehen und habe sich um das Klinikum verdient gemacht. Um so bedauerlicher sei diese Entwicklung. Blok äußerte die Hoffnung, dass eine Einigung und einvernehmliche Lösung möglich ist. Voraussetzung sei allerdings, dass der finanzielle Schaden, der dem Klinikum entstanden sei, beglichen werde. Über die Höhe des Schadens schweigt Blok.

Nach Recherchen unserer Redaktion liegt die strittige Summe bei etwa 80000 Euro. Zwei externe Experten für Medizinrecht sollen die Vorgänge geprüft und die Haltung der Klinikum-Geschäftsführung bestätigt haben.

Die Gegenseite zieht in Zweifel, dass überhaupt ein Schaden entstanden ist. Der Anwalt des geschassten Chefarztes, Daniel Renger aus Dortmund, legt Wert auf die Feststellung, dass der der Kündigung zugrunde gelegte Sachverhalt nicht abschließend geklärt sei. Es gebe unterschiedliche Interpretationen zu der Vereinbarung von 2008. Die rechtliche Bewertung gehe „weit auseinander“. „Sollte es, aus welchen Gründen auch immer, zu einer Überzahlung gekommen sein, ist mein Mandant selbstverständlich zur Rückzahlung bereit“, sagte der Arbeitsrechtler. Damit sei kein Eingeständnis verbunden, betonte Renger. Sein Mandant käme in dem Fall nur der grundsätzlichen arbeitsrechtlichen Regelung nach, wonach ein Arbeitnehmer versehentlich zu viel gezahlten Lohn selbstverständlich zurückzuzahlen habe.

Der Betriebsrat hat der fristlosen Kündigung zugestimmt. Auch der Aufsichtsrat steht geschlossen hinter der Entscheidung der Klinikum-Geschäftsführung. Aufsichtsratsvorsitzender Michael Hagedorn sagte am Freitag: „ Der Sachverhalt ist, auch wenn er in der Vergangenheit liegt, für uns so nicht akzeptabel. Im Interesse des Klinikums ist aber auch der Aufsichtsrat an einer möglichst einvernehmlichen Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Chefarzt interessiert. Insofern würden wir es begrüßen, wenn eine Einigung erzielt werden könnte.“

Über die Chancen einer Einigung, wollte Rechtsanwalt Renger am Freitag nicht spekulieren. Das könne er zurzeit nicht einschätzen. Der gefeuerte Professor hat bis Ende des Monats Zeit, Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht einzureichen.


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