Polizei Osnabrück ohne heiße Spur Wie Juwelier Kolkmeyer die Raubüberfälle verkraftet

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Nach den beiden Raubüberfällen im Juli auf Juwelierläden in der Osnabrücker Fußgängerzone hat die Polizei noch keine heiße Spur. Geschäftsführer Dirk Kolkmeyer glaubt dennoch fest an einen Fahndungserfolg. Große Sorgen macht er sich hingegen um seine Mitarbeiter.

Das 123-Gold-Trauringzentrum „Trends“ am Domhof (Theaterpassage) war am 9. Juli 2015 von zwei Männern überfallen worden. Knapp drei Wochen später, am 29. Juli, erwischte es das Juweliergeschäft Kolkmeyer an der Georgstraße. Die Räuber setzten jeweils Axt und Pfefferspray ein, um Beute zu machen. Anschließend entkamen sie zu Fuß und mit Fahrrädern – im Gepäck: Schmuck im Wert von einigen Tausend Euro.

Möglicherweise sind die Täter in beiden Fällen dieselben. Denn nicht nur ihr gewaltsames Vorgehen, sondern auch ihre Beschreibungen ähneln sich. Viel verspricht sich die Polizei Osnabrück deshalb von den Bildern einer Überwachungskamera , mit denen sie seit wenigen Tagen nach den Räubern fahndet. Brauchbare Hinweise habe es aber bislang nicht gegeben, wie Polizeisprecherin Mareike Kocar auf Nachfrage mitteilte.

Hohe Aufklärungsquote

Für Dirk Kolkmeyer, Inhaber der beiden überfallenen Geschäfte, kein Grund zur Besorgnis. „Ich bin zuversichtlich, dass die Räuber gefasst werden“, sagte er unserer Redaktion am Donnerstag. Dazu arbeite er eng mit der Polizei zusammen, und in die Arbeit der Ermittler habe er vollstes Vertrauen, denn „die Aufklärungsquote in solchen Fällen ist hoch“.

Der materielle Schaden sei weitgehend beseitigt und ohnedies unbedeutend im Vergleich zu den Spuren, die die Ereignisse beim Personal hinterlassen haben, so der Juwelier. Als Chef belaste ihn deshalb vor allem die Situation der Belegschaft – speziell der vier Mitarbeiterinnen, die unmittelbar Opfer der jüngsten Raubüberfälle wurden.

Mitarbeiterinnen traumatisiert

„Sie haben ein Riesenproblem damit, zu verkraften, was ihnen widerfahren ist.“ Nur eine der betroffenen Frauen sei zur Arbeit zurückgekehrt, fühle sich dabei aber „überhaupt nicht wohl“. Zwei Kolleginnen seien noch immer krankgeschrieben. Eine weitere Angestellte befinde sich zurzeit in Urlaub, und ob sie danach zum Alltag übergehen könne, scheint Dirk Kolkmeyer zumindest fraglich. Denn alle vier würden vor Angst kaum Schlaf finden, hätten mit Albträumen zu kämpfen und seien mitunter „extrem schreckhaft“. (Weiterlesen: Weißer Ring: „Die Angst kann man Opfern nicht nehmen“)

Um weiteren Raubüberfällen vorzubeugen, habe er Veränderungen an der Sicherheitstechnik vorgenommen, erklärte der Juwelier. Darüber hinaus wurde trotz dünner Personaldecke die Präsenz im Verkaufsbereich erhöht. Heißt: Kolkmeyers Angestellte schieben Überstunden ohne Ende. „Wir stehen hier alle mächtig unter Dampf. Arbeitstechnisch ist das Oberkante Unterlippe!“ Ob nicht ein Wachdienst Entlastung schaffen könne? Darüber werde regelmäßig diskutiert, so Dirk Kolkmeyer. „Aber zurzeit ist es keine Option. Ein Wachdienst hätte enorm abschreckende Wirkung auf Kunden.“

Treue Kunden, nette Nachbarn

So aber hielten sie seinen Geschäften auch nach den Raubüberfällen die Treue – und reagierten „Gott sei dank sehr verständnisvoll, wenn es mit der Bedienung mal etwas länger dauert“. Auch von Nachbarn und Mitbewerbern gebe es viel Zuspruch. Kolkmeyer: „Einige haben uns Schokolade geschenkt – als Nervennahrung.“