Besser als in der Muckibude Trendsportart Calisthenics in Osnabrück

Von Thomas Wübker

Zirkusartisten auf der Durchreise? Nein, ganz normale Osnabrücker Jugendliche, die die Sportart Calisthenics für sich entdeckt haben. Foto: Jörn MartensZirkusartisten auf der Durchreise? Nein, ganz normale Osnabrücker Jugendliche, die die Sportart Calisthenics für sich entdeckt haben. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Der 15-jährige Oliver Borgward umklammert eine Stange des Klimmzuggeräts auf dem Willy-Brandt-Platz und hängt wenige Sekunden später waagerecht in der Luft. Was aussieht wie ein Kunststück aus dem Zirkus, gehört zu der Trendsportart Calisthenics. Die ist in diesem Jahr zum ersten Mal ins Ferienpass-Programm aufgenommen worden. Bei der Premiere waren gestern allerdings keine Kinder oder Jugendliche da. Die Aktion wird an den kommenden Montagen um jeweils 11 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz wiederholt.

Oliver hat als Achtjähriger mit Karate angefangen. Da habe er schon seinen Körper mit Liegestützen oder später auch Klimmzügen trainiert, erzählt er. Natan Shakirov ist auch 15 Jahre alt. Vor fünf Jahren habe ihm sein Vater eine Klimmzugstange geschenkt, die er zwischen einer Tür befestigt hat, berichtet er. „Man kann auch früher mit Calisthenics anfangen“, glaubt Natan.

Oliver und Natan gehören zu der Gruppe „Redbars“, die sich im Sommer jeden Vormittag an der Klimmzugstange auf dem Willy-Brandt-Platz trifft. Vor einigen Jahren hat die Stadt dort einen sogenannten Mehrgenerationenspielplatz mit einigen Sportgeräten installiert. So etwas Ähnliches gibt es auch an der Lerchenstraße neben dem Gemeinschaftszentrum. Oliver, Natan und einige andere der 25 Mitglieder großen Gruppe waren früher mal in Fitnessstudios aktiv. „Das hier ist aber besser, weil es alle Muskeln trainiert“, sagt Natan. Oliver fügt an: „Beim Gewichtheben wird zum Beispiel nur eine bestimmte Bewegung trainiert. Beim Calisthenics ist die Kraft intensiver, und der ganze Körper wird stabilisiert.“

Die Teenager sehen alle nicht aus wie Schmachthaken. Im Gegenteil: Sie sind gut durchtrainiert und muskulös. Das komme bei den Mädchen „Hammer“ an, sagt Oliver im Scherz. Eine Voraussetzung, um Calisthenics zu betreiben, ist es aber nicht. „Die Muskeln kann man ja aufbauen.“

Das Wort Calisthenics setzt sich übrigens aus den griechischen Wörtern „kalos“ und „stehnos“ zusammen, die „Kraft“ und „schön“ bedeuten. Trainiert wird nicht mit Gewichten, sondern mit dem Gewicht des Körpers. Liegestützen, Klimmzüge oder Legraises sind Übungen im Trainingsprogramm von Calisthenics. Letzteres führt Oliver mal eben vor, indem er sich an eine Stange hängt und beide Füße bis zu seinen Händen hebt. Beliebt sind auch die sogenannten „Dips“. Dabei heben die Sportler ihre Körper an, indem sie die Arme hinter den Rücken legen und sich hochdrücken. Die Jungs von den „Redbars“ machen das gerne auf den Parkbänken am Willy-Brandt-Platz, wenn diese nicht gerade besetzt sind.

Die „Redbars“ treffen sich jeden Vormittag etwa ab 11 Uhr am Willy-Brandt-Platz. Zu den Treffen kann jeder kommen, der sich für Calisthenics interessiert. Die Ferienpass-Aktionen an den kommenden Montagen finden dort in der Zeit von 11 bis 12.30 Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.