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Leerstandsmelder im Internet 350 Wohnungen und Geschäfte in Osnabrück stehen leer

Von Rainer Lahmann-Lammert

Hier steht ein ganzes Haus leer: Ansgar Geisen, Martin Kanning und Marcia Bielkine (von links) haben einen Leerstandsmelder für Osnabrück im Internet eingerichtet. Foto: Hermann PentermannHier steht ein ganzes Haus leer: Ansgar Geisen, Martin Kanning und Marcia Bielkine (von links) haben einen Leerstandsmelder für Osnabrück im Internet eingerichtet. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Keine Gardine, keine Leuchtreklame, keine Spur menschlichen Lebens: Wenn Martin Kanning und seine Mitstreiter irgendwo in Osnabrück eine leer stehende Wohnung oder ein verlassenes Geschäft entdecken, sorgen sie für einen Eintrag im Leerstandsmelder. Das ist eine Internetseite, auf der mittlerweile 350 Geisterimmobilien verzeichnet sind.

„Recht auf Stadt“ nennt sich die Gruppe, die sich vor einem Jahr im Freiraum Petersburg zusammengefunden hat. Die zehn Aktivisten, überwiegend Studenten, hoffen auf Gleichgesinnte, die sich bei www.leerstandsmelder.de/osnabrueck registrieren und ihre Beobachtungen einbringen.

Warum das Ganze? „Ich hätte nie gedacht, dass es in Osnabrück so viele Leerstände gibt“, sagt Martin Kanning, der in Osnabrück studiert. Selbst in den gefragten Wohnvierteln, im Katharinenviertel und am Westerberg, gebe es ungenutzten Wohnraum. Der Leerstandsmelder im Internet sei ein gutes Instrument, um „auf die Problematik aufmerksam zu machen“. Vielleicht, um potenzielle Hausbesetzer auf den Plan zu rufen? Das gerade nicht, wehrt Kanning ab. Ihm geht es eher um einen Appell an die Eigentümer und die Stadt. In Osnabrück gebe es eine große Nachfrage, weil Erstsemester, Flüchtlinge und Obdachlose untergebracht werden müssten, und da biete sich vielleicht auch die eine oder andere Zwischennutzung an.

Der Leerstandsmelder weist viele rote Punkte im Stadtzentrum auf, ebenso in der Wüste und in der Neustadt. Im Schinkel wird es dann schon weniger, und in Stadtteilen wie Dodesheide, Pye oder Voxtrup scheint es gar keine Leerstände zu geben. Aber das wäre ein Fehlschluss. Wahrscheinlicher ist, dass sich dort keine Aktivisten tummeln, die ihre Beobachtungen melden. Deshalb hoffen Martin Kanning und die Mitglieder der Gruppe „Recht auf Stadt“, dass sich weitere aufmerksame Beobachter anschließen und ihre Entdeckungen eintragen.

Außerdem muss die interaktive Karte ständig aktualisiert werden. Ein Blick auf die Internetseite zeigt, dass manche Einträge schon überholt sind. Zum Haus des Handels an der Herrenteichsstraße heißt es etwa, dass es seit einem halben Jahr nicht mehr genutzt werde und dass an seiner Stelle ein Neubau errichtet werden soll. Dass die Abbrucharbeiten vor einigen Tagen begonnen haben, ist noch nicht vermerkt.

Manchmal geben Eigentümer oder Hausverwaltungen Kommentare ab. So findet sich zum Beispiel der Hinweis, dass zwei Wohnungen an der Osningstraße schon wieder vermietet seien oder dass für ein Haus am Grenzweg eine neue Nutzung gesucht werde. Sogar die Telefonnummer ist angegeben – da spart der Vermieter das Geld für die Zeitungsanzeige.

Die Initiative „Recht auf Stadt“ ist übrigens selber auf der Suche nach einer Ladenfläche, um Treffen zu veranstalten, vielleicht auch für Vorträge oder Filmbeiträge. An jedem zweiten Dienstag treffen sich die Aktivisten jeweils um 18 Uhr im Stadtgalerie-Café, das nächste Mal am 25. August.


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