In der Osnabrücker Innenstadt Nur noch sieben von zwölf Gruenfahrern unterwegs

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Osnabrück. Sind es zwölf „Gruenfahrer“ oder nur noch sieben? Seit einer Woche laden bepflanzte Einkaufswagen in der Osnabrücker Innenstadt dazu ein, öde Ecken freundlicher zu gestalten. Wir schauten uns um, was aus den bunten Minimobilgärten geworden ist.

„Wissen Sie, was das zu bedeuten hat?“ Aus dem Chinarestaurant an der Herrenteichsstraße kommt eine Mitarbeiterin und fragt Anja Michel nach der Bedeutung des bunten Einkaufswagens, der in der Nähe ihres Restaurants steht. Anja Michel leistet seit einem Jahr ihr freiwilliges soziales Jahr im Kulturbereich der Stadt ab und hatte als Abschlussarbeit das Projekt „Gruenfahrer“ initiiert. Also ist sie die richtige Ansprechpartnerin für die Restaurantmitarbeiterin, die das Objekt vor ihrer Tür jetzt fragend anschaut.

„Wir sind im Garten“

„Es ist eine Aktion im Rahmen des Kulturjahres, das den Titel ,Wir sind im Garten‘ trägt. Wir wollen, dass die Bürger mit den Pflanzenwagen ein bisschen die Innenstadt verschönern“, sagt sie. Und fügt hinzu, dass die Blumen gern gegossen werden können, sollte der Wagen am Abend noch dort stehen.

Denn das gehört zum Konzept: Jeder soll den Wagen dort hinschieben, wo er ihn gern sehen möchte. Funktioniert hat die Idee zum Beispiel bei einem Mitarbeiter des Uni-Shops am Neuen Graben. Er hatte die Blumenkarre, die vom Kulturamt gestaltet worden war, in der Stadt entdeckt und zu seinem Arbeitsplatz geschoben. „Unser Shop befindet sich ja in einer eher tristen Gegend, daher fanden wir die Idee toll, vor unserer Tür ein bisschen Natur stehen zu haben“, erzählt Ann-Christine Wöhler, Leiterin des Shops. Liebevoll kümmerte sich das Team um die Pflanzen, regelmäßig bekamen sie Wasser.

Verschollene Wagen

Solche Behandlung ist nicht selbstverständlich: „Uns war es natürlich klar, dass es zu Vandalismus und Diebstahl kommen könnte. Tatsächlich habe ich einmal einen verschollenen Wagen im Service-Raum der Sparkasse bei L&T wieder gefunden: komplett geplündert“, schildert Anja Michel ihre ersten Erfahrungen. Glücklicherweise waren die Sponsoren, Blumen Kersten und Klein Amsterdam, so großzügig gewesen, dass nach der Erstbepflanzung noch diverse Blumen und Kräuter zur Verfügung stehen, um die Wagen wieder begrünen zu können.

Gießkannen gestohlen

Aber offenbar haben es Menschen, die zwischen „mein“ und „dein“ nicht unterscheiden können, auch auf andere Dinge abgesehen. So wurden schon diverse Gießkannen, die mit Karabinerhaken an den Lenkstangen befestigt waren, gestohlen. Oder auch nur die Haken. Und vielleicht sind ja auch schon ganze Wagen verschwunden.

„Wir sind heute die gesamte Innenstadt mit dem Fahrrad abgefahren und haben nur sieben von den insgesamt zwölf „Gruenfahrern“ entdeckt“, berichtet Anke Bramlage, Projektleiterin des Kulturjahres. „Entweder stehen sie jetzt irgendwo, wo man sie schlecht sehen kann. Oder vielleicht auch schon in irgendwelchen Vororten. Oder jemand hat sich halt einen privaten Minigarten zugelegt“, fügt sie hinzu. Daher lautet ihr Appell: „Wenn Sie ein Exemplar in einem anderen Stadtteil oder in einer dunklen Ecke entdecken, schieben sie ihn wieder dorthin, wo alle etwas davon haben!“

Im Internet beteiligen sich schon diverse Fans der Aktion unter dem Hashtag „Gruenfahrer“ an einer Art Livemeldung: „Gelb/Orange geht es gut“, schreibt ein Teilnehmer und postet das Foto von dem entsprechenden Wagen, der vor einem Herrenausstatter „parkt“.

Bunte Farben

In bunten Farben gestaltet hatte sie FJSlerin Michel, bevor sie von zwölf Partnerorganisationen gestaltet wurden. So finden wir die von Viva Con Agua de St. Pauli aufwendig mit einem kleinen Brunnen verschönerte Pflanzkarre in der Nahe der Kamppromenade. Die Gießkanne ist verschwunden, einige Pflanzen sind weg, doch der restliche Inhalt ist noch da. „Wir haben festgestellt, dass die „Gruenfahrer“ am meisten abends und nachts bewegt werden“, sagt „Projektmami“ Michel. Tagsüber sieht man eher Passanten, die sich die Informationen an den Wagen durchlesen, lachen oder ratlos dreinblicken.

„Das wollen wir: Verschönern, zum Spaß haben anregen, vielleicht auch ein bisschen verunsichern oder zum Nachdenken bringen“, so Michel, und weiter: „Vielleicht finden sich ja auch ein paar Leute, die die Wagen bei sich überwintern lassen, damit die Aktion im nächsten Jahr fortgeführt werden kann…“


Infos und Kontakt unter www.osnabrueck-ist-im-garten.de

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