Morbider Charme in der Ortsmitte Magischer Ort: Kirchplatz in Ankum mit Gogericht

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Richter und Schöffen übten fast sechs Jahrhunderte lang ihre Tätigkeit hinter der Ankumer St.-Nikolaus-Kirche aus. Unter der Linde befand sich einst ein Gogericht. Foto: Thomas WübkerRichter und Schöffen übten fast sechs Jahrhunderte lang ihre Tätigkeit hinter der Ankumer St.-Nikolaus-Kirche aus. Unter der Linde befand sich einst ein Gogericht. Foto: Thomas Wübker

Ankum. Die Stadt- und Kreisarchäologie besteht seit 40 Jahren. Zum Jubiläum entstand die dezentrale Sonderausstellung „Magische Orte entdecken“. Dazu gehört auch die Kirchburg in Ankum.

Einen morbiden Charme strahlt der Ort hinter der St.-Nikolaus-Kirche in Ankum aus. Ein großes, steinernes Kreuz weckt Erinnerungen an keltische Krieger, dahinter liegt eine Gedenkstätte für Tote und Vermisste aus dem Zweiten Weltkrieg. Und dann ist da noch diese Linde, die auf einem Hügel über dem Platz thront. Dort entschieden einst Richter und Geschworene über das Schicksal der Angeklagten. Oft waren dies einfache Leute, die bereits für geringfügige Vergehen mit brutalen Verstümmelungen bestraft wurden.

Von 1225 bis 1808 haben auf dem Hügel hinter dem Kirchplatz diese Gogerichte stattgefunden. So steht es auf einem Schild geschrieben, das neben der Holztreppe aufgestellt ist, die zur Linde hinauf führt. Mit etwas Fantasie können sich die Besucher dieses Orts vorstellen, wie es den Delinquenten vor etlichen Jahrhunderten ergangen ist, nachdem sie dort ihren Richterspruch erfahren hatten und anschließend den Henkern zugeführt wurden.

Herrschaftliches Zentrum in der Region

In der unmittelbaren Nähe des Gerichts war in alten Zeiten viel los. Im Zuge des Ausbaus der Kirchburg lebte auch der Ort Ankum auf. Dort kreuzten sich Verkehrswege, Waren wurden in Ankum gehandelt und die Gemeinde bildete sich zum herrschaftlichen Zentrum der Region aus. Darin erinnert eben jener „Vogelboll“ genannter Hügel, wo mehrere Jahrhunderte lang Recht gesprochen wurde.

Die Geschichte dieses Orts geht aber noch weiter in die Vergangenheit zurück. Archäologische Untersuchungen haben ergeben, dass es bereits vor der Christianisierung, etwa um 600 nach Christus, eine Ansiedlung gegeben haben muss. Dazu gehörten mehrere Grubenhäuser, großflächige Pfostenbauten und ein weitläufiges Grabensystem.

Wichtige Fundstücke

Gleich zu Beginn dieser Ausgrabungen im August 2009 wurde im Bereich der nördlichen Ringmauer der Kirchburg ein datierbares Fundstück entdeckt, dass die hohe Bedeutung dieser Ansiedlung unterstreicht. Es ist eine mit einem Radgestempel verzierte und Bemalungsspuren tragende Wandungsscherbe eines Tongefäßes. Sie ist der zum 9. und 10. Jahrhundert angehörenden Hunneschans Keramik zuzuordnen. Der Fund dieser aus dem Rheinland in das Osnabrücker Nordland importierten Ware lässt den Schluss auf wohlhabende Besitzer zu dieser Zeit auf der Kirchburg zu. Zudem wurde im Bereich direkt außerhalb der Ringmauer entdeckt, das dort ein eisenverarbeitendes Handwerk ausgeübt wurde.

Weiterlesen: Kreis- und Stadtarchäologie feiert Jubiläum.


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