10 Jahre „Energiesparzoo“ Zoo Osnabrück: Vom Energiefresser zum Energielieferanten

Von Dietmar Kröger


Osnabrück. Zoos sind von ihrer Natur aus eigentlich Energiefresser: Tierhäuser müssen warm gehalten, Aquarien aufgeheizt werden; Gehege brauchen Beleuchtung, Wasser muss von A nach B gepumpt werden. Mithin ist der Kostenfaktor Energie nach den Personalkosten der Posten in der Bilanz, der die Verantwortlichen am meisten schmerzt. Auf dem Schölerberg wurde der Spieß umgedreht: Der Zoo liefert jetzt Energie und verdient damit auch noch Geld.

„Wir mussten einfach die Bremse ziehen.“ Zoogeschäftsführer Andreas Busemann erinnert sich sehr gut an das Jahr 2005, als er beim Blick auf die Energiekosten und deren abzusehenden Steigerungsraten veritable Bauchschmerzen bekam. Die Kosten drohten davon zu laufen, was für einen Zoo mit so gut wie keinen Zuschüssen ein ernsthaftes Problem darstellt. Busemann wandte sich an die Stadtwerke und auf deren Vermittlung an die Fachhochschule Münster. Aus den ersten Kontakten entwickelte sich eine Diplomarbeit. Autor des Werkes ist Frank Hanneken, mittlerweile Diplomingenieur mit eigenem Büro und ständiger Berater des Zoos bei den Themen Energie, Umwelt und Gebäude.

Energetisch auf der richtigen Spur

Hanneken drehte auf dem Schölerberg jeden Stein um, unter dem auch nur ansatzweise eine energiesparende Maßnahme hätte versteckt sein können. Am Ende präsentierte er Busemann einen bunten Strauß an Projekten, die den Zoo energetisch auf die richtige Spur brachten.

„Herr Hanneken hatte nicht nur mögliche Einsparpotenziale aufgezeigt, sondern auch gleich eine Kostenrechnung mitgeliefert, die uns zeigte, wann sich die Investitionen amortisierten“, so Busemann. Die Verantwortlichen auf dem Schölerberg packten in der Folge als erstes jene Maßnahmen an, deren „return on invest“, also jener Zeitpunkt, an dem sich die Investition durch die Einsparungen bezahlt gemacht hat, bei unter fünf Jahren lag. Dabei war die Ausgangslage für Einsparungen äußerst günstig: Der Zoo ist einer der größten Energieverbraucher der Stadt und seine Gebäudetechnik war zu Beginn der Maßnahmen auf dem Stand der 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Dementsprechend einfach waren dann auch die ersten Maßnahmen: Änderung der Pumpeneinstellungen und Austausch der Beleuchtung.

Becken muss gekühlt werden

Der erste größere Schritt war dann die Kühlung des Aquariums. Die Becken müssen nämlich entgegen der allgemein vorherrschenden Vermutung eher gekühlt als geheizt werden. Dazu dient nun das Wasser des zooeigenen Brunnens, das mit vier Grad aus den Tiefen des Schölerbergs gefördert wird. Diese ersten, allein vom Zoo finanzierten Eingriffe in das energetische Geschehen, zu denen auch der Umbau der Lüftungsanlage des Aquariums gehörte, brachten eine Einsparung von etwa 400000 Kilowattstunden pro Jahr, was eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes von 115 Tonnen Jährlich bedeutet. Investiert hat der Zoo in diesem ersten Schritt 108000 Euro, die ihm jährliche Einsparungen von etwa 26000 Euro bringen.

Für die zweite Phase des Projektes „Energiesparzoo“ konnte Busemann neben den eigenen 170000 Euro noch Fördermittel der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), der Stadtwerke Osnabrück (SWO) und der Niedersächsischen Lottostiftung einsetzen – insgesamt 400000 Euro. Die Mittel flossen in ein Blockheizkraftwerk, in Solaranlagen unter anderem auf dem Elefantenhaus, das zeitgleich eine kostensparende Infrarotheizung für die Dickhäuter bekam, und einige weitere Projekte.

Heizaufwand entfällt

„Gleichzeitig arbeiten wir auch am Produkt selbst“, sagt Busemann. Was er damit meint, ist eine Änderung im Tierbesatz hin zu solchen Arten, die mit dem mitteleuropäischen Klima klar kommen, ohne dass der Zoo energetisch belastet wird. Ein Beispiel hierfür ist die ehemalige Tropenhalle, die seit einigen Jahren die Mendoza-Ebene abbildet. Die hier heimischen Tiere kommen auch mit unserem Klima zurecht. Der enorme Heizaufwand der vergangenen Jahre entfällt somit.

Letzter Clou auf dem Schölerberg ist eine Holzhackschnitzelanlage, die via Nahwärmeleitungen den Zoo mit Wärme versorgt. Die Anlage ist so dimensioniert, dass das benachbarte Kreishaus ebenfalls an das Netz angeschlossen werden konnte. Für die Wärme zahlt der Landkreis und Busemann kann sich schon jetzt über einen respektablen Zugang in Höhe von etwa 50000 Euro jährlich auf der Einnahmenseite seiner Bilanz freuen, der noch ansteigen wird, wenn die Finanzierung der Anlage in zehn Jahren ausläuft.

Über die vergangene Dekade gerechnet, lagen die Investitionskosten für alle Maßnahmenpakte bei 2248500 Euro. Förderungen gab es von den Stadtwerken (80000 Euro), der DBU (125000) Euro, derNiedersächsischen Lottostiftung (25000 Euro), der Kreditanstalt für Wiederaufbau (220600 Euro) und einen Investitionszuschuss der Stadt (230000 Euro). Der Zuschuss der Stadt begründet sich in der Tatsache, dass das Museum und andere Räume, die der Stadt gehören, vom Zoo mitversorgt werden. Der Eigenanteil des Zoos liegt bei 1567900 Euro.

Insgesamt, so rechnet der Geschäftsführer mit dem spitzen Bleistift vor, hat sich der Zoo durch Einsparungen und Einnahmen im Energiebereich ein jährliches Potenzial von etwa 300000 Euro erschlossen. Die Summe der Investitionen hat sich in etwa fünf Jahren bezahlt gemacht. Außerdem, so Busemann, habe der Zoo sich durch diese Maßnahmen stark modernisiert und damit einen großen Teil des Investitionsstaus aufgelöst. „Wenn wir diesen Weg 2005 nicht gegangen wären, hätten wir heute massive Probleme“, zieht Busemann ein durchweg positive Bilanz nach den ersten zehn Jahren „Energiesparzoo“.