Labyrinth auf Osnabrücker Feld Irrwege im Mais

Von Johanna Lügermann


Osnabrück. Zwei Jungs kommen in den Hofladen der Familie Padeffke. Sie suchen ihre Eltern, die sich scheinbar verlaufen haben. Sorgen müssen sich die beiden trotzdem nicht machen: Bisher hat noch jeder den Weg aus dem Maislabyrinth am Hof Hauswörmann gefunden. Bei manchen dauert es nur etwas länger.

Um die Orientierung auf dem viereinhalb Hektar großen Gelände im Osnabrücker Stadtteil Nahne zu behalten, entwickeln die Besucher unterschiedliche Taktiken. Helfen können dabei zum Beispiel die Strommasten- und Leitungen über dem Feld. Außerdem gibt es drei Aussichtstürme, auf denen sich zumindest die nähere Umgebung überblicken lässt. Einige Stellen sind auch auf der Karte wiederzuerkennen, die Besucher am Eingang bekommen. Nur aus der Luft ist zu sehen, dass die Wege durch das Labyrinth Motive ergeben: Ein Kamel, eine Palme und drei Pyramiden hat Familie Padeffke in diesem Jahr in den Mais gehackt. Das Thema des 15. Labyrinths kurz vor der Autobahnabfahrt Osnabrück-Sutthausen ist Ägypten.

Die Planung hat schon im Winter begonnen. „Später ist wegen der täglichen landwirtschaftlichen Arbeiten kaum Zeit“, sagt Lisa Padeffke, die das Muster entworfen hat. Auf kariertem Papier hat sie die Motive vorgezeichnet. Ein Feld entspricht dabei fünf Metern auf dem Acker. Der Mais wird in Reihen mit einem Abstand von 75 Zentimetern gelegt. Schon früh werden dann die Aussichtstürme mit einem Trecker auf dem Feld platziert, damit die Pflanzen keinen Schaden nehmen. Mittlerweile stehen die Maisblüten fast drei Meter hoch.

Lisa Padeffke hat sich selbst noch nie in dem Labyrinth verirrt. Für die Besucher sieht jedoch jeder Weg gleich aus. Schon nach wenigen Metern sind viele ratlose Gesichter zu sehen. Andrea Dolkemeyer ist mit ihren Kindern Jana und Silas in den Gängen unterwegs. Auch sie haben eine eigene Taktik entwickelt, um dem Ausgang näher zu kommen: Sobald sie an eine Weggabelung kommen, teilen sich die drei auf. „Hier geht es nicht weiter“, meldet Silas einen Augenblick später und dreht um. Zurück an der Kreuzung muss er sich erinnern, aus welcher Richtung er gekommen ist. Der Junge versucht herauszufinden, woher die Stimmen seiner Mutter und Schwester kommen.

Etwa drei Wochen dauert es, bis die Wege angelegt sind. „Das wird gemacht, wenn der Mais etwa 60 Zentimeter hoch ist“, sagt Lisa Padeffke, „normalerweise jedenfalls. Dieses Jahr gab es eine lange Trockenperiode, und als Regen kam, wuchs der Mais bis zu 30 Zentimeter am Tag“. Dann musste es schnell gehen. Die Familie war zu viert von morgens bis abends auf dem Feld. Mit Pflöcken wurden Punkte markiert, zwischen denen die Wege liegen sollten. Dann sind die Pflanzen mit einer Schaufel abgehackt und die Reste von den Wegen geholt worden. Auch die Blätter, die in die Gänge ragten, mussten entfernt werden.

Neben den Wegen gibt es auch einige größere Flächen, die nicht bewachsen sind. „Diese Plätze zum Aufatmen finde ich besonders wichtig“, sagt die Planerin. Sie hat noch mehr Überraschungen im Labyrinth versteckt. Die Besucher können einen Schatz suchen, und wenn sie unterwegs alle Schilder finden, lösen sie ein Rätsel. So soll die Entdeckungsreise für Kinder noch spannender werden. Das Labyrinth ist zudem in zwei Abschnitte geteilt. Der erste Teil kann in einer halben bis in einer Dreiviertelstunde absolviert werden, für den gesamten Weg sollten Besucher eineinhalb bis zwei Stunden einplanen.

„Die meisten Gäste sind Familien mit Kindern, aber auch viele Pärchen laufen durch das Labyrinth“, erzählt Padeffke. Auch für Schulausflüge und Kindergeburtstage sei es interessant, zumal im Anschluss ein Abenteuerspielplatz wartet und die Hoftiere besucht werden können. Derzeit ist zudem eine Halle im Bau, in der eine Strohburg entstehen soll. Das Maislabyrinth sei, wie der Hofladen der Familie, eine Nische und damit wichtig für einen Hof in Osnabrück, sagt Lisa Padeffke. „Eine normale landwirtschaftliche Ausdehnung ist für uns nicht möglich. Das Labyrinth bietet eine kreative Alternative.“

Seit der Öffnung am vergangenen Freitag waren schon viele Besucher da. „Am Sonntag waren es 140“, schätzt Padeffke. Drohende Regenschauer seien kein Problem, die Aussichtstürme können auch als Unterstand genutzt werden – wenn sie denn gefunden werden. Es gibt außerdem einen gekennzeichneten Notausgang. Auf erfolgreiche Schatzsucher wartet im Hofladen ein Wassereis oder Zuckermais.