Radtouren in der Region (18) Am Ibbenbürener Kraftwerk vorbei zurück nach Osnabrück

Von Claudia Ix


Osnabrück. 30 Kilometer von Ibbenbüren nach Osnabrück – die können ganz schön lang werden, wenn es immer wieder auf die Radwanderer niederregnet.

Heinz Wüppen hatte sich vorbereitet. Der Realschullehrer, der insgesamt zwölf Touren seiner Osnabrücker Radfahr-Blüte – mit dem Zug zu einem der sechs umliegenden Bahnhöfe und dann mit dem Rad zurück – erarbeitet hat, hatte noch morgens den Wetter-Radar studiert. „Regen ab 15 Uhr“, war die Erkenntnis. Leider hält sich der Regen nicht an die Vorhersage.

Direkt hinter dem Ibbenbürener Bahnhof erwischt er uns. Da haben wir uns von der Wilhelmstraße kommend schon eine Steigung von gut 14 Prozent, ein paar Treppenstufen und eine weitere Steigung hinauf bemüht. Aus Tröpfchen werden Tropfen, aus Tropfen ein ergiebiger Landregen. Wir stellen uns in einem Waldstück unter die Bäume und lauschen dem Regen, der in den Wipfeln rauscht. Es würde richtig schön klingen, wenn wir nicht noch 30 Kilometer vor uns hätten.

Diskussionen unter den Radlern

Sollen wir zurück? „Hier können wir noch abbrechen. Danach nicht mehr“, gibt Wüppen zu bedenken. Unsere Mitfahrer Heinz Rölker und Claudia Rottmann sind unschlüssig. Wie lange wird der Regen dauern? Während Wüppen und Rottmann ihre Smartphones befragen, erkundet Rölker den Wald. Und noch bevor die Smartphones etwas Aussagefähiges gefunden haben, lässt der Regen nach.

„Ein Schauer eben. Per Definition zehn Minuten“, erklärt Wüppen. Wir steigen auf: Von einem Schauer lassen wir uns die Tour nicht vermasseln. Allerdings bleibt es in den kommenden drei Stunden nicht bei einem.

Vor uns taucht das riesige Ibbenbürener Kohlekraftwerk auf, das die Region mit Strom versorgt. Wir fahren drumherum und kommen in die Nordschacht-Siedlung, wo die Straßen Knappen und Glück-Auf heißen. Unter unseren Reifen verlaufen Schächte, die bis 1,5 Kilometer tief in den Boden gehen. Der Berg ist völlig durchlöchert von einem der letzten drei Bergwerke Deutschlands und dem tiefsten in Europa, weiß Wüppen.

Ab in die Natur

Von Industriegeschichte zur Natur: Von der Straße „Zum Nordschacht“ geht es rechts in das Köllbachtal. Den Berg hinunter fahren wir begleitet von Vogelzwitschern und dem Summen der Räder nach Mettingen. In der historischen Altstadt beschließen wir, mit Blick zum Himmel, eine Pause einzulegen. Kaum sitzen wir, regnet es wieder. Eine Punktlandung.

Wir verkürzen uns die Wartezeit mit einem Besuch im benachbarten Tüöttenmuseum, einer liebevollen Rekonstruktion der Mettingen Leinenhändler. Als es aufklart, werden wir flott: Inzwischen ist uns klar geworden, dass wir uns auf diesen 30 Kilometern von Regenpause zu Regenpause hangeln müssen.

Schlenker zu Haus Langenbrück

Immer den Radwegweisern nach, fahren wir nach Westerkappeln. Dabei machen wir einen Schlenker zum Haus Langenbrück. Es ist in Privatbesitz der C&A-Familie Brenninkmeyer, wir staunen von außen über die Anlagen, die nach Tieren modellierte Hecke und die Auferstehungskapelle.

Links und rechts scheinen uns dicke dunkle Wolken einzuklemmen, als wir weiterfahren nach Westerkappeln. Links passieren wir eine alte Mühle, die selbst Mühlenexperte Heinz Rölker nicht kannte. An der Hauptstraße lohnt sich ein kurzer Abstecher zum Haus der Musikschule/Forum Musik, das in seiner Architektur an die Hundertwasser-Häuser erinnert.

Im Eiltempo durch Wersen

Durch Wersen jagt uns eine dicke Wolke. Claudia Rottmann gibt Gas, überholt alle und führt die Truppe noch trocken an den Sloopsteinen, dem am besten erhaltenen Megalith- oder Großsteingrab Westfalens, vorbei Richtung Osnabrück. Hinter dem Attersee, an Gut Leye, erwischt es uns das letzte Mal. Wir flüchten in ein Buswartehäuschen. Auch hier hält sich der Schauer an die Zehn-Minuten-Regel. Danach fahren wir weiter, umrunden den Rubbenbruchsee und kommen über den Westerberg zurück nach Osnabrück. Weder Atter- noch Rubbenbruchsee haben wir eines genaueren Blickes gewürdigt. Unser Bedarf an Wasser ist für diesen Tag gedeckt.


Tourbeschreibung nach Heinz Wüppen: Vom Bahnhof Ibbenbüren geht es links in die Wilhelmstraße und gleich nach 200 Metern wieder links unter der Bahn her auf die Laggenbecker Straße, die wir geradeaus fahren, um dann in die Alte Bleiche abzubiegen, die wir bis zum Ende hochfahren. Dabei wird sie immer steiler. Wenige Stufen müssen wir unseren Drahtesel hoch tragen, dann fahren wir „Am Lehrsteinbruch, um rechts wieder eine enorme Steigung bewältigen zu müssen.

Die Straße wird zur Rochusstraße, und nach einem halben Kilometer biegen wir links in den Höhenweg. Auf dieser kleinen Straße kommt uns das Kraftwerk immer näher. Wir biegen links in die Alpenstraße und kommen an die Ampel mit der Osnabrücker Straße, die wir überqueren.

Nach 900 Metern auf den Schwarzen Weg fahren wir geradeaus die Richardstraße, bis diese in Zum Nordschacht einmündet. Keine 200 Meter links zweigt unvermittelt rechts die Straße Köllbachweg ab. Eine herrliche Talfahrt steht uns bevor mit Höhepunkten am Wegesrand (Wassertretbecken, Steinbruch, Teichen, netten Gebäuden, Lehrpfad), bis wir in Mettingen in die Teichstraße einmünden. Noch 500 Meter sind es bis in den malerischen Ortskern von Mettingen.

Wir verlassen den Markt über Landrat-Schultz-Straße (die Rad-Wegweiser zeigen nach Westerkappeln) geradeaus weiter über den Muckhorster Weg und biegen rechts ein in den Papiermühlenweg. Den Wegweisern folgend geht es über Mittelweg, Hothoweg, Dreibauernstraße, Am Roten Bach, Am Stern zur Überquerung der Langenbrücker Straße. Und hier sollten wir einen 200-Meter-Abstecher nach links machen zum Haus Langenbrück. Zurück zu Am Stern geht es weiter zur großen Mettinger Straße, auf der wir ein Stück fahren müssen, um mal rechts, mal links auf parallele kleinere Straßen geführt zu werden. Nach Überquerung der Schienen kommen wir bald zur Straße Alte Mühle mit der Mühle. Bis zur nächsten Pause auf den neu renovierten Platz an der Kirche in Westerkappeln sind es von hier noch 1,7 Kilometer.

Vom Kirchplatz aus verlassen wir den Ort über Große Straße und Neustädter Straße auf die Hanfriedenstraße, die wird zum Gartenmoorweg und dann zur Sandstraße am Präriesee entlang. (Ein 800-m-Abstecher nach links bringt uns zu dem sehenswerten Großsteingrab „Sloopsteine“.) Weiter über Sandstraße und Napoleondamm kommen wir nach Wersen. Wir fahren links in die Westerkappelner Straße und richten uns nun genau nach den Radwegweisern Richtung Attersee, den wir halb umrunden, um dann unter der A 1 her etwas in das Industriegebiet zu gelangen. Über „Zum Attersee“ und „Eikesberg“ kommen wir über die Bahnschienen und in der Kurve fahren wir geradeaus auf den Feldweg, der uns zum Eingangstor des Gut Leye führt.

Direkt entgegengesetzt zum Eingang fahren wir den Feldweg an den weißen Steinen vorbei zur Straße „Zum Flugplatz“. Auf der geht es dann nach einem Kilometer links ab auf schmale Pfade zum Rubbenbruchsee, den wir halb umrunden. Den Wegweisern Richtung OS-Zentrum folgend, radeln wir durchs bewaldete Heger Holz, vorbei am Park-Hotel, zum Edinghäuser Weg und kommen über den Westerberg, am Botanischen Garten vorbei, auf den Wall im Zentrum Osnabrücks.