Innovation aus Osnabrück Mit dem Smartlounger auf der Sonnenseite des Liegens

Von Matthias Liedtke


Osnabrück. Eine Luxusliege, die sich automatisch nach der Sonne ausrichtet. Mit Elektromotor, Solarzelle, App-Steuerung und WLAN-Anschluss – auf Wunsch sogar mit eingebauten Lautsprechern und beheizbarer Liegefläche: Der Smartlounger lässt die Vision von „intelligenter Entspannung“ Wirklichkeit werden. Erfunden hat das Gerät der Hochschulstudent Martin Scharfe aus Osnabrück.

Smartlounger – der Begriff steht für die Verbindung von Hightech und Gemütlichkeit. Wie passend also, dass er seinen Ursprung ausgerechnet in der Teeküche des Innovationscentrums Osnabrück (ICO) hat.

Start-ups im ICO arbeiten zusammen

„Dort sind wir uns immer begegnet“, sagt Martin Scharfe. Mit „wir“ meint er sich, Lucas Warskulat und Marvin Rohmann sowie Jan Grundmann. Die einen sind Geschäftsführer der Osnabrücker Werbeagentur Eyeson Advertising und kümmern sich beim Smartlounger um das Marketing. Der andere ist Chef von Reisestecker24.de und organisiert Vertrieb und Logistik.

Scharfe selbst gründete nach Maschinenbau-Studium und zwei Jahren im Beruf das Unternehmen Marsch Systems, das ferngesteuerte Roboterplattformen entwickelt. Außerdem hängte er ein Masterstudium in Fahrzeugtechnik an der Hochschule Osnabrück dran, das inzwischen so gut wie abgeschlossen ist. Die Zusammenarbeit der vier Jungunternehmer beim Smartlounger soll „in absehbarer Zeit“ in eine gemeinsame Firma münden – und die automatische Sonnenliege nicht das einzige Produkt bleiben. (Weiterlesen: Osnabrücker Ideenschmiede als Sprungbrett für Erfinder)

„Als würde man schweben“

Vorerst aber versprechen sie all jenen eine maßgeschneiderte Lösung, die sich schon einmal gewünscht haben, dass ihre Gartenliege sich doch bitte von selbst immer wieder aus dem Schatten bewegen möge, um das Sonnenbad möglichst lange und unterbrechungsfrei genießen zu können. Das nämlich ist der Clou des Smartloungers. Satellitengestützte Sonnenstandsnachführung (Suntracking), ein Elektromotor und Internet machen es möglich. Rückenfreundlich und aus einem Guss geformt, soll das Gerät damit höchsten Qualitätsansprüchen bei Technik und Komfort genügen. So reicht laut Konstrukteur Scharf ein Fingertipp auf Smartphone oder Tablet, um per App-Steuerung ganz sanft auf die Sonnenseite des Liegens zu gelangen. „Man fühlt sich, als würde man schweben.“ (Weiterlesen: Hasbergerin gewinnt Wettbewerb mit wetterfesten Gartenkissen)

Zu teuer für den Hausgarten

Allerdings ist das luftbereifte Outdoor-Möbel aus Flugzeug-Aluminium, Kunststoff, Leder und Kaltschaum alles andere als erschwinglich: Im „oberen vierstelligen Bereich“ siedeln die Macher den Preis für das Basismodell an. Damit scheidet Otto Normalverbraucher als Kunde wohl aus.

Internationale Luxushotels und Ferienressorts mit großen Grünanlagen hingegen kommen nach Ansicht der Osnabrücker Jungunternehmer als zahlungskräftige Zielgruppe durchaus in Betracht. Und durch das hohe Maß an Eigenentwicklung, die im Smartlounger steckt, scheint eine Fertigung bereits in geringer Stückzahl rentabel.

Produktion ab 2016

„In Rekordgeschwindigkeit“ sei die Idee mithin realisiert worden, sagt Martin Scharfe. Der Prototyp durchlaufe gegenwärtig in Diepholz einen Langzeit-Härtetest unter echten Witterungsbedingungen. Ein Verkaufsstart ist für Anfang 2016 vorgesehen, die Produktion der Luxus-Sonnenliege soll dann auf Nachfrage erfolgen.

Dass sie mit ihrer Produkt- und Geschäftsidee buchstäblich richtig liegen, daran haben die Smartlounger-Macher keinen Zweifel. Zumal bereits zwei namhafte lokale Investoren gefunden worden seien und auch schon Reservierungen von ersten Kaufinteressenten vorliegen. Die in diesem Fall auch ohne Handtuch funktionieren. (Weiterlesen: Polyrattan & Co. – neue Trends bei Gartenmöbeln)