Kinderhospitals am Schölerberg Ein Platz für seelisch kranke Kinder in Osnabrück

Von Ulrike Schmidt


Osnabrück. Die Fenster sind gesichert, die Türen ebenfalls. Kinder und Jugendliche in psychischen Krisensituationen brauchen Schutz. Sie brauchen aber auch eine Umgebung, in der sie sich wohlfühlen können. Das Kinderhospital Osnabrück am Schölerberg geht bei seinem Umbau auf die besonderen Bedürfnisse der jungen Patienten ein.

Früher wurden am Schölerberg Patienten mit körperlichen und mit seelischen Erkrankungen behandelt. Vor vier Jahren zog die somatische Klinik mit der Kinderklinik des Marienhospitals unter dem Dach des Christlichen Kinderhospitals zusammen. Am Schölerberg blieb die Kinder- und Jugendpsychiatrie.

In fünf Bauabschnitten wird der Gebäudekomplex nun auf die speziellen Bedürfnisse der jungen Patienten abgestimmt. „Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in unserer Psychiatrie beträgt mehr als 40 Tage“, erläuterte Verwaltungsdirektor Wilfried Siemering im Gespräch mit unserer Redaktion. Deutlich länger als in somatischen Krankenhäusern, „deshalb legen wir Wert auf Wohnlichkeit.“

Was er damit meint, ist an den fertiggestellten ersten beiden Bauabschnitten zu sehen. Helle, freundliche Zimmer für ein bis zwei Patienten, früher gab es noch Dreibettzimmer. Noch relativ neu bezogen ist die Station für Jugendliche. Sie liegt in einem Gebäudeteil neben der Krisenstation im Erdgeschoss, darüber ist das sozialpädiatrische Zentrum.

Der Umbau hier wie auf dem gesamten Gelände war eine besondere Herausforderung für die Architekten und Ingenieure, berichtete Werner Hüdepohl, Geschäftsführer der Firma Hüdepohl/Ferner. Das alte Gebäude wurde bis auf die Wände komplett entkernt und neu gestaltet. Die Sicherheit spielte auch bei der Jugendlichenstation eine große Rolle. Sie wurde so ausgestattet, dass Patienten in Krisen aufgenommen werden können, wenn nebenan alles belegt ist.

Mit fünf Millionen Euro stellt der zweite den größten und teuersten der insgesamt fünf Bauabschnitte. Das gesamte Projekt kostet rund 14 Millionen, von denen das Land 9,4 Millionen und das Kinderhospital 4,6 Millionen zahlen . Seit den ersten Planungen sind die Kosten um mehr als drei Millionen Euro gestiegen. „Das lässt sich nicht vermeiden, wenn ein Umbau über Jahre während des laufenden Betriebes erfolgen muss“, erläuterte Siemering.

Die vor wenigen Wochen vom Land freigegebenen 2,6 Millionen Euro sind für den dritten Bauabschnitt bestimmt, der im Herbst begonnen wird. Dann wird das Land auch über die beantragte Erweiterung um zehn vollstationäre Plätze entscheiden, sagte Siemering.

Derzeit verfügt das Haus, das für Osnabrück und den gesamten Landkreis zuständig ist, über 65 Betten. Zwölf dieser Betten stehen in der Tagesklinik Eydelstedt im Landkreis Diepholz, wo die Osnabrücker ebenfalls die Versorgung übernommen haben.

Die Zahl der Notaufnahmen hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. In jüngster Zeit haben die Fachleute zwei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge behandelt, die aufgrund ihrer Erlebnisse stark suizidgefährdet waren. In den kommenden Jahren rechnet Siemering mit einer vermehrten Behandlung minderjähriger Flüchtlinge.

Für die jüngsten Patienten wird in den kommenden Jahren der Spielplatz mit neuen Geräten bestückt. An den Außenanlagen wird ebenfalls fleißig gewerkelt. Am Sonntag, 13. September, lädt das Kinderhospital alle Osnabrücker zu seinem traditionellen Sommerfest ein, „denn wir sind offen und ein Teil Osnabrücks“.