Norbert Henze hat eingeladen „Wir sind im Park“: Gut gelaunt in Jonathans Garten

Von Anne Reinert


Osnabrück. Rund 800 Besucher kamen zum Gartenfest „Wir sind im Park!“. Ein Wochenende lang gab es im Kunstpark von Norbert Henze Musik, Kunst, Theater und Film.

Welch lauschiges Plätzchen! Von der viel befahrenen Bohmter Straße aus ist kaum zu erahnen, was für einen schönen Park der Metallkünstler Norbert Henze alias „Jonathan“ hinter einem der Häuser eingerichtet hat. Verschlungene Pfade führen vorbei an großen Bäumen und Kunstwerken zu verträumten Plätzen wie einer Liebeslaube oder einem großen Steinofen.

Henze verbringt hier seine Sommermonate. Aber er hat manchmal auch Gäste. Im letzten Jahr feierte hier „Jonathan - Ein Herz und tausend Seelen“ Premiere, ein Film über sein Leben von Marcel Trocoli Castro. Der Videojournalist hatte auch die Idee, ein großes Gartenfest mit Kunst und Kultur zu feiern. Er trommelte Künstler und Kulturschaffende für „Wir sind im Park!“  zusammen und holte das städtische Kulturamt ins Boot. Schließlich passt ein so ein Fest im Grünen perfekt ins Motto „Wir sind im Garten“ des Kulturjahres 2015.

Und so sind am frühen Freitagabend ein Fotograf und drei Models im Park unterwegs. Ragnar Gischas eröffnet das Gartenfest mit einem Live-Akt-Fotoshooting, für das er drei junge Frauen in der Liebeslaube oder an anderen Orten im Garten posieren lässt. Parallel zum Shooting läuft der Trailer zu einer Dokumentation über Ragnar Gischas, die Trocoli Castro gedreht hat. Zu sehen ist er auf einer Leinwand in einem großen Essigfass.

Installationen und Musik

Es kommt bei diesem Gartenfest alles zusammen. Kunst, Musik, Film und Theater, aber auch die geselligen Seiten, das Trinken, das Essen, das gemütliche Beisammensein. Zwei Installationen sind zu sehen. Neben einem Hühnerstall lässt das Künstlerduo eine Parallelwelt entstehen: Calmatria heißt der Planet, auf dem Tiere geschützt sind und die die jungen Künstlerinnen in einer Performance zum Leben erwecken. In einem leicht verfallenen Häuschen baumeln Fotos an Fäden von der Decke, auf deren Rückseite Zitate und Sprüche zu lesen sind. Sie gehören zu Hanna von Behrs „Reise durchs Teehaus“.

Das Musikprogramm wird am Freitag von Singer/Songwriterin Luca eröffnet, die mit anbrechender Dunkelheit das Publikum im Park mit ihrer sanften Stimme und ihren Songs auf Englisch und Deutsch verzaubert. Ihr folgt ein Auftritt von Calma, die nicht nur Kunst, sondern auch Alternative-Musik machen. Am Samstag tritt Soullady Tina Sona auf. Sie begeistert mit ihrer kräftigen Stimme und dem akustischen Auftritt so, dass sie noch ein paar Zugaben spielen muss. Und noch mehr Musiker sind dabei. Auf der Open Stage des Freiraums Petersburg wechseln sie sich ab.

Lob des Essigs

Mit Begeisterung aufgenommen wird der Auftritt das Theaterkollektivs Pussy Power Grrrls . „Plastic Evantastic“ ist ein ironisches Anti-Naturprogramm, lobt Eva (Saskia Boden) darin doch die Sauberkeit als Form der Freiheit - und hat manche Tipps, was sich mit Essig so alles in Ordnung bringen lässt. Die Zuschauer fordern eine „Essiggabe“.

Apropos Essig, im Essigfass sind noch einige Filme mehr zu sehen, etwa Ausschnitte aus der Jonathan-Doku. Und das European Media Art Festival ist zu Gast mit dem Filmprogramm „La vie en rose“.

Auch der Gastgeber hat seinen Auftritt und erhellt mit seiner Feuershow die Nacht. Und was wäre ein Gartenfest ohne Tanz? Eben. Für die musikalische Untermalung sorgte DJ Mario Schoo mit seinem Sixties-Soul.

Im nächsten Jahr wieder?

Marcel Trocoli Castro hält eine Neuauflage des gut gelaunten Festes im nächsten Jahr für möglich. Abhängig ist das auch von der weiteren Existenz der Gärten. Die Stadt hat die Flächen als mögliches Bauland ins Auge gefasst.


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