Holperdorper Hofausstellung Hofausstellung präsentiert acht Künstler

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Lienen. Kunstfreunde kennen den Ort zwischen Bad Iburg und Lienen, der einmal im Jahr zum Ausstellungsgelände inmitten ländlicher Idylle wird: Zum 19. Mal präsentieren Wendelin Gräbener und Franz Winkelkotte auf ihrem Bauernhof im Rahmen der „Holperdorper Hofausstellung“ aktuelle Arbeiten von sich selbst und sechs Gastkünstlern.

Eine Schwalbe fliegt durch das große Scheunentor, umkreist den „Blütenschwarm“ in der Mitte des Raumes und verschwindet im Nest unter der Decke, wo nach Nahrung schreiende Jungvögel warten. Eine ungewöhnliche, doch wunderbare Symbiose aus Kunst und Natur. Jedoch: Das transparente Papier, das die Künstlerin Christiane Schlieker-Erdmann zu filigranen Objekten verarbeitet, weist jetzt kleine Kotspuren von den Vögeln auf. Ein Tribut der Kunst an Mutter Natur.

Denn der „Blütenschwarm“, der hier von der Decke hängt, ist ein luftiges, mit weißer Farbe bearbeitetes Ensemble aus geknülltem Papier, das seinem Titel alle Ehre macht. Die asiatisch anmutende Tuschemalerei der Künstlerin aus Witten und ein „Kleid“ aus Papier erweisen sich als nicht ganz so naturaffin.

Ebenso wie Schlieker-Erdmann hat sich Christiane Stegat von dem ruralen Ambiente inspirieren lassen: Die Künstlerin aus Köln hat einen alten Bauwagen auf dem Gelände des Bauernhofs entdeckt, dem sie einen Pilz einpflanzte. Jetzt wuchert der „Bovist“ wild aus den Öffnungen des betagten Gefährts. Hier okkupiert die Natur die Intervention des Menschen.

Als fatalen Eingriff in die Natur betrachteten Heidrun und Fritz Kohnert den Bau einer riesigen Biogasanlage in ihrer Nachbarschaft – bis sie sich künstlerisch mit dem Bauwerk auseinandersetzten. Die fotografische Dokumentation der Bauarbeiten und die Übersetzung der Architektur in keramische Objekte entwickelt eine erstaunliche Ästhetik.

Geradezu faszinierend geraten Winkelkottes Glasobjekte auf der grünen Wiese, für die er eine lange Experimentierphase mit vielen Rückschlägen hinnehmen musste: Die bisweilen an Buchstaben erinnernden Arbeiten aus dickem Glas müssen nach dem Guss eine Woche kontrolliert abkühlen, damit keine Risse und Brüche entstehen. Die Objekte, die auf einer Seite glatt poliert sind, auf der anderen eine für Glas ungewöhnliche Strukturoberfläche aufweisen, durchkreuzen etablierte Sehgewohnheiten, machen zum Teil den Eindruck, als wären sie aus Eisen oder Keramik.

Apart und humorvoll wie immer sind auch die neuen Figuren aus Keramik oder Bronze, mit denen sich Gastgeberin Wendelin Gräbener an der Hofausstellung beteiligt. Sie zeigen visionär in den Himmel, chillen am Pool, sitzen wie moderne Waschweiber „Am Fenster“ oder setzten sich mit ihren Schatten oder Alter Egos auseinander.

Als Post-Jugendstil kann man die Stelen aus Aachener Blaustein bezeichnen, die Toni Bauer im Garten aufgestellt hat. Als Gast mit der kürzesten Anreise zeigt Wilfried Bohne aus Osnabrück ältere und ganz neue Arbeiten.

19. Holperdorper Hofausstellung (Holperdorp 24, Lienen): Arbeiten von Wendelin Gräbener, Christiane Schlieker-Erdmann, Christiane Stegat, Heidrun und Fritz Kohnert, Toni Bauer, Wilfried Bohne und Franz Winkelkotte. Bis 9. August, täglich von 14–19 Uhr. Infos unter www.holperdorp.de und Telefon 05483/1575.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN