Berufseinstieg nach Familienphase Osnabrückerinnen suchen Ausweg aus der Minijob-Falle

Von Johanna Lügermann

Helga Rudolphi und Andrea Kraft beraten Berufsrückkehrerinnen in Osnabrück. Foto: Hermann PentermannHelga Rudolphi und Andrea Kraft beraten Berufsrückkehrerinnen in Osnabrück. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. „Entweder Vollzeit oder 450 Euro im Monat“, so beschreibt eine gelernte Bürokraft aus dem Osnabrücker Land das Angebot an Stellen, das für sie in Frage kommt. Zwei Jahre arbeitete sie in einem Minijob, wie etwa 15 Prozent der Frauen im Westen Niedersachsens.

Die Quote liegt laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in den Bereichen Osnabrück, Nordhorn, Vechta sowie Emden/Leer im Vergleich zum Rest des Bundeslandes relativ hoch, während die Zahl an sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen auf niedrigem Stand verharrt. Die Autoren der Studie führen dies darauf zurück, dass im Westen die Frauen im Alter von Mitte 20 in eine Familienphase wechselten, oft einen Minijob annähmen – und dann vielfach nicht wieder in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zurückfänden.

„Ich bin dafür ein typisches Beispiel“, sagt die Bürokauffrau, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Mit 26 bekam ich mein erstes Kind und blieb zu Hause.“ Ab dem dritten Lebensjahr besuchte ihr Kind zwar einen Kindergarten, doch die Betreuung war auf den Zeitraum von 8 bis 12 Uhr begrenzt. „Mit der Zeit, die das Pendeln in Anspruch nimmt, ist eine Vollzeitstelle nicht machbar“, sagt die inzwischen zweifache Mutter. Sie nahm schließlich einen Minijob in einer Wäscherei an. Zufrieden war sie damit nicht: „Ich habe ein Abitur und wollte mehr.“ So wandte sie sich an die Bundesagentur für Arbeit und erfuhr dort von dem Programm „Frauen starten durch“ für Berufsrückkehrerinnen.

Arbeitsvermittlerin Monika Schnuck bereitet in diesem Kurs derzeit 14 Frauen auf das Arbeitsleben vor. Dabei werden Bewerbungsunterlagen erstellt und Gespräche mit potenziellen Arbeitgebern trainiert. „Es geht vor allem darum, dass Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken. Nach einer Familienphase fühlen sie sich oft unsicher“, sagt die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt Andrea Kreft. Bei den täglichen Treffen sprechen die Frauen in der Gruppe und in Einzelberatungen über die eigenen Stärken und Schwächen. Sie müssen zunächst herausfinden, was ihr Ziel ist. Von den Arbeitsvermittlern erfahren sie, was möglich ist. Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld ist keine Voraussetzung für die Teilnahme. Der Kurs umfasst 20 Stunden pro Woche. „So können die Frauen auch später einem Arbeitgeber zeigen, dass sie die Kinderbetreuung organisiert haben“, sagt Kreft.

Aufgrund der schlechten Betreuungsmöglichkeiten seien viele qualifizierte Kräfte vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, meint die Beauftragte für Chancengleichheit: „Dadurch kommen viele nicht aus der Minijobfalle heraus.“ Auch für eine andere Teilnehmerin des Kurses war die Betreuung ein großes Hindernis: „Platz 20 auf der Warteliste für einen Hortplatz – da hat man uns nicht viel Hoffnung gemacht.“ Warum ihr Sohn den Platz nun doch bekam, weiß sie nicht, aber sie freut sich. Ihr jüngeres Kind ist in einer Ganztagskita untergebracht, die von 7 bis 17 Uhr geöffnet ist. Das gibt ihr die Möglichkeit, eine Vollzeitstelle anzunehmen. Die Sozialassistentin hat auch Arbeitgeber erlebt, die kompromissbereit waren. Als Altenpflegerin hätte sie um 8, statt wie vorgesehen um 7 Uhr am Morgen beginnen dürfen.

Es war jedoch ein langer Weg, bis sie die ersten Bewerbungen abschickte: „Nach acht Jahren Familienzeit hatte ich das Gefühl, ich kann gar nichts.“ „Frauen starten durch“ habe ihr geholfen, ein Bewusstsein für die eigenen Stärken zu entwickeln. „Ich kann gut organisieren und behalte in Stresssituationen den Überblick.“ Zwischendurch, das gibt die zweifache Mutter zu, hatte sie Zweifel. Der tägliche Kurs habe jedoch geholfen, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. „Die Beraterinnen haben viel Zeit und Mühe investiert. Ich konnte mit einem ganz neuen Gefühl in Bewerbungsgespräche gehen“, sagt sie.

Aufseiten der Arbeitgeber gebe es zu wenig Entgegenkommen, meint Kreft. Dabei gebe es gute Alternativen zum Minijob: „Ein Midijob ist für Arbeitgeber sogar günstiger. Doch viele wissen gar nichts darüber.“ Das Arbeitsentgelt liegt dabei nur knapp über 450 Euro, die Arbeitnehmer müssen dabei noch Abzüge in Kauf nehmen, sind jedoch versichert.

Monika Schnuck, Ansprechpartnerin für „Frauen starten durch“, ist erreichbar unter Tel. 0541/980-260 und E-Mail: Monika.Schnuck@arbeitsagentur.de