Freispruch vor dem Landgericht Osnabrücker zu Unrecht von seiner Ex angeschwärzt?

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Das Landgericht Osnabrück hat jetzt ein Urteil des Amtsgerichts gegen einen 44-Jährigen korrigiert und auf Freispruch entschieden. Symbolfoto: ArchivDas Landgericht Osnabrück hat jetzt ein Urteil des Amtsgerichts gegen einen 44-Jährigen korrigiert und auf Freispruch entschieden. Symbolfoto: Archiv

Osnabrück. Mit einem Freispruch endete jetzt ein Berufungsverfahren wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr vor dem Osnabrücker Landgericht. Im Februar war der angeklagte Osnabrücker vom Amtsgericht noch zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Laut seiner Verteidigerin war er von seiner getrennt von ihm lebenden Ehefrau im Rosenkrieg zu Unrecht bei der Polizei angeschwärzt worden.

Nicht nur 35 Tagessätze zu je 15 Euro, insgesamt also 525 Euro, sollte der Mann nach dem Willen des Amtsgerichts bezahlen. Auch sein Führerschein wurde einbehalten. Nach Überzeugung der Amtsrichterin war der Angeklagte im Sommer des vergangenen Jahres sturzbetrunken zum Haus seiner getrennt von ihm lebenden Ehefrau gefahren. Da sie ihn aber nicht hineinließ, soll der 44-Jährige eine Tür beschädigt und dann wieder nach Hause gefahren sein. Als er gerade eine halbe Stunde lang wieder in seiner Wohnung war, klingelte die Polizei und nahm den betrunkenen Mann mit. Offenkundig hatte die Ehefrau die Ordnungshüter zu ihm gelotst. Auf der Wache nahm ihm ein Arzt Blut ab und stellte eine Alkoholkonzentration von 2,62 Promille fest.

Der ganz anderen Version des Angeklagten schenkte das Amtsgericht keinen Glauben. Er sei vollkommen nüchtern vor dem Haus seiner Ehefrau aufgetaucht, schilderte er jetzt auch vor dem Landgericht. Ein leichtes Lallen und eine verwaschene Aussprache hätten wohl daher gerührt, dass er an diesem Tag seine Medikamente nicht genommen habe. Aus Frust, keinen Einlass bekommen zu haben, sei er mit dem Auto in seine Wohnung gefahren und habe dort innerhalb von zehn Minuten eine Wodkaflasche geleert. Gut eine halbe Stunde später habe dann die Polizei vor seiner Tür gestanden.

Seine Verteidigerin hatte im Vorfeld der erstinstanzlichen Verhandlung die Beauftragung eines Sachverständigen beantragt, der die Version ihres Mandanten stützen sollte, was die Amtsrichterin jedoch ablehnte. Die Berufungskammer hingegen ließ sich darauf ein und lud einen Gutachter. Dieser bestätigte nun tatsächlich, dass die Version des Angeklagten zumindest denkbar ist. Denn auch wer wenig Alkohol trinke, könne innerhalb von zehn Minuten sturzbachmäßig eine Flasche Hochprozentiges in sich hineinkippen, so der Gutachter. Überzeugend für Staatsanwalt und Gericht: Der Sachverständige kam bei seinen kompliziert wirkenden Berechnungen auf fast denselben Wert wie den, der bei der Blutprobe festgestellt worden war. Zudem bestätigte der Medizinexperte, dass eine verwaschene Aussprache dadurch entstanden sein könnte, dass der Angeklagte an jenem Tag seine Medikamente nicht genommen hatte.

„So kann es einem guten Menschen schlecht ergehen“, sagte die Verteidigerin in ihrem Plädoyer. Ursache für diesen Prozess – und eine Reihe weiterer, inzwischen gewonnener Verfahren –, sei ein von der ehemaligen Ehefrau angezettelter Rosenkrieg. Die Beweisaufnahme im Berufungsverfahren habe ergeben, dass ihr Mandant auch in diesem Fall unschuldig sei. Sie fordere daher einen Freispruch.

Dem entzogen sich weder der Staatsanwalt noch der Richter und die Schöffen. Die Berufungskammer sprach den Mann frei. Die Prozesskosten gehen zulasten der Staatskasse. Seinen Führerschein bekam der Osnabrücker wieder ausgehändigt.


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