Holocaust-Saboteur ohne Heimat Hans-Calmeyer-Haus in Osnabrück in weiter Ferne


Osnabrück. Als Retter von Tausenden Juden zur Zeit des Nationalsozialismus ging der Osnabrücker Rechtsanwalt Hans Calmeyer in die Geschichte ein. Eine ihm gewidmete Dauerausstellung, geschweige denn ein eigenes Museum, sucht man in seiner Heimatstadt jedoch vergebens. Daran hat auch ein Ratsbeschluss vom Sommer 2014 nichts geändert.

Verbrieft ist seit einem Jahr der Wunsch aller Fraktionen, einem der berühmtesten Söhne der selbst ernannten „Friedensstadt“ mehr Raum zu geben. Erwogen wird sogar, ausgerechnet die Villa Schlikker für eine würdige Präsentation seines Lebe

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Der Osnabrücker Rechtsanwalt Hans Georg Calmeyer (1903 – 1972) hat zwischen 1941 und 1945 Tausenden von Niederländern und Deutschen jüdischen Glaubens das Leben gerettet. Seit 2012 erinnert an Calmeyers Geburtshaus an der Martinistraße 17 eine Gedenktafel an ihn. Das Wirken Calmeyers ist seit den späten 1980er-Jahren insbesondere von Peter Niebaum, dem 2013 verstorbenen Vorsitzenden der Hans-Calmeyer-Initiative, erforscht worden. Der heutige Osnabrücker CDU-Bundestagsabgeordnete Mathias Middelberg widmete 2001/02 seine juristische Doktorarbeit dem „ größten Judenretter in Deutschland “. Der Staat Israel ehrte Calmeyer im Jahr 1992 posthum als „ Gerechten unter den Völkern “ aus. 1995 verlieh ihm die Stadt Osnabrück mit der Möser-Medaille ihre höchste Auszeichnung.

Am Heger-Tor-Wall in Osnabrück, linker Hand vom Hauptgebäude des Kulturgeschichtlichen Museums, steht die weit über 100 Jahre alte Villa Schlikker . Sie trägt den Namen ihres Erbauers Edo Floris Schlikker. Der Sohn eines der bedeutendsten Textilfabrikanten in Schüttorf in der Grafschaft Bentheim ließ sie 1900 als Wohnhaus am damaligen Kanzlerwall errichten. Architektonisch zeigt die Villa neoklassizistische Stilelemente, die jedoch im Innenraum Gestaltungsformen des Jugendstils annehmen.

Nach dem Tod des Bauherrn ging die Villa in den Besitz seines Sohnes Dr. Gerhard Schlikker über. Dieser stellte sie in den Jahren 1930/31 aus bisher ungeklärten Gründen – offenbar unfreiwillig – der NSDAP zur Verfügung. Von 1933 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (am 4. April 1945 wurde Osnabrück von britischen Truppen besetzt) war die Villa Schlikker die Verwaltungszentrale der Nationalsozialistischen Partei in Osnabrück. Die britische Besatzung nutzte die Villa nach dem Zweiten Weltkrieg als Stadtkommandantur, erst 1959 wurde sie der Stadt Osnabrück übergeben.

Dort wurden ab 1961 die naturkundlichen Sammlungen eingerichtet und ab 1963 eröffnet. 1970 erhielt das Gebäude als Naturwissenschaftliches Museum seine Eigenständigkeit. Nach dem Umzug des heutigen Museums für Natur und Umwelt 1988 auf den Schölerberg wurde die Villa Schlikker restauriert und unter Denkmalschutz gestellt. Die Volkskundliche Abteilung des kulturgeschichtlichen Museums fand hier ihre Präsentationsräume. Seit 2004 beherbergt die Villa Schlikker als „Haus der Erinnerungen“ die Alltagskultur des 20. Jahrhunderts.

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