Osnabrücker Ärzte im Gespräch Krankhafte Depressionen werden oft zu spät behandelt

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Das Interesse an der Telefonsprechstunde der Neuen OZ zum Thema Depressionen war sehr groß. Dr. Yvonne Walonka, Prof. Dr. Wolfgang Weig und Prof. Dr. Bernhard Croissant (von links) beantworteten am Dienstag die Fragen von rund drei dutzend Betroffenen oder Angehörigen. Leider kamen wegen des großen Andrangs zahlreiche Anrufer nicht durch. Foto: Jörn MartensDas Interesse an der Telefonsprechstunde der Neuen OZ zum Thema Depressionen war sehr groß. Dr. Yvonne Walonka, Prof. Dr. Wolfgang Weig und Prof. Dr. Bernhard Croissant (von links) beantworteten am Dienstag die Fragen von rund drei dutzend Betroffenen oder Angehörigen. Leider kamen wegen des großen Andrangs zahlreiche Anrufer nicht durch. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Bis zu zehn Prozent der Deutschen leiden an einer ernst zu nehmenden Depression. Vielen ist das allerdings nicht bewusst und schon gar nicht, dass sich die Erkrankung erfolgreich behandeln lässt. Das machten Experten aus der Region Osnabrück am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich.

Das Interesse an der Telefonsprechstunde in den Räumen der Neuen OZ war groß. Diese Experten haben sich daran beteiligt:

  • Prof. Dr. Wolfgang Weig, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Chefarzt der Magdalenen-Klinik und Direktor des Zentrums für seelische Gesundheit der Niels-Stensen-Kliniken
  • Dr. Yvonne Walonka, Leitende Ärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Niels-Stensen-Kliniken in Bramsche
  • Prof. Dr. Bernhard Croissant, Ärztlicher Direktor des Ameos-Klinikums in Osnabrück

Wie äußert sich eine krankhafte Depression? Unter anderem in einer anhaltenden verzweifelten Stimmung, in Lustlosigkeit und Erschöpfung, Vereinsamung und Nichtstun, Ängsten und Dauerbelastung. Ein Problem ist offenbar, dass Hausärzte in der Hälfte der Fälle nicht die richtige Diagnose stellen. Eine echte Depression sollte nicht mit schlechter Laune oder traurigen Gefühlen verwechselt werden. Am Telefon empfahlen die Experten wiederholt, dass sich Patienten eine Zweitmeinung einholen sollten. Grundsätzlich müssten andere, körperliche Erkrankungen als Ursache für eine Niedergeschlagenheit ausgeschlossen werden. (Weiterlesen: „Gesundheitsatlas 2015“: Psyche sorgt für lange Ausfallzeiten)

Wie reagieren Betroffene und die Gesellschaft? Betroffene gingen heute zwar offener mit ihrer Erkrankung um, kokettierten manchmal sogar mit einer depressiven Grundstimmung, gleichzeitig bringe die Gesellschaft nach wie vor in vielen Fällen kein oder nur ein geringes Verständnis auf, beschrieb Wolfgang Weig ein Dilemma: „Wer krank ist und zu hören bekommt, er solle sich doch zusammenreißen, dem geht es erst recht schlecht.“

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Es sei bedauerlich, dass sich krankhaft Depressive häufig zu spät in ärztliche Behandlung begäben. Darauf wies Yvonne Walonka hin. Im fortgeschrittenen Stadium ist meist vor allem eine stationäre Behandlung erfolgversprechend, die vier bis acht Wochen dauere. Auch mit verschiedenen Medikamenten werden Depressionen therapiert. Wichtig sei es auch, Lebensumstände zu analysieren, hinter die Kulissen zu schauen und Patienten zu Verhaltensänderungen zu motivieren.

Ist eine Depression heilbar? Mediziner unterscheiden zwei häufige Formen der Erkrankung: die depressive Episode, die nach einer Behandlung tatsächlich weitgehend abklingen kann, und die wiederkehrende depressive Störung, die eine Veranlagung oder Neigung des Patienten sein kann. Eine Psychotherapie kann nach Ansicht der Experten aber auch in solchen Fällen erreichen, dass Betroffene gut mit ihrer Erkrankung leben können, wieder zufrieden sind und sich wohler fühlen.

Gibt es eindeutige Warnsignale, die auf eine beginnende Depression hinweisen? Das sei schwer zu sagen und individuell unterschiedlich, waren sich die Experten einig. Ein erstes Symptom könne schlechter Schlaf sein und das Gefühl am Morgen, der Tag sei ein Berg, der nicht zu bewältigen ist, meinte Wolfgang Weig. ( Weiterlesen: Bei Schlafstörungen können Rituale helfen )

Wann wird es gefährlich? Wenn Betroffene Selbstmordgedanken hätten, sollten spätestens die Alarmglocken schrillen, machte Bernhard Croissant unmissverständlich klar. Dabei sei stets auch das Umfeld gefordert. Angehörige, Freunde und Kollegen sollten sehr achtsam sein und bei Veränderungen das Gespräch mit Betroffenen suchen und diesen professionelle Hilfe nahelegen.


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