„Kulturspaziergang“ in Osnabrück Gerhard Stengert präsentiert die Marimba

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Vor 200 Zuhörern spielte der Percussionist Gerhard Stengert beim „Kulturspaziergang“ auf dem Hasefriedhof.

Osnabrück. Eine unterhaltsame Lehrstunde in Sachen Marimba bekam das Publikum auf dem Hasefriedhof geboten: Im Rahmen der Reihe „Kulturspaziergang auf dem Hasefriedhof“ stellte der Percussionist Gerhard Stengert das Instrument anhand eines abwechslungsreichen Programms inklusive interessanter Erläuterungen vor.

Filigrane Maßarbeit

„Wir sagen „die Marimba“, weil dieses Schlaginstrument einen so schönen Klang hat, dass es nur weiblich sein kann“, sagt Stengert. Er tritt den Beweis an und spielt einen Tangoklassiker, der atmosphärisch über den Hasefriedhof schallt. Und er zeigt auch unmissverständlich, dass er sein Spiel beherrscht, denn die vielen Halbtöne in der Komposition verlangen von ihm, mit den Schlägeln häufig von den Holzklangstäben in der unteren Reihe zu denen in der oberen Reihe zu wechseln. Handgymnastik pur. Überhaupt leistet er filigrane Maßarbeit. Für eine wunderschöne Ballade, die er für seine Frau geschrieben hat, greift er zu sechs Schlägeln, die rasant über den Hölzern vibrieren, um einen sanften, doch fast orchestralen Klang zu erzeugen.

Unterschiedliche Musikstile

An die 200 Zuhörer sind bei idealem Wetter zum Konzert gekommen: Kein Wind und sehr angenehme Temperaturen machen das Lauschen unter freiem Himmel zu einem besonderen Erlebnis, das nur vom Brummern mehrerer Flugzeuge gestört wird, die offenbar wegen eines Flugtages über der Stadt kreisen. Eine Sansula und eine Spring Drum spielend war Stengert zu Beginn durch die Zuschauerreihen zu seiner „Bühne“ vorgedrungen. Ersteres ist ein Daumenklavier, das zur Tonverstärkung auf ein Trommelfell geklebt ist, das andere eine Kalebasse mit einem Trommelfell, an der eine Stahlfeder befestigt ist, die ein imposantes Donnergrollen von sich gibt.

So stimmt der Musiker exotisch auf das Programm ein, das von Filmmusik über klassische Stücke bis hin zu Neuer Musik die unterschiedlichsten Musikstile streift und so die Vielfältigkeit der Marimba unter Beweis stellt. Mal spielt Stengert in Zweischlägeltechnik, mal lässt er kissenartige Schlägel gedämpft über die Hölzer flitzen und er demonstriert auch den Klang des Vorläuferinstruments, des afrikanischen Balafon, das seinen Weg nach Guatemala fand, wo es zur Marimba wurde und zum Nationalinstrument avancierte.

Spende für Restaurierung

Mit Klangschalen leitet er ein Stück ein, mit dem er die Geschichte Tibets vertont und einem vertrackten Rhythmus stellt er sich in der Komposition „Uneven Souls“ des deutsch-serbischen Percussionisten Nebojša Jovan Živković. Da es sich bei dem Konzert um eine Art Benefiz handelt, spenden viele begeisterte Zuschauer nach einer Zugabe für die Restaurierung der historischen Kapelle auf dem Hasefriedhof.

Weiterlesen: Osnabrücker Friedhofskapelle im Kleinformat nachgebaut