Wegen Parfum in den Knast Trotz Besserung: Mann aus Hilter muss ins Gefängnis

Von Ulrike Havermeyer

Keinen Erfolg hatte ein verurteilter Drogendealer aus Hilter in der Verhandlung vor dem Landgericht: Es lehnte eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung ab. Symbolfoto: Michael GründelKeinen Erfolg hatte ein verurteilter Drogendealer aus Hilter in der Verhandlung vor dem Landgericht: Es lehnte eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung ab. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Obwohl er seine Lebensumstände aus eigener Kraft deutlich verbessert hat, entschied das Osnabrücker Landgericht jetzt negativ über die Berufung eines 29-Jährigen Straftäters aus Hilter: Der Richter verkürzte das zuvor vom Amtsgericht Bad Iburg verhängte Strafmaß zwar auf zwei Jahre, lehnte eine Aussetzung dieser Strafe zur Bewährung aber ab.

Mehrfacher Diebstahl, Sachbeschädigung, Beleidigung, verkehrsgefährdendes Führen eines Fahrzeugs sowie unerlaubter Drogenhandel in elf Fällen: Der 29-jährige Angeklagte, über dessen Berufung gegen eine vom Amtsgericht Bad Iburg verhängte Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten jetzt vor der Kleinen Strafkammer des Landgerichts verhandelt worden ist, hat einiges auf dem Kerbholz. Am Ende war es dann aber wohl ein geklautes Fläschchen Parfum für 25 Euro, das den an sich milde gestimmten Richter dazu veranlasste, das Gesamtstrafmaß zwar auf zwei Jahre zu verkürzen – aber doch von einer Aussetzung dieser Strafe zur Bewährung abzusehen.

Eine erhoffte „letzte Chance“

Dabei sprach einiges dafür, dem 29-jährigen Mann aus Hilter, der mittlerweile in Saerbeck lebt, die von ihm erhoffte „letzte Chance“ zu gewähren – und das Strafmaß auf zwei Jahre zu verkürzen, sodass eine Aussetzung zur Bewährung möglich geworden wäre. Denn: Als das Iburger Amtsgericht den ehemaligen Drogendealer im vergangenen Jahr zu der Freiheitsstrafe verurteilt hatte, bot der Mann ein deutlich schlechteres Bild als heute: Er hatte keine Arbeit, kein Geld, keine familiären Bindungen und war selbst drogenabhängig.

Sich eine Perspektive geschaffen

Das sieht inzwischen anders aus. „Mein Mandant hat Riesenfortschritte gemacht“, betonte der Anwalt des 29-Jährigen und wies darauf hin, dass der junge Mann sich in den vergangenen Monaten aus eigener Kraft eine Perspektive geschaffen habe. „Vielleicht das erste Mal in seinem Leben.“ Was hat sich geändert? Nachdem ihn das Iburger Amtsgericht verurteilt hatte, absolvierte der Straftäter zunächst eine Drogenentwöhnung in Emsdetten. Die Therapie verlief so erfolgreich, dass er vorzeitig entlassen werden konnte. Während der Behandlung hatte er zudem seine jetzige Freundin kennen gelernt, mit der er seitdem zusammen lebt und mit der er eine Familie gründen will. Im Januar hat er einen festen Vertrag bei einer Zeitarbeitsfirma abgeschlossen und verdient nun einigermaßen regelmäßig Geld.

„Das haben Sie sich selbst verbockt“

Ausgerechnet in der Phase, als sein Arbeitgeber vorübergehend keine Beschäftigung für den 29-Jährigen hatte, klaute der nun das besagte Fläschchen Parfüm. „Ihre früheren Diebstähle kann man als Alltagsgeschäfte eines Dealers ansehen, der seine eigene Sucht finanziert“, kommentierte der Richter. Doch zum Zeitpunkt des Parfumdiebstahls hatten sich die Lebensumstände des Mannes ja längst zum Besseren gewendet. „Weil Sie uns keine Begründung für Ihren Rückfall liefern, sind wir nicht überzeugt, dass so etwas nicht wieder passiert“, schloss der Richter: „Ihre Bewährung haben Sie sich selbst verbockt.“

„Und das Fläschchen, das Sie gestohlen haben“, ergänzte die Staatsanwältin, „war ja nicht einmal für ihre Freundin, sondern für Sie selbst: Es war Herrenparfum.“