Flexibles Carsharing Flow>K stößt auch außerhalb von Osnabrück auf Interesse

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Einfach losfahren und das Auto irgendwo in Osnabrück stehen lassen. Zum Beispiel in der Bahnhofsgarage. Dieses neue Angebot mit dem Flow>K hat Stadtteilauto in den vergangenen elf Monaten ein Drittel mehr Kunden beschert. Aber das Ziel, damit möglichst viele Zweitwagen überflüssig zu machen, wurde bislang nicht erreicht.

Beim Flow>K (was so viel heißen soll wie „fließendes Auto“) muss die Fahrt im Gegensatz zum Stat>K (abgeleitet von stationär) nicht reserviert werden. Die 30 rot-weiß-blauen Kleinwagen vom Typ VW Up verteilen sich im Idealfall über die Innenstadt und die angrenzenden Viertel. Eine Smartphone-App verrät, wo das nächste Auto wartet und wie weit es bis dahin ist.

Verschiedene Zonen

Nach der Fahrt wird der Flitzer einfach am Straßenrand geparkt. Wer den Wagen außerhalb der Kernzone abstellt, muss fünf Euro drauflegen, am Stadtrand zehn Euro. Die einzelnen Zonen sollen demnächst noch etwas modifiziert werden. Es könnte auch sein, dass Belm demnächst angeschlossen wird, kündigt Christian Reining, der Prokurist von Stadtteilauto, an.

Das Unternehmen, das als Carsharing-Initiative gestartet ist und seit vier Jahren zu 50 Prozent den Stadtwerken gehört, hat die Kinderkrankheiten der neuen Mobilitäts-App überwunden. Alles funktioniere mittlerweile stabil, versichert Reining. Er freut sich über die vielen Anfragen aus anderen Städten, die das Osnabrücker Modell gern ganz oder teilweise übernehmen würden. Mit Basel gebe es einen Erfahrungsaustausch, der sich auch auf die Nutzung von Social Media bezieht. Und gemeinsam mit der Hochschule Osnabrück werde demnächst ein Forschungsprojekt gestartet.

Privatautos ersetzen

„Wir sind Pilot“, sagt Reining und freut sich über das wohlwollende Echo. Aber an dem Ziel, das sich Stadtteilauto vor einem Jahr gesetzt hat, muss aber noch weiter gearbeitet werden. Mit dem neuen Mobilitätsangebot wollen die Verantwortlichen dazu beitragen, dass private Autos durch Gemeinschaftsautos ersetzt werden. Aus der vielversprechenden Zielgruppe der Zweitwagenbesitzer wechselten bislang nur einzelne zum Carsharing. Aber an solchen Umsteigern wird der Erfolg des Flow-Projekts gemessen.

Ohne Grundgebühr

Rund 1700 Kunden sind bei Stadtteilauto Osnabrück registriert, etwa 500 davon nutzen – ohne monatliche Grundgebühr – nur die Flow-Autos. Das kostet zehn Cent pro Minute und 29 Cent pro Kilometer, für längere Zeiteinheiten wird es noch billiger. Das müsste doch für viele Stadtbewohner interessant sein, meint Christian Reining, etwa für Leute, die mit Gepäck zum Bahnhof fahren, um zu verreisen. Seit ein paar Wochen dürfen die blau-weiß-roten Kleinwagen auf festen Plätzen in der Bahnhofsgarage abgestellt werden, bis der nächste Nutzer zugreift.

Auch bei den Studierenden in Osnabrück sieht Reining noch Potenziale. Es sei doch erstaunlich, dass so viele von ihnen mit dem eigenen Auto zur Uni oder Hochschule fahren, meint der Mobilitätsmanager. Er will das Free-Floater-System in Osnabrück über die dreijährige Modellphase hinaus etablieren. Dafür müssten sich aber noch viele Sympathisanten entschließen, Kunden zu werden. Ein Prozess, der in Osnabrück langsam vonstatten geht, wie Reining ungeduldig konstatiert. Wenn die Bilanz nach drei Jahren zu dürftig ausfalle, dann werde es sehr, sehr lange dauern, bis es etwas Vergleichbares gebe.