Graue Verteiler verschönert Osnabrück hatte schon früh was auf dem Kasten

Von Ulrike Schmidt


Osnabrück. Die Deutsche Telekom erleichtert ab sofort das Bemalen ihrer Verteilerkästen. In Osnabrück gab es bereits vor acht Jahren eine Aktion zur Verschönerung der grauen Kästen. Allerdings nagt der Zahn der Zeit an vielen Gemälden. Und eine Neuauflage ist derzeit nicht geplant.

„Osnabrück hat was auf dem Kasten“ hieß der damals einzigartigen Wettbewerb der Stadt . Im Sommer 2007 hatte die Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH (OMT) gemeinsam mit den Jugendzentren Westwerk und Ostbunker junge Künstler aufgerufen, ihre Ideen kreativ ins Bild zu setzen. Die Stadtwerke unterstützten die Aktion und stellten die Flächen auf den schmucklosen Kästen zur Verfügung. „Das außergewöhnliche Projekt leistet nicht nur einen Beitrag zur Verschönerung der Innenstadt, es fördert zudem das kreative Engagement der Jugendlichen“, sagte der damalige OMT-Geschäftsführer Oliver Mix.

Osnabrücker Alltagssituationen

Die Entwürfe für die Kästen sollten sich mit typischen Osnabrücker Alltagssituationen beschäftigen. Da gab es Fußballkunst in Lilaweiß und das Wappen der Stadt, das Osnabrücker Rad. Die meisten Motive aber widmeten sich Comic-Helden wie Spongebob Schwammkopf, Berühmtheiten wie Charly Chaplin und vor allem den Köpfen der Künstler entsprungene Fantasiegestalten. Lediglich einmal muste die Stadt einschreiten: Eine Comic-Figur, die sich mit einer Pistole das Hirn aus dem Kopf schießt, durfte nicht gemalt werden. Keine Gewaltverherrlichung und Pornografie waren weitere Auflagen.

Straßenzüge als Kustmeile

Elf Straßenzüge, darunter die Lotter Straße, Pagenstecher Straße und Iburger Straße, wurden im Sommer vor acht Jahren zur Kunstmeile. Rund 1000 Farbdosen wurden dabei verbraucht. Die Materialkosten für die Aktion trug damals die OMT. Die Telecom wird in diesen Tagen kritisiert, weil sie zwar ihre Kästen zur Verfügung stellt, aber die Kosten zur Verschönerung den Künstlern überlässt.

Viel Lob, wenige Beschwerden

Aus der Osnabrücker Bürgerschaft gab es viel Lob, und nur einige Beschwerden. Die kamen damals nur von Leuten, die den Verteilerkasten vor ihrem Haus auch gerne schön bunt besprüht haben wollten. Den die grauen „Multifunktionsgehäuse“, wie sie im Fachjargon genannt werden, sind im sauberen Zustand allenfalls unschön. Meistens aber werden sie von illegalen Sprayern mit deren Tags (Signaturen) beschmiert und erscheinen dadurch noch hässlicher und ungepflegter.

Nach der Aktion im Sommer 2007 erfüllte sich zudem die Hoffnung, dass andere Möchtegern-Sprühkünstler die Werke achten und darauf keine eigenen Spuren hinterlassen. Einige der zehn an der Aktion beteiligten jungen Leute hatten ihre Wurzeln übrigens selbst im illegalen Milieu . Finanziell gelohnt hat es sich für sie im Nachhinein: Nachdem öffentlich wurde, was sie auf dem Kasten haben, gab es etliche Aufträge.

Bunte Kästen sind verblasst

Heute sind viele der bunten Kästen verblasst. An einigen Stellen sind sie ganz von der Bildfläche verschwunden, wurden ausgetauscht oder abgeschafft. Doch auch die Überreste der bunten Aktion sind allemal ansehnlicher als die hässlichen, beschmierten, grauen Verteilerkästen. Allerdings ist eine Neuauflage der Verschönerungsaktion nach Auskunft der heutigen OMT-Vorsitzenden Petra Rosenbach nicht geplant.

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