Behandlungen in Leogane Osnabrücker Zahnarzt hilft erneut auf Haiti

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Osnabrück. Bereits zum zweiten Mal ist Dr. Gerhard Stürmer-Schwichtenberg auf humanitärer Mission nach Haiti gereist. Der Zahnarzt aus Osnabrück hat in Leogane, einer Stadt rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Port-au-Prince entfernt, vier Tage lang Patienten kostenlos behandelt.

Seit dem ersten Hilfseinsatz auf der Karibikinsel im August 2014 habe sich in der Zahnarztpraxis nicht viel verändert, weiß Stürmer-Schwichtenberg zu berichten. „Seit dem 1. März 2015 arbeitet dort auch ein haitianischer Kollege, was den Patientenansturm doch etwas reduziert hat, als ich dort angefangen habe zu behandeln.“ Ein zahnärztlicher Behandlungsstuhl war in der „Klinik“, die momentan noch von der Caritas finanziert wird, allerdings immer noch nicht vorhanden. „Dank einer Spende ist der Behandlungsstuhl aber in Port-au-Prince angekommen. Jetzt muss er nur noch nach Leogane transportiert und dort aufgebaut werden“, erklärt es Stürmer-Schwichtenberg.

Dieses Problem sei ganz pragmatisch gelöst worden, erzählt der Osnabrücker Zahnarzt: „Es wurde eine zweite Behandlungsliege in den Raum geholt, mit einem Paravent abgeteilt und die Arbeit von zwei Zahnärzten im gleichen Raum konnte beginnen.“

Weniger Zähneziehen

Vier Tage lang verarztete Stürmer-Schwichtenberg zusammen mit seinem haitianischen Kollegen rund 140 Patienten. „Die Art der Behandlungen, die ich durchführen musste, hatte sich durch die Anstellung des zweiten Zahnarztes erheblich verändert“, berichtet der Zahnmediziner von seinen Erfahrungen. Nicht mehr so viele Extraktionen von Zähnen, dafür mehr Untersuchungen und der Wunsch nach Entfernen des Zahnsteins seien an der Tagesordnung gewesen.

„Das hat allerdings häufig viel mehr Zeit in Anspruch genommen, als einen Zahn zu ziehen“, erklärt er. Denn: Das Zahnsteinentfernungsgerät, das der Osnabrücker bei seinem ersten Besuch mit in die haitianische Klinik gebracht hat, war immer noch nicht an den Wasserkreislauf angeschlossen. „Es fehlte ein Verbindungsschlauch von 70 Zentimetern Länge – und niemand fühlte sich dafür zuständig.“ Überhaupt sei es für den Zahnmediziner oft sehr schwierig gewesen, mit der haitianischen Mentalität umzugehen: „Manche Dinge lösen sich eben nicht durch Abwarten, und nicht alles kann durch Improvisationsvermögen von Mechanikern oder fachkundigen Laien aufgefangen werden“, so Stürmer-Schwichtenberg.

Dennoch sei die Arbeit in Leogane entspannter gewesen als noch beim ersten Besuch vor einigen Monaten, berichtet der 62-Jährige, der von der Zahnärzte-Hilfsorganisation Diano (Dental International Aid Networking Organisation) unterstützt wurde. „Es war nicht so heiß, die Situation dort nicht mehr so fremd und das Klinikpersonal wusste besser, wie sie mich einschätzen konnten.“

Wirtschaftliche Probleme

Große wirtschaftliche Probleme habe die Klinik in Leogane aber immer noch: Errichtet und unterhalten wurde sie nach dem Erdbeben im Jahr 2010 von der Caritas. „Die Caritas beendet ihre Zuwendungen an solche Institutionen normalerweise nach vier Jahren, und die Klinik sollte durch lokale Personen weitergeführt werden.“ Das aber gestaltete sich laut Aussage des Osnabrückers schwierig, und die versprochene verlängerte finanzielle Unterstützung der Caritas wurde durch bürokratisches Durcheinander erschwert.

Den ausgebliebenen Zuschuss übernahm Diano, doch ab Oktober wird die Caritas die Zahlungen einstellen, erklärt Stürmer-Schwichtenberg. Dann stelle sich wieder die Frage nach der Finanzierung. „Meiner Meinung nach kann der Klinikbetrieb in den nächsten Jahren nur durch Spenden gesichert werden“, beklagt der Osnabrücker.

Behandlungsangebot wird gut angenommen

„Insgesamt gesehen war allerdings erfreulich, dass das zahnärztliche Behandlungsangebot doch sehr gut angenommen worden ist und auf Dauer mit einer zahnärztlichen Behandlungseinheit die Situation in der Stadt in Eigenregie erheblich verbessert werden kann.“ In Zukunft seien Betreuungen oder Fortbildungen durch ausländische Zahnärzte, Fachangestellte und Zahntechniker sicherlich hilfreich, erklärt er. „Es gibt in Haiti keine Berufsausbildung wie das duale System in Deutschland, das heißt, man lernt durch Ausprobieren oder manchmal durch Anleitung eines erfahrenen Kollegen.“ Die dadurch entstehenden elektrischen oder sanitären Anlagen seien dadurch oft „abenteuerlich“.

Der Osnabrücker Zahnarzt ist sich sicher: Das war nicht der letzte Besuch, den er in humanitärer Mission der Insel Haiti abgestattet hat: „Ich plane auf jeden Fall, im März 2016 erneut dorthin zu reisen“, erklärt er.


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