Die Witwe baute das Gotteshaus zu Ende Osnabrücker Kirche St. Franziskus wird 50 Jahre alt

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Osnabrück. Mitte der 1950er-Jahre begann die Stadt, 40 Hektar saure Feuchtwiesen um das Gut Dodeshaus in eine moderne Satellitenstadt zu verwandeln. Genauso zukunftsweisend wie das bundesweit beachtete Demonstrativ-Bauprojekt Dodesheide sollte auch die katholische Kirche für diesen Stadtteil sein. Der Kölner Kirchenbaumeister Rudolf Schwarz entwarf ein Gotteshaus, das überhaupt nicht den Sehgewohnheiten der Zeit entsprach und „modern“ auch in dem Sinne war, dass es Anregungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) in seiner Innengestaltung aufnahm. Vor 50 Jahren, am 22. August 1965, weihte Bischof Wittler die Kirche St. Franziskus an der Bassumer Straße in Dodesheide.

Am 20. Januar 1961 kam der Architekturprofessor Rudolf Schwarz mit seiner Frau Maria, ebenfalls Architektin, zu einem Ortstermin mit Stadtbaurat Carl Cromme und Generalvikar Wilhelm Ellermann in die Dodesheide. Der vorgesehene Bauplatz für ein katholisches Gemeindezentrum mit Kirche, Pfarrhaus, Jugendheim, Kindergarten und Altenheim war da noch eine Wiese, auf der einige alte Bäume und ein verfallenes Haus standen. In der Nähe waren schon einige Wohnhochhäuser errichtet. „Deshalb war es nicht möglich, die Kirche durch einen hohen Turm zur Dominante der Siedlung zu machen“, schrieb Maria Schwarz später in ihrem Aufsatz „Eine heilige Stadt“. Ihrem Mann sei da der Gedanke gekommen, die Baugruppe des Gemeindezentrums in der Form eines alten Klosters oder eines Gehöfts zu planen.

Die Massierung der Baukörper und die Folge der so entstehenden stadtplatzähnlichen Räume sollten das Gemeindezentrum in der weiträumigen Siedlung zu einem Schwerpunkt machen, der sich durch seine Geschlossenheit einprägt. Der auch als „rheinischer Mystiker“ bekannte Schwarz wollte hier die „heilige Stadt“ nachbauen, wie er sie aus Städten des Mittelmeerraums kannte.

Dem Baugedanken der „heiligen Stadt“ konnten zunächst nicht alle Gemeindemitglieder folgen. Insbesondere die vom Bauhaus-Stil inspirierte Kirche mit ihren glatten Flächen und kubischen Formen – Schwarz stand in enger Verbindung mit Mies van der Rohe und Otto Gropius – erinnerte einige eher an ein Fabrikgebäude als an eine Kirche.

Schwarz begründete seine Formensprache auch mit der Namenswahl des heiligen Franz von Assisi, unter dessen Schutzherrschaft die neue Kirche gestellt werden sollte. Der Bau sollte etwas „vom Wesen des Verkünders der heiligen Armut“ aussagen, indem er rechteckige, nackte Wände „von äußerster Enthaltsamkeit“ bauen ließ.

Das Bistum favorisierte Schwarz’ Entwurf gegenüber traditionelleren nicht zuletzt deshalb, weil sich in ihm Ergebnisse des Zweiten Vatikanums, die eine größere Nähe von Priester und Gottesvolk forderten, verwirklichen ließen. Die Gemeinde ist im Kirchraum u-förmig in drei Sitzgruppen um den Altar angeordnet.

Über die Vorplanungen ging der persönliche Beitrag von Rudolf Schwarz für St. Franziskus nicht hinaus, denn am 3. April 1961 starb er im Alter von nur 63 Jahren. Nach anfänglichen Bedenken übertrug Generalvikar Ellermann der Witwe Maria Schwarz die Vollendung der Pläne. Im Juni 1962 erläuterte sie in einer Gemeindeversammlung in der Gastwirtschaft „Zum Kleinen Mann“ den endgültigen Entwurf.

Am 7. Oktober 1962 wurde in einer feierlichen Prozession ein Birkenkreuz von der Muttergemeinde Christus König in Haste zum Bauplatz in der Dodesheide getragen und an der Stelle errichtet, wo der Opferaltar der neuen Kirche stehen sollte. Christus-König-Pfarrer Janßen setzte den ersten Spatenstich. Nach einigen Verzögerungen nahm im September 1963 die Baufirma Middelberg unter der örtlichen Bauleitung des Architekten Heinrich Feldwisch-Drentrup die Bauarbeiten auf. Ein Jahr später wurde der Bau gerichtet und am 22. August 1965 geweiht. Bischof Wittler widmete ihn nicht nur dem heiligen Franz von Assisi, sondern auch dem Osnabrücker Bischof Franziskus Demann, der am Tage seiner Amtseinführung am 27. März 1957 verstorben war.

Kirchenvorstand Horst Kollmann denkt gern an besondere Höhepunkte des Gemeindelebens zurück. Etwa als am 30. November 1989 Pfarrer Heinrich Hiltermann sein 40-jähriges Priesterjubiläum feierte: „Ohne sein Wissen hatten die Kolpingbrüder begonnen, für ein Geläut zu sammeln, und am Vorabend des Festhochamts ein monströses Gestell auf dem Kirchvorplatz aufgestellt. Darunter verbarg sich die erste zusammengesparte Glocke. Der Pfarrer erlebte den freudigsten Schreck seines Lebens, als er aus der Kirche auszog und plötzlich Glockengeläut erklang.“ Dieser ersten Glocke mit dem Taufnamen „Heinrich“ folgten bald drei weitere: „Franziskus“, „Pax“ und „Maria“. Im Mai 1990 wurden die vier Glocken im Rahmen einer Feuerwehrübung nach oben gehievt und im von Kolpingern selbst gebauten Glockenstuhl aus gespendetem Eichenholz befestigt.

Kollmann erinnert auch an Schwester Crescentia, die mehr als 25 Jahre den Küsterdienst in der Gemeinde besorgte. Den Blumenschmuck für die Kirche brachte sie regelmäßig auf ihrem Moped vom Kloster Nette mit. Und an die erste Fotovoltaikanlage auf einem Osnabrücker Kirchdach, das der Kirchenvorstand gemeinsam mit Pastor Herzfeld gegen Widerstände in der Gemeinde und auch im Generalvikariat durchsetzte. „Viele sagten uns damals: St. Franziskus ist ein Gotteshaus, da gehört so etwas Technisches nicht drauf“, so Kollmann. Ähnlich sei es ihnen mit zwei Pachtverträgen für Mobilfunkantennen ergangen. „Wir haben die Frage gestellt: Wollt ihr die alte Domorgel überholt bekommen oder nicht? – und damit haben wir langsam auch den Rest unserer Gemeinde hinter unsere Pläne gebracht.“

Heute gehört St. Franziskus zusammen mit den Gemeindeorten Christus König (Haste) und Heilig Geist (Sonnenhügel) zur zusammengefassten Pfarrei Christus König.


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