Heilender Stuhl Erfolgreiche Darmflora-Übertragung im Marienhospital Osnabrück

Einem Team mit Oberarzt Dr. Oliver Möschler, Fachärztin Dr. Bianca Simon und Chefarzt Professor Dr. Michael K. Müller (von links) gelang erstmals in der Region eine Stuhltransplantation. Foto: Niels-Stensen-KlinikenEinem Team mit Oberarzt Dr. Oliver Möschler, Fachärztin Dr. Bianca Simon und Chefarzt Professor Dr. Michael K. Müller (von links) gelang erstmals in der Region eine Stuhltransplantation. Foto: Niels-Stensen-Kliniken

Osnabrück. Die Vorstellung ist nicht besonders appetitlich, die Methode aber vielversprechend: Einem Team am Marienhospital Osnabrück ist es jetzt erstmals in der Region gelungen, einen Darmerkrankten durch Übertragung von Stuhl eines gesunden Menschen zu heilen.

Hoffnung für Darmerkrankte

„Wir konnten durch die erfolgreiche Transplantation der Darmflora erreichen, dass sich die Entzündung im Darm des Patienten zurückgebildet hat“, freut sich Professor Dr. Michael K. Müller, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin. Andere Verfahren waren bei dem Patienten wegen therapieresistenter Bakterien ausgeschieden.

Per Nasensonde in den Darmtrakt

Der Stuhl wurde über eine Nasensonde in den Darm des Patienten eingebracht. Um jedes Infektionsrisiko zu vermeiden, wurden vor dem Eingriff Blut und Stuhl des Spenders sorgfältig untersucht.

Die Stuhltransplantation wird laut Müller nun auch bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen erprobt.

Erste Versuche in den 50er Jahren

Bereits in den 1950er Jahren wurde mit der Stuhltransplantation experimentiert. 2013 berichtete das New England Journal of Medicine über eine signifikant höhere Wirksamkeit der Stuhltransplantation im Vergleich zum Einsatz von Antibiotika. Während erste Versuche mittels eines Einlaufs in den Dickdarm erfolgten, wurden bei der Untersuchung 2013 die Fremdfäkalien über eine Nasensonde in den Darm eingebracht. Diese Technik wurde auch im Marienhospital eingesetzt.