Konzepte der Erinnerung Kunst und Holocaust: Thema im Felix-Nussbaum-Haus


Osnabrück. Wie verhält sich Kunst zur Erinnerung an den Holocaust im Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus? Die Kuratorinnen Inge Jaehner und Eva Berger antworten.

Mit rund 200 Bildern beherbergt das Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus nahezu das gesamte Werk des 1944 in Auschwitz ermordeten Künstlers. Gemälde wie „Selbstbildnis mit Judenpaß“ oder „Triumph des Todes“ nehmen inzwischen zentrale Positionen im Themenfeld von Kunst und Erinnerung ein. Aber wie wird künftig mit Felix Nussbaums Kunst und dem Museum an den Holocaust erinnert? „Das ist eine schwere Aufgabe. Aber wir haben da viele Möglichkeiten“, sagt Inge Jaehner, Direktorin des Felix-Nussbaum-Hauses. Sie vertraut der Überzeugungskraft des Exponates. „Das einzelne Objekt hat eine unglaubliche Bedeutung“, sagt sie. Zugleich möchte sie das Felix Nussbaum gewidmete Haus vor allem im Hinblick auf die Kunst verstehen. „Wir sind kein Geschichtsmuseum“, stellt Inge Jaehner fest. (Hier weiterlesen: Das Felix-Nussbaum-Haus - ein Architekturklassiker) .

Museumsareal als Erinnerungsort

Ihre Kollegin Eva Berger sieht das ein wenig anders. „Das Felix-Nussbaum-Haus ist nicht ausschließlich ein Kunstmuseum“, sagt Berger, die dem Kulturgeschichtlichen Museum vorsteht und Inge Jaehner derzeit vertritt. Das Felix-Nussbaum-Haus wurde 1998 als Anbau an das Kulturgeschichtliche Museum eröffnet. Berger versteht das gesamte Museumsareal in der Osnabrücker Innenstadt als Erinnerungsort. Ihre Frage: Wie sollte 2018 der 20. Jahrestag der Eröffnung des Nussbaum-Hauses gestaltet werden? Berger regt an, dann nicht nur auf den Künstler Felix Nussbaum zu schauen, sondern die ganze Familie Nussbaum in den Blick zu nehmen und ihre Ausgrenzung in der Stadt während des Dritten Reiches zu thematisieren. „Die Osnabrücker sollten sich mit dieser Epoche viel stärker beschäftigen“, regt Eva Berger an. (Hier weiterlesen: Mit Haustechnikern im Felix-Nussbaum-Haus unterwegs) .

Verweis auf „Verborgene Spur“

Inge Jaehner hingegen plädiert für Kontextualisierungen anderer Art. Dabei verweist sie auf ihre Ausstellung „Die verborgene Spur“ von 2009. Mit dieser Schau habe sie bereits aufgezeigt, wie das Thema der Erinnerung von Künstlerinnen und Künstlern weiter behandelt worden sei. Für die Museumsleiterin ist klar, dass Osnabrück mit den Bildern Felix Nussbaums eine einzigartige Sammlung beherbergt. „Damit tragen wir aber auch eine singuläre Verantwortung“, sagt die Kunsthistorikerin. Nach ihren Worten muss aber auch die Erforschung der Lebensgeschichte Felix Nussbaums weitergehen. Journalistische Recherchen hatten kürzlich gezeigt, dass der Maler nicht schon am Tag seiner Ankunft im Konzentrationslager Auschwitz, also am 2. August 1944, gestorben ist, sondern zumindest noch mehrere Wochen lang in dem Lager gelebt haben muss. Das belegt der Eintrag in einer erst jetzt eingesehenen Krankenakte. (Hier weiterlesen: Begehrte Bilder - so funktioniert der Leihverkehr im Felix-Nussbaum-Haus)

Neue Konzepte

Wie die Beschäftigung mit dem Thema Kunst und Erinnerung auch neu konzipiert werden kann, hatte zuletzt Jürgen Kaumkötter gezeigt. Der freie Kurator richtete unter dem Titel „Der Tod hat nicht das letzte Wort“ eine Ausstellung mit Kunst zum Thema Holocaust im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages in Berlin ein. Unter dem gleichen Titel publizierte er auch ein Buch, in dem er seine mehrjährigen Forschungen zum Thema zusammengefasst hat. „Kern des Konzepts ist die Frage: Wie gestalten wir die Erinnerung an Auschwitz, wenn die Überlebenden nicht mehr da sind?“, beschreibt Kaumkötter seine Ausgangsfrage der Ausstellung, jene Frage also, die auch die Arbeit im Felix-Nussbaum-Haus in den nächsten Jahren entscheidend bestimmen wird. Kaumkötters Antwort: Er trug für seine Ausstellung Arbeiten von Künstlern zusammen, die die Konzentrationslager zum Teil überlebt haben oder im Lager Anstöße für ihre weitere Arbeit empfingen. Kaumkötter hat darüber hinaus dokumentiert, wie sich junge Künstlerinnen und Künstler heute mit dem Thema des Holocaust beschäftigen - im Video, im gemalten Bild oder in der gezeichneten Graphic Novel. Das Thema bleibt virulent. (Hier weiterlesen: Jürgen Kaumkötters Buch zur Holocaust-Kunst) . (Ende der Serie)


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