Neues vom Osnabrücker Musiker Joachim Raffel: Aktuelle CD fordert zum Tanz auf

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Der Vielseitige: Joachim Raffel, Jazzmusiker und Komponist aus Osnabrück. Foto: PR / Michael SchroederDer Vielseitige: Joachim Raffel, Jazzmusiker und Komponist aus Osnabrück. Foto: PR / Michael Schroeder

Joachim Raffel ist ein produktiver Künstler, und er erfindet sich regelmäßig neu. Auf seiner CD „So Dance“ kehrt er den melancholischen Jazzer heraus.

Vor dem Tanz heißt es sich zunächst sammeln. Ruhig sitzen, seinen Gedanken nachhängen: So mutet der „Spring Bell Song“ an, mit dem das aktuelle Album von Joachim Raffel beginnt. Marie Séférian besingt mit flötengleicher Stimme die Unbegreiflichkeit des Frühlings, untermalt von schlichten Klavierakkorden, Cello und Geige: Das Lied beschränkt sich auf minimale Mittel und ist wie ein Blick aus dem verregneten Wohnzimmerfenster. „So Dance“, die nächste Nummer ist dann eine waschechte Jazznummer im Latin-Groove, in dem Vokalisen von Séférian gleichberechtigt neben den Saxofonlinien von Natalie Hausmann erklingen. Der Bandleader selbst steuert ein Solo bei, wie es typisch für den Pianisten, Komponisten und Uni-Dozenten ist: Er legt seit jeher mehr Wert auf die Melodie denn auf Kraft und Virtuosität.

Melodie mit einem Hauch Melancholie

Das gilt nicht nur in „Romance“, eine Ballade, die Teil seiner Musik für den Film „Daimonion“ ist. Auch das ausladende „Three Places“ besticht durch einfühlsame Melodik über pulsierenden Rhythmen, und das gern umweht von einem Hauch Melancholie.

Glücklicherweise verliert sich Raffel aber nicht in seiner Melancholie, sondern besticht durch immense stilistische und klangliche Vielfalt. Dem klassischen Jazz-Instrumentarium addiert er mal Geige und Cello hinzu und nimmt stattdessen Bass und Schlagzeug weg, oder er leistet mit „Solid Souls Of The Eternal Giving“ seinen Beitrag zum zeitgenössischen Jazz-Klaviertrio : mit kreisenden Läufen im Bass und in der linken Hand, über denen flächige Akkorde die Fenster zu weiten Klangräumen aufstossen. In eine ähnliche Richtung weißt „Easy Enough“ oder „Returning To the River“, wobei er durch Bratsche und Gesang das klangliche Spektrum erweitert. Und allein am Klavier legt Raffel den Grund für die bezaubernde Ballade „Shall I Compare Thee To A Summer‘s Day“ sowie die feine Stimme von Marie Séférian und die Gitarre von Serge Corteyn. In einem kleinen „Interlude“ bewegt sich Raffel dann zwischen den Polen Jazz, Zwölfton- und Minimal Music, als wolle er Jazz und Klassik noch einmal zusammenfassen. Denn danach bricht er auf in eine exotisch-fremde Welt. Mit seinem geliebten indischen Harmonium, ein bisschen exotischer Percussion und wolkigen Gitarrensounds schafft er ein klangliches Fundament für einen Wechselgesang über das Motto „Dance Truly“, Männer und Frauen fein voneinander getrennt. Mandraartig insistiert dieses Finale, wirkt dadurch ebenso überraschend wie gewöhnungsbedürftig. Aber Raffel Kunst, den richtigen Ton zu finden, funktioniert immer. Also auch hier.


Joachim Raffel: „So Dance“. 1 CD, erschienen bei Unit Records

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