Formula Student 2015 Autorennstall der Hochschule Osnabrück in Hockenheim vorn

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Osnabrück. Success mit Excess: Das Ignition Racing Team electric (IRTe) der Hochschule Osnabrück ist bei der Formula Student Germany 2015 in Hockenheim auf den sechsten Rang gefahren. Damit bestätigte der studentische Autorennstall in der Gesamtwertung seine Rekordplatzierung aus dem Vorjahr. Für den selbst gebauten Elektrorennwagen IR-15 „Excess“ gab es Sonderlob.

110 Mannschaften aus aller Welt nahmen rund um das erste August-Wochenende an dem internationalen Konstruktionswettbewerb in Süddeutschland teil, der als größter und wichtigster seiner Art 2015 sein zehnjähriges Bestehen feierte. Allein in der Klasse der batteriebetriebenen Fahrzeuge gingen 39 Hochschulteams an den Start, darunter auch das IRTe aus Osnabrück. (Weiterlesen: Hochschule Osnabrück nimmt an Formel 1 für Studenten teil)

Dabei verglichen die Studenten ihre Eigenkonstruktionen sowohl auf der Strecke als auch am Reißbrett. Denn bei der Formula Student gewinnt nicht einfach das schnellste Auto. Entscheidend ist das beste Paket aus Konstruktion, Fahrleistungen, Finanzplanung und Verkaufsargumenten. So müssen die Teams einen schlüssigen Business- und Kostenplan mit geringem Verbrauch und technischen Innovationen vereinen. Bewertet werden die Konzepte von Fachleuten aus Industrie und Wirtschaft.

Knapp am Pokal vorbei

„Mit Platz sechs in der Endabrechnung haben wir unser Ziel erreicht, darauf sind wir sehr stolz“, sagt Ignition-Racing-Teamleiterin und Kartpilotin Swenja Heuer. An einem Pokal, wie es ihn 2014 für den energieeffizientesten Rennwagen gab, sei die Hochschule Osnabrück nur haarscharf vorbeigefahren. Dafür habe der Rennstall mit seinen knapp 50 Mitgliedern aus unterschiedlichen Fachbereichen diesmal abseits der Piste eins draufgesetzt. Denn Rang vier im Design-Report bedeutete die ersehnte Steigerung in einer statischen Disziplin. „Für die Konstruktion und die Verarbeitung unseres Autos haben wir von den Verantwortlichen viel Lob bekommen.“ (Weiterlesen: Osnabrücker Hochschulrennfahrer auf Erfolgskurs)

Der Bolide mit der Typbezeichnung IR-15 und dem verheißungsvollen Beinamen „Excess“ ist eine Weiterentwicklung des erfolgreichen Vorgängermodells IR-14 „Infected“. Ein Jahr lang haben die Osnabrücker Nachwuchsingenieure daran in ihrer Freizeit getüftelt und geschraubt. Ihr oberstes Ziel lautete dabei: Gewichtsersparnis. Und tatsächlich ist der neue Formelrennwagen mit 227 Kilogramm einen halben Zentner leichter als der alte. Wie das gelang? Indem etwa der bisherige Stahlgitterrohr-Rahmen gegen ein Monocoque aus Kohlefaser getauscht und außerdem das Fahrwerk so gestaltet wurde, dass statt der zuvor verwendeten 13-Zoll-Räder kleinere 10-Zoll-Räder montiert werden können. (Weiterlesen: Osnabrücker Elektro-Rennauto ist schneller als Ferrari)

Vorbereitung auf Spanien

Besonders gut gefiel den Preisrichtern und Regelhütern der Formula Student Germany aber die neue, zusätzliche Hinterachslenkung des IR-15. Sie verkleinert den Wendekreis, macht das Fahrzeug so „agiler im Handling und stabiler in schneller Kurven“, wie Swenja Heuer erläutert. Ein solches Feature sei überhaupt erst seit diesem Jahr erlaubt, „und wir waren das einzige Team in Hockenheim, dem es gelungen ist, es einzusetzen“. (Weiterlesen: Bei der Formula Student arbeiten viele Studierende zusammen)

Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, bleibt dem IRTe allerdings wenig. Schon Ende August tritt es bei der Formula Student Spain an. Auf dem berühmten Rundkurs von Katalonien (Circuit de Catalunya) in Barcelona liebäugeln die Osnabrücker als Vorjahresneunte dann wieder mit einer Platzierung unter den Top 10 der Gesamtwertung. „Außerdem wollen wir in einer Einzeldisziplin aufs Treppchen fahren“, gibt die Teamleiterin die Marschroute für Spanien vor.

Sprungbrett in den Job

Als gelernte Kfz-Mechatronikerin und Hochschulstudentin der Fahrzeugtechnik weiß Swenja Heuer aber auch, dass es bei diesem Wettbewerb nur vordergründig auf sportliche Resultate ankommt. Denn Gold wert sind in erster Linie die gesammelten Praxiserfahrungen und Kontakte zu Sponsoren. 2015 scheint in dieser Beziehung für das Ignition Racing Team electric ein außergewöhnlich ergiebiges Rennjahr zu sein: Vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI), dem ideellen Träger der Formula Student Germany (FSG), wurde es anlässlich der Jubiläumsveranstaltung für eine PR-Kampagne auserkoren und mit Blick auf Hockenheim monatelang medial begleitet. „Das hat unseren Bekanntheitsgrad sicherlich noch einmal gesteigert“, sagt IRTe-Chefin Heuer.

Mit ein bisschen Glück könnte also die aktuelle Saison speziell dem einen oder anderen Osnabrücker Studenten als dickes Sprungbrett ins Berufsleben dienen. Tim Hanning, Vorsitzender des Vereins Formula Student Germany, hält das für realistisch. „Die FSG wird mittlerweile – gemäß den Rückmeldungen, die wir aus der Automobil- und Zulieferindustrie bekommen – unumstritten als wertvolle Qualifikation neben dem Studium angesehen.“


In der Formula Student bauen Hochschulteams aus der ganzen Welt in Eigenregie einen einsitzigen Formelrennwagen, um damit bei einem Wettbewerb gegeneinander anzutreten. Die Rennställe arbeiten dabei wie mittelständische Unternehmen, die einen Prototypen für eine mögliche Serienproduktion präsentieren.

Die Formula Student Germany (FSG) wird seit 2006 jährlich am Hockenheimring ausgetragen. Bei der Premiere gingen elf Mannschaften aus Deutschland, Österreich, Finnland und Italien an den Start. 2015 waren es 110 studentische Teams aus aller Welt. Das Ignition Racing Team der Hochschule Osnabrück ist seit 2007 bei der FSG mit von der Partie – bis 2010 mit Fahrzeugen, die von einem Verbrennungsmotor angetrieben wurden (Formula Student Combustion), danach mit Elektroboliden (Formula Student Electric).

Der Wettbewerb gliedert sich in acht Prüfungsteile. Dabei geht es viermal auf die Piste: beim Langstreckenrennen über 22 Kilometer gegen die Uhr (Endurance), beim 75-Meter-Beschleunigungsrennen (Acceleration), beim Skidpad (Rutschplatte), wo auf nasser Fahrbahn eine liegende Acht durchfahren wird, sowie beim Autocross, einem kurzen Qualifikationsrennen für die Ausdauerfahrt. Außerdem wird in einer fünften dynamischen Disziplin die Energieeffizienz gemessen, bei der Endurance-Rundenzeiten und Strom- bzw. Spritverbrauch des Rennwagens ins Verhältnis gesetzt werden. Abseits der Rennstrecke müssen die Studenten einen Businessplan vorstellen, einen Kostenbericht darlegen und das Design ihres Autos erläutern.

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