Wenig schmeichelhaft Namenskunde: Klatte hatte einen wirren Haarschopf

Von Winfried Breidbach

Symbolfoto: Werner ScholzSymbolfoto: Werner Scholz

Osnabrück. Unser Leser Carsten Klatte aus Bissendorf hat keine Theorie, wie sein Familienname entstand. Etwa 2100 Personen tragen den Nachnamen Klatte, der fast in allen Regionen Deutschlands anzutreffen ist, vor allem aber im Norden.

Das stärkste Nest des Namens findet sich in Berlin, wo fast jeder zehnte Namensträger lebt. Eine zweite Konzentration ist für die Region Bremen/Diepholz festzustellen. Als Namenvariante ist der mit über 12000 Namensträgern sehr häufige Name Klatt anzuführen, der zweifellos aus Klatte verkürzt ist. Namengeografisch ist Klatt ebenso gestreut wie Klatte, auch bei Klatt liegt die stärkste Konzentration in Berlin. Die weiteren Varianten wie Kladde, Klat und Kladt sind erheblich seltener.

Die Namen waren früher in den deutschen Ostgebieten sehr verbreitet. Dies ergibt sich daraus, dass die Formen Klatt, Klat und Klatte heute noch in Polen rund 1000 Namensträger aufweisen. Die verfügbaren historischen Belege kommen zumeist aus dem niederdeutschen Sprachgebiet: 1449 „Claes Cladde“ (Zwolle/NL), 1450 „Bene Kladde“ (Lüneburg), 1450 „Hans Clatte“ (Bienenbüttel, Kreis Uelzen), 1498 „Hermen Klatthe“ (Neuenkirchen, Kreis Vechta), 1528 „Hans Klatt“ (Damnitz/Pommern), 1542 „Herman Klatte“ = 1561 „Herman Clatte“ (Damme), 1549 „Gerdt Klatte“ (Klein-Roscharden, Kreis Cloppenburg), 1588 „Matthias Klatt“ (Stolp/Pommern), 1592 „Fridericus Klatte“ (Breslau), 1605 „Thomas Klatte“ (Chojnice bei Bromberg), 1610 „Jacob Klatte“ (Bremen), 1654 „Johann Klatte“ (Badbergen).

Die Familiennamen Klatte und Klatt gehen eindeutig vom mittelniederdeutschen Wort klatte, kladde aus, das zu klatten „zusammenkleben, verfilzen“ und zu kladden „beschmutzen“ gehört. Die ursprüngliche Bedeutung von klatte ist „Schmutzfleck“, dann auch „Fetzen, Lumpen“. In Wörterbüchern des 18. Jahrhunderts wird Klatte vor allem als Bezeichnung ungekämmter, verwirrter Haare genannt (Klatte: „klebricht in einander verwickeltes Haar“ Hamburg 1755, Klatterkopp: „einer mit verwirrten oder zerzauseten Haaren“ Bremen 1767).

Bei den Namen Klatte und Klatt handelt es sich offensichtlich um spöttische oder scheltende Übernamen, die auf einen armen Menschen (Lumpenträger) oder auf einen verwahrlosten, zerzausten Zeitgenossen abzielten. Der seltene Familienname Klatthaar ist wahrscheinlich keine Nebenform des Namens Glatthaar, sondern bezeichnete den mit den wirren Haaren. In Schlesien, im hochdeutschen Gebiet also, entstand Klatte als Variante des Namens Klette „aufdringlicher Mensch“.

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