Radtouren in der Region (19) Rätselhafte Welle zwischen Melle und Osnabrück



Osnabrück. Ganz ohne Steigungen – wenn man von ein paar Wellen absieht – radeln sich die 31 Kilometer von Melle über kleine Ortschaften zurück nach Osnabrück gemütlich herunter.

Die erste Melle-Tour der „Osnabrücker Radfahr-Blüte“ von Realschullehrer Heinz Wüppen – mit der Bahn in eine der umliegenden Städte und mit dem Rad zurück – ist ohne große Höhepunkte. Und das im Wortsinn: Wer nicht gerne an Bergen antritt, sondern lieber entspannt vor sich hin rollt, ist auf den Feld- und Waldwegen dieser Tour genau richtig.

Mit dem Aufzug zum Zug

Am Osnabrücker Hauptbahnhof hilft die Technik über eine Steigung hinweg: Über den Aufzug auf Gleis 1 kommt man hoch zu Gleis 11 und damit zum Zug, der uns in 13 Minuten nach Melle bringt. Kaum haben wir in die Pedale getreten und sind am Meller Markt erstmals auf das Logo des „Else-Werre-Radwegs“ gestoßen, passieren wir den ersten, flachen Höhepunkt der Tour: die „Hochzeitsallee“, in der frisch verheiratete Paare einen Baum pflanzen. Eine Einheimische verrät uns augenzwinkernd den wahren Grund für dieses Projekt: „Die Stadt will sparen. Und so kommt sie umsonst an eine schöne Baumallee.“

Kaum haben wir wieder Tempo aufgenommen, stehen wir in einer „Stadt innerhalb der Stadt“. Der Grönenbergpark beherbergt die Einrichtungen der Landesturnschule Melle. Die verschiedenen Seminar- und Gästehäuser sind im Fachwerkstil erbaut, aber höchstens 60 Jahre alt.

Die Orientierung verloren

Wir fahren kreuz und quer durch den Park, der uns so begeistert, dass wir die Orientierung verlieren und Heinz Wüppen erst einmal die Karte studieren muss, bevor wir wieder unsere Else-Werre-Tour gefunden haben. Die führt uns über schlechte Feldwege Richtung Schloss Gesmold. Aus der Ferne grüßt das Warenlager eines großen Billigmarktes, im Feld bläst uns der Wind mächtig um die Ohren. Nach einigen Kilometern fragen wir uns, ob ständiger Gegenwind auf 31 Kilometern am Ende nicht anstrengender sein wird als knackige, aber kurze Steigungen.

Das Renaissance-Schloss Gesmold ist in Privatbesitz, das Bio-Café ist noch geschlossen. Wir fahren auf der Schlossallee weiter Richtung Nemden und passieren den Campingplatz „Ludwigssee“. Der Platz ist gut belegt, der See ist leer – kein Wunder bei Temperaturen, die in diesem Sommer an einigen Tagen eher an Herbst erinnern. Von Nemden kommen wir auf die Allee, die zur ebenfalls privaten Wasserburg Ledenburg führt. Ein Hund begrüßt uns freundlich vor dem Tor, um uns anschließend seinem Besitzer zu melden.

Auf die Hase-Ems-Route

Wir fahren am Burggraben entlang weiter durch den Wäldchen Richtung Wersche, jetzt auf der auf der Hase-Ems-Tour . Nun wird es rätselhaft. Rätsel eins: Ein Schild weist uns auf das „Naturdenkmal Werscher Welle“ hin. Vor uns: naturbelassener Wald. Um zu erkennen, ob es sich hier um besondere Pflanzen handelt, fehlen uns die Fachkenntnisse. Informationen darüber finden wir aber auch keine. Wir werden zu Hause nachrecherchieren.

Durch die Wiesen des Hasetals kommen wir nach Wersche. Rätsel zwei: Wie viele Wersches gibt es? Zwei Mal passieren wir das Ortsausgangsschild, nur um hundert Meter weiter wieder am Ortseingangsschild zu stehen. Wäre Wersche nicht so idyllisch, könnte man glauben, man sei in einem Horrorfilm mit dem Titel: „Hier kommt ihr nie mehr heraus!“

Zurück nach Osnabrück

Der überschäumenden Fantasie entkommen wir auf den letzten Kilometern der Tour, die uns wieder ohne große Höhepunkte über Natbergen, Düstrup und Voxtrup – immer den Radwegweisern nach – und durchs Industriegebiet Fledder zurück in die Stadt bringt.

Zeit, das Rätsel um die Werscher Welle zu lösen. Im Internet finden wir heraus: Es handelt sich dabei um eine Armleuchteralge (Characeae), die zuletzt 1897 in Niedersachsen festgestellt wurde und jetzt in einigen Gegenden, unter anderem eben in diesem Werscher Waldgebiet, wiedergefunden wurde. Ein echtes Naturdenkmal eben. Und wir haben es nicht ausreichend gewürdigt!


Tourbeschreibung nach Heinz Wüppen: Vom Bahnhof Melle geht’s direkt geradeaus über Bahnhofstraße und Mühlenstraße einen Kilometer ins Zentrum. Am Ende der Mühlenstraße gesellt sich das Logo des „Else-Werre-Radweges“ zu uns. Wir sind am Markt, gleich neben dem Rathaus und den beiden markanten Kirchen Melles. Rechts über die Kreuzung geht es in die Weststraße, doch hinter dem Kreisel werden wir links auf einen Pfad direkt an das Elseufer geführt zum nächsten Höhepunkt, zur Hochzeitsallee. Wenige 100 Meter weiter geht es wieder über die Else und wir sind beim Grönenbergpark.

Zurück an der Else kommen wir bald an eine große Straße, die Westumgehung. Wir folgen stets dem Else-Werre-Radweg. Noch vor der A-30-Unterführung geht es rechts für drei Kilometer im Zickzack über Feldstraßen und -wege zum Schloss Gesmold. Wir fahren die 1,7 Kilometer lange Schlossallee bis zum Ende und biegen im spitzen Winkel zurück auf die Westerhauser Straße und dann bald rechts in die Nemdener Straße. Sogleich erscheint rechts der Campingplatz „Ludwigssee“. Wir verlassen die E-W-Tour und bleiben auf der Nemdener (später Warringhofer) Straße, die uns nach 1,9 Kilometern nach Nemden führt. Rechts geht’s in die Gesmolder Straße, nach 900 Metern rechts in den Haller Kirchweg und dann geradewegs durch die Allee auf das Tor der Ledenburg. Wir halten uns auf den unbefestigten Weg links am Burggraben entlang, auch, als der Graben nach rechts abknickt, bevor wir uns entgegengesetzt der Seitenpforte 350 Meter durch den Weg zur Asphaltstraße Haller Stiegteweg durchschlagen. Wir folgen ab jetzt für viele Kilometer der „Hase-Ems-Tour“ (grün-blaues Fahrrad-Logo) und fahren über das kleine Naturwäldchen „Werscher Welle“ nach Wersche. Wir werden am Eichenhof rechts ab geleitet, um nach 3,7 Kilometern (über Thiesstraße, Heitkampsweg, Heenkamp, Strockumer Feld ) unweit den Reiterhof Gut Stockum wieder auf Asphalt zu kommen. Über (rechts) Rosenheide und (links) Lüstringer Straße kommen wir nach Natbergen und biegen rechts auf „Auf der Heide“.

Nach 1,4 Kilometern verlässt uns die Hase-Ems-Tour nach rechts, wir radeln noch „Auf der Heide“, durch die Bauerschaft Düstrup, um dann rechts in die Düstruper Straße einzubiegen. Wir fahren am Kreisverkehr die Wasserwerkstraße bis zu ihrem Ende und noch weiter, denn ein Radfahrweg führt uns unter der A 33 her ins Industriegebiet Fledder. Jetzt fahren wir (anders als das Radfahrzeichen) links in „Hettlicher Masch“, dann links in „Am Huxmühlenbach“, über die Hannoversche Straße hinaus kommen wir auf die Meller Straße. Nach 700 Metern biegen wir rechts in die Pferdestraße, biegen für kurz links auf den „Großen Fledderweg“. Wir biegen rechts nicht in die Braunschweiger Straße, sondern 100 Meter weiter in den unscheinbaren Weg, um so hinter den Gärten der Meller Straße ins Stadtinnere zu fahren.

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