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09.08.2015, 16:30 Uhr JUDENRETTER HANS CALMEYER

Mehr als eine Episode in Osnabrücks Stadtgeschichte

Kommentar von Sebastian Stricker

Hans Calmeyer, geboren 1903 und gestorben 1972 in Osnabrück, registrierte für die Nazis in den Niederlanden Juden. Tausenden rettete der Jurist das Leben. Unser Archivbild stammt aus den 1950er-Jahren. Foto: NOZHans Calmeyer, geboren 1903 und gestorben 1972 in Osnabrück, registrierte für die Nazis in den Niederlanden Juden. Tausenden rettete der Jurist das Leben. Unser Archivbild stammt aus den 1950er-Jahren. Foto: NOZ

Osnabrück. Jahrzehntelang war Hans Calmeyer ein stiller Held. Bis zu seinem Tod 1972 machte der Osnabrücker Rechtsanwalt keinerlei Aufhebens um seine historische Holocaust-Sabotage.

Denn an der Macht, die ihm als unfreiwilliger Teil des NS-Apparats in den Schoß fiel – nämlich tausendfach über Leben und Tod verfolgter Juden entscheiden zu müssen und dies nur unter größter persönlicher Gefahr zum möglichst Guten nutzen zu können –, ist der Jurist nach allen bisherigen Erkenntnissen der Geschichtswissenschaft schier verzweifelt.

Erst der Osnabrücker Lehrer und Ratsherr Peter Niebaum enthüllte Calmeyers beispielloses Rettungswerk durch private Nachforschungen. Und so dauerte es bis 2003, dass seine Calmeyer-Biografie die breite Öffentlichkeit darüber in Kenntnis setzte. Und weil bis heute eine Reihe von Büchern und Ausstellungen die Bedeutung Calmeyers bestätigten, erstaunt es umso mehr, dass ausgerechnet die „Friedensstadt“ Osnabrück dieses Thema aus musealer Sicht so stiefmütterlich behandelt. Hans Calmeyer und sein Rettungswerk sind jedenfalls weit mehr als eine Episode der Stadtgeschichte.


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