Wechselhafte Geschichte Neues Hotel in Osnabrück: Gewinnspiel zur Arcona-Living-Eröffnung

Von Joachim Dierks


Osnabrück. An diesem Samstag ziehen die ersten Gäste in das neue „Arcona Living“-Hotel neben der Osnabrücker Stadthalle ein. Machen Sie sich mit uns auf Spurensuche: Wir suchen alte Bilder, die die frühere Bebauung zeigen oder die in einer der dortigen Einrichtungen entstanden sind. Unter allen Einsendern verlosen wir untere anderem einen Wochenendaufenthalt in einem der 15 Arcona-Hotels nach Wahl inklusive Frühstück und weiteren Zusatzleistungen.

Bilder einsenden und gewinnen

Großer Club, Schlossgarten-Gaststätte, Gewerkschaftshaus – das Areal Neuer Graben/ Schlosswall hat schon viel erlebt. Haben Sie noch alte Bilder in Ihrem Album, die die frühere Bebauung von innen oder außen zeigen? Dann senden Sie uns diese bitte zu! Für die interessantesten Einsendungen revanchieren wir uns mit attraktiven Preisen, die von der Arcona-Gruppe zur Verfügung gestellt worden sind.

  • 1. Preis: Ein Wochenendaufenthalt in einem der 15 Arcona-Hotels nach Wahl inklusive Frühstück und weiteren Zusatzleistungen.
  • 2. Preis: Eine Übernachtung für zwei Personen im Arcona-Living-Hotel Osnabrück mit Abendessen im „Wirtschaftswunder“.
  • 3. bis 5. Preis: Je ein Abendessen für zwei Personen im „Wirtschaftswunder“.

Bitte nennen Sie uns Ihren vollen Namen, Ihre Anschrift und eine Telefonnummer und ggf. E-Mail-Adresse für Rückfragen. Einsendeschluss: Freitag, 21. August 2015. Die Adresse: Neue Osnabrücker Zeitung, Lokalredaktion, Breiter Gang 10–16, 49074 Osnabrück. E-Mail: osnabrueck@noz.de . Bitte versehen Sie jedes Foto mit kurzen Anmerkungen, was (oder auch wer) zu sehen ist und in welchem Jahr die Fotos entstanden sind. Teilen Sie uns bitte außerdem mit, ob Sie die Fotos zurückerhalten möchten.

Wichtig: Mit Ihrer Teilnahme versichern Sie, dass die eingesandten Bilder frei von Urheber- oder Persönlichkeitsrechten Dritter sind. Sie übertragen NOZ Medien das zeitlich unbegrenzte Recht, die Fotografien auch über den Wettbewerb hinaus unentgeltlich für journalistische und sonstige Pressezwecke, insbesondere für die von NOZ Medien herausgegebenen Zeitungen und sonstigen Medienprodukte (Druck oder online) frei zu verwenden.

Für das Gewinnspiel ist der Rechtsweg ausgeschlossen.

Sichtbarer Ausdruck des Selbstbewusstseins

In den 1950er-Jahren ging es steil aufwärts mit der jungen Bundesrepublik. Ein Erfolgsfaktor der sozialen Marktwirtschaft war der relativ stabile soziale Frieden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Der nach dem Krieg gegründete Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) war effizient organisiert und erreichte viel für seine Mitglieder, hatte aber auch erkannt, dass es nur dann mehr zu verteilen gibt, wenn es zuvor erwirtschaftet wurde.

Sichtbarer Ausdruck des Selbstbewusstseins war in Osnabrück der Neubau des Gewerkschaftshauses am Neuen Graben im Jahr 1952, in dem der DGB bis 2003 residierte. Der städtebaulich herausgehobene Bauplatz an der Kreuzung der Ost-West-Magistrale mit dem Wallring erschien der jungen, aufstrebenden Gewerkschaft gerade recht. Architekt Stahlenburg entwarf einen schlicht-sachlichen und dennoch repräsentativen Bau, der es durchaus mit dem seinerzeit vis-à-vis gelegenen Kreishaus aufnehmen konnte und sich auch nicht vor der schräg gegenüber gelegenen neuen Verwaltung der Industrie- und Handelskammer zu verstecken brauchte.

Bürger gründeten den „Großen Club“

Der herausgehobene Bauplatz war frei, weil das kriegszerstörte Vereinshaus des „Großen Clubs“ nicht wiederaufgebaut worden war. Der Club war 1793 von angesehenen Bürgern, darunter Justus Möser, gegründet worden. Fabrikanten, Ärzte, Kaufleute, höhere Beamte und Offiziere sorgten in den fast 160 Jahren seines Bestehens dafür, dass das aus einem noch älteren Adelssitz durch mannigfache Umbauten und Erweiterungen hervorgegangene Clubhaus durch eine Vielzahl kultureller und unterhaltsamer Veranstaltungen zu einem Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Stadt geworden war.

Unter der NS-Herrschaft wurde der Club zunehmend drangsaliert. 1942 kaufte die Stadt die Liegenschaft unter fragwürdigen Umständen zu einem Preis weit unter Verkehrswerts. Dem letzten Club-Präsidenten Hans Künsemüller gelang es 1951, in einem Entschädigungsverfahren einen Ausgleichsbetrag von 25000 DM zu erstreiten. Den spendeten die verbliebenen Mitglieder dem Kinderhospitalverein und lösten sich damit auf. Etwa zeitgleich formierte sich aus der Söhne-Generation der alten Club-Honoratioren der „Osnabrücker Club“, der an die Tradition des „Großen Clubs“ anknüpft und ebenfalls nicht nur Geselligkeit pflegt, sondern viel Gutes für die Stadt tut.

Nach dem Verkauf des Club-Grundstücks an die Gewerkschaft sorgte die Stadt dafür, dass der „Machtwechsel“ vom Großbürgertum hin zur Arbeitnehmerseite an dieser Stelle auch im Namenswechsel der angrenzenden Clubstraße vollzogen wurde. Sie wurde nach dem Gewerkschaftsführer in Hans-Böckler-Straße umbenannt.

Sitzungssaal für 70 Personen

Das 1952 neu erstandene DGB-Haus beherbergte im Erdgeschoss eine Gaststätte und einen Sitzungssaal für 70 Personen. Der reichte für Versammlungen der kleineren Mitgliedsgewerkschaften, aber nicht für die größeren wie der IG Metall. Daher war von Anfang an ein zweiter Bauabschnitt mit einem Saal für 200 Personen geplant.

Ganz glatt lief die Sache aber nicht. Unter Teilen des Bauplatzes lagen hartnäckige Reste einer Bunkeranlage. Der Erste Bevollmächtigte Franz Lenz ließ nicht locker und machte immer wieder Druck. Im November 1957 war es geschafft, der Saal wurde feierlich eingeweiht. DGB-Mann Konrad Nettelnstrot kündigte an, dass der Saal nicht nur gewerkschaftsinternen Zwecken dienen, sondern „Mittelpunkt des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt werden und allen zur Verfügung stehen“ solle. Damit war eine gewisse Anknüpfung an den „Großen Club“ geschaffen, wenn auch unter anderen Vorzeichen.

Ein Gastronom pachtet den Saal

In den 1960er-Jahren traten die gewerkschaftlichen Nutzungen in den Hintergrund. Ein Gastronom pachtete den Saal. Die „Schlossgarten-Gaststätte“ wurde zum beliebten Tanzlokal. Erst erklangen Samba und Foxtrott, dann die härteren Klänge der Beatmusik. Die „Heartbeats“ und die „Madbats“, die „Young Ones“ und die „Four Lords“ brachten Hunderte zum Toben. Schon bei Nachmittagskonzerten mussten die schweren Vorhänge vor den Panoramafenstern zugezogen werden, da Nachbarn sich über den Geräuschpegel beschwerten. Die Original-„Lords“ aus Berlin mussten ihren Auftritt 1969 abbrechen, weil vor der Bühne eine wilde Schlägerei ausgebrochen war.

9-jährige Hängepartie

Das Kapitel „Schlossgarten-Gaststätte“ ging 1977 per Abriss zu Ende, weil sie der neu zu errichtenden Stadthalle im Wege stand. Das Gewerkschaftshaus behielt seine Funktion aber noch 25 Jahre länger. 2003 bezogen DGB und Einzelgewerkschaften das vormalige „Sunburst“-Gebäude neben dem Hauptbahnhof. Damit wäre das alte Gewerkschaftshaus frei gewesen für den schon länger geplanten Umbau zum Kongresshotel. Doch die Investoren wurden verunsichert, als im Rathaus immer wieder die Zukunft der Stadthalle infrage gestellt und eine neue Großarena im ehemaligen Lokschuppen ins Gespräch gebracht wurde. Erst mit dem Ratsbeschluss 2012, die Stadthalle umfassend zu modernisieren, endete die Hängepartie. Investor MBN holte die Pläne aus der Schublade und begann mit dem Umbau des Gewerkschaftshauses und dem Neubau des elliptischen Blickfangs auf der Grundstücksecke.


Mit der Eröffnung des Arcona-Living-Hotels, das im Stil der Fünfziger- und Sechzigerjahre gehalten ist, bekommt Osnabrück auch ein neues Restaurant: Im „Wirtschaftswunder“ werden morgens Frühstück und abends bundesrepublikanische Klassiker wie Toast Hawaii, Mettigel und Fürst-Pückler-Eis serviert. Der thematische Fokus des Hotels auf die Nachkriegszeit ist kein Zufall, sondern eng mit der jüngeren Geschichte des Hotelgrundstücks Neuer Graben/Ecke Schlosswall verknüpft.