Verbreiteter Familienname Der erste Dreckmann wohnte wahrscheinlich am Sumpf

Von Winfried Breidbach

Den Ursprüngen von Familiennamen unserer Leser ist Dr. Winfried Breidbach auf der Spur. Symbolfoto: dpaDen Ursprüngen von Familiennamen unserer Leser ist Dr. Winfried Breidbach auf der Spur. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Die NOZ-Leser Antonius Dreckmann aus Bad Iburg und Kay Dreckmann aus Georgsmarienhütte interessieren sich für den Ursprung ihres Familiennamens. Etwa 1100 Personen tragen den Nachnamen Dreckmann, der damit zu den recht häufigen Familiennamen in Deutschland zu rechnen ist.

Der Name ist vor allem im Westen verbreitet, von Schleswig-Holstein bis Rheinland-Pfalz. Es gibt drei weit voneinander entfernte Zentren: im Kreis Recklinghausen, im Rhein-Sieg-Kreis und in der Stadt Hamburg. Auch in den benachbarten Kreisen Steinfurt und Osnabrück gibt es etliche Namensträger. Dieser namengeografische Befund deutet klar auf Entstehung des Namens in mehreren voneinander unabhängigen Fällen. Der ähnliche, aber erheblich seltenere Name Dreekmann findet sich nur in Nordwestdeutschland zwischen Ostwestfalen und Holstein. Die Namensform Drekmann ist fast ausgestorben.

Die verfügbaren historischen Belege kommen zu einem erheblichen Teil aus Ostwestfalen, aber auch aus anderen Regionen. Früher gab es auch die Schreibweisen Dreckman, Dreeckman(n), Dreekman und Drekman. Einige ältere Belege: 1369 „der Dreckman“ (Uschlag bei Göttingen), 1499 „Herman Dreckman“ (Hövel), 1499 „Johan Dreckman“ (Cappeln), 1549 „Johan Dreckman“ (Sevelten, Kreis Cloppenburg), 1620 „Georg Dreckmann“ (Bielefeld).

Dreckmann ist ein mehrdeutiger Familienname. Für die Region Lippe ist erwiesen, dass der spätere Familienname Dreckmann ältere Namensformen wie „tom Drecke“ ablöste. Die dreigliedrige Form (tom = to dem) erweist den Namen als Wohnstättennamen. Ähnliche Belege sind 1383 „Lammeke uppe den Drecke“ (Oldenburg), 1498 „Gert then Drecke“ (Coesfeld) und „Reyner upten Dreck“ (Goldenstedt), 1600 „Herman zum Drecke“ = 1608 „Herman zum Dreck“ (Münster). Bei diesen Namen liegt klar das mittelniederdeutsche Wort drek „Dreck, Schmutz; Unrat, Abfälle; Kot; Morast, Schlamm“ zugrunde, und zwar mit Sicherheit in den letztgenannten Bedeutungen. Die Namensträger wurden aufgrund ihres Wohnsitzes am Morast benannt. Wie in Lippe konnte auch andernorts ein mehrgliedriger Wohnstättenname durch die als moderner empfundene Form Dreckmann ersetzt werden.

Zu beachten sind aber auch die Orte Dreck, Drecke und Dreeke (zweimal) in Niedersachsen und in Westfalen, zu denen ein Herkunftsname Dreckmann gebildet werden konnte.

Einige Namensforscher vermuten, dass Dreckmann auf eine ursprüngliche Form Dre-êk-man oder Dre-eik-man zurückgeht und den „an den drei Eichen“ Wohnenden bezeichnete. Diese Möglichkeit ist nicht auszuschließen, es fehlen aber beweisende Belege.