Praktikum im Ausland Osnabrücker Azubis schauen in Indien Ärzten über die Schulter

Von Stefan Buchholz

Lara Hörneschemeyer und Jonas Kahmann waren als Altenpflege-Azubis zum Praktikum in Indien. Foto: Stefan BuchholzLara Hörneschemeyer und Jonas Kahmann waren als Altenpflege-Azubis zum Praktikum in Indien. Foto: Stefan Buchholz

Osnabrück. Es kommt nicht jeden Tag vor, dass zwei Altenpflege-Azubis ein Praktikum im Ausland absolvieren. Lara Hörnschemeyer und Jonas Kahmann hatten das Glück, für zehn Tage im indischen Kottayam die medizinische und geriatrische Versorgung kennenzulernen.

Zum beruflichen Trip auf den Subkontinent verhalf der Zufall. Bei einem Essen mit ihren Kollegen der St. Elisabeth Pflege GmbH erzählten die Kollegen von einer zwei Jahre zurückliegenden Reise. Das Ziel damals: Da einige Missionsschwestern aus Kottayam schon länger in den verschiedenen stationären Einrichtungen von St. Elisabeth arbeiten, wollte man auch deren Heimat und Kultur kennenlernen. Zusammen mit St. Elisabeths Geschäftsführer Franz Paul und einigen Mitarbeitern schaute man sich dabei nicht nur das Ordenshaus, sondern auch das benachbarte Krankenhaus.

„Habt ihr nicht Lust, dort mal ein Praktikum zu machen“, fragte Paul die beiden Azubis, die nun just mit am Tisch beim Mitarbeiteressen saßen. Sie wollten. Der 18-jährige Jonas Kahmann sagte sofort uneingeschränkt zu, seine zwei Jahre ältere Kollegin Lara Hörnschemeyer eigentlich auch. „Ich wollte schon, aber ich habe Flugangst.“ Doch sie schaffte es in den Flieger und bewältigte problemlos die lange Flugroute mit Zwischenstopp in Dubai.

Für die beiden Azubis mit mittlerweile schon knapp dreijähriger Praxis in ihrem Lehrberuf waren die zehn Tage ein Erlebnis. Nicht nur, dass sie vom Personal im dortigen Krankenhaus wie Prominente behandelt wurden. Vielmehr wurden sie auch von den Ärzten mit auf deren Visiten genommen. „Sie haben uns alles sehr gut erklärt“, erzählt Jonas Kahmann. Der Kontakt zu den medizinischen Leitern ist auch das, was beide für ihre berufliche Zukunft mitnehmen. Wir konnten dort einfach alles fragen, erzählen Jonas Kahmann und Lara Hörnschemeyer nach der Rückkehr unisono. In ihrer Ausbildung hätten sie solche Erfahrungen mit Ärzten nicht gemacht. Wenn man bei uns zum Beispiel noch mal wegen einer bestimmten Behandlung nachhakt, kann es vorkommen, dass man lange auf eine Antwort der Ärzte warten muss, berichtet Jonas Kahmann. „Ich habe mir fest vorgenommen, selbstbewusster mit Ärzten zu sprechen und mich nicht mehr so schnell abwimmeln zu lassen.“

Einblicke konnten die zwei angehenden Altenpflegefachkräfte auch in den Alltag eines indischen Seniorenheimes nehmen. Der größte Unterschied: Im Gegensatz zu deutschen Einrichtungen mussten sich dort viele Menschen einem großen Raum teilen. Zudem wurde deren Pflege von den Angehörigen übernommen, berichtet Lara Hörnschemeyer.

St.-Elisabeth-Geschäftsführer Franz Paul findet solch exotische Praktikumsaufenthalte wichtig. Er habe mit der Vermittlung von zwei Pflege-Azubis ein Zeichen setzen wollen. „Solche Erfahrungen sind eine Bereicherung für das Berufsleben.“ Nicht nur würden die Mitarbeiter kennenlernen, wie Pflege in anderen Ländern gehandhabt werde und mit welch einfachen Mitteln Herzlichkeit gelinge. Vielmehr machten diese Erfahrungen auch selbstbewusst.

Das über den regionalen Tellerrand Hinausschauen hätten in den vergangenen Jahren auch andere Mitarbeiter schon genutzt. Sie wurden in den Niederlanden und in Dänemark geschult, so Paul.