Das zweite Museum im Museum? Im Depot des Osnabrücker Felix-Nussbaum-Hauses

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Osnabrück. Im Rahmen unserer Serie über das Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus schauen wir in das Depot. Hier hängen jene Bilder, die auf ihren Auftritt in der Ausstellung warten.

„So lange ich hier arbeite, ist dieses Bild noch nie ausgestellt worden“. Dorothea Gartmann zieht an der Schiebewand. Leise quietschen die Kunststoffrollen. An dem Drahtgitter hängen Gemälde Felix Nussbaums. Gathmanns Lieblingsbild kommt ganz hinten links. „Ziehbrücke“ heißt der Titel. Das kleine Bild Nussbaums ist in einem dunklen Holzrahmen gefasst. Die Magazinleiterin schaut liebevoll auf das kleine Bild, mit dem sie nun ganz allein ist. „Das Selbstbildnis mit Judenpaß oder den Triumph des Todes wollen natürlich alle sehen. Diese Bilder sind nie hier unten“, sagt Dorothea Gartmann. Aber die „Ziehbrücke“, die hat den Weg nach oben, aus dem Depot hinauf in die Beletage der Ausstellungsräume noch nie geschafft. Gehört es zu dem zweiten, unentdeckten Museum im Museum? (Hier weiterlesen: „Selbstbildnis mit Judenpaß“ - die Ikone eines Museums) .

„Das ist immer mein Gang“

Dorothea Gartmann kennen nur wenige Besucher des Felix-Nussbaum-Hauses. Dabei legt sie Hand an jedes Stück, das die Besucher sehen. „Alles, was in der Ausstellung hängt, ist durch meine Hände gegangen“, sagt die Magazinleiterin. Gemälde aus dem Magazin holen, sie aus- oder einpacken, Passepartouts schneiden, Rahmungen versorgen, mit dem Rollwagen durch die Etagen fahren - ohne die Magazinleiterin geht nichts, wenn im Haus eine neue Ausstellung aufgebaut oder der Bestand an Gemälden Felix Nussbaums neu gruppiert wird. Ähnlich wie die Mitarbeiter der Haustechnik ist auch die Magazinleiterin auf verborgenen Wegen durch das Haus unterwegs. „Das ist dann immer mein Gang“, sagt sie lakonisch dazu. (Hier weiterlesen: Der Leihverkehr im Felix-Nussbaum-Haus) .

Seit 1999 im Osnabrücker Museum

Dabei gehört Dorothea Gartmann schon selbst beinahe zum Bestand des Museums. „Ich kam, als die Eröffnungsausstellung gerade abgehängt wurde“, erinnert sie sich an ihren Arbeitsbeginn 1999. Zuvor hatte Gartmann in anderen Museen gearbeitet, ihren Erfahrungskreis ausgebaut. In dem Osnabrücker Museum hat sie bei so gut wie allen Ausstellungen mitgewirkt. Ob Felix Nussbaum, Albrecht Dürer oder Stadtgeschichte - wann immer im Haus umgebaut wird, ist die Magazinleiterin mit dabei. Kein Wunder. Sie kennt den Bestand am besten, kann den Zustand der Kunstwerke einschätzen, weiß einfach, wo was liegt - auch in entlegenen Ecken. (Hier weiterlesen: Hitzefrei für die Kunst? Museen und ihr Klima im Hochsommer) .

Schiebewände für Bilder Nussbaums

Dabei ist ihr Reich nicht einmal besonders groß. Schiebewände an zwei Seiten, an der Stirnseite eine Reihe von Schränken: So ist das Museumsdepot aufgebaut. Auf der einen Seite nehmen die Schiebewände die Bilder Felix Nussbaums auf, die andere Seite gehört der alten niederländischen Kunst der Stüve-Sammlung. In den Schränken finden sich Objekte des Kulturgeschichtlichen Museums. Hier sind auch antike Stücke der Sammlung Schledehaus magaziniert. „Weiter Depots gibt es an der Iburger Straße“, berichtet Dorothea Gartmann. Dort sind allerdings noch Depotbestände der stadtgeschichtlichen Sammlung untergebracht. Die Werke Felix Nussbaums, die nicht in der Ausstellung zu sehen sind, befinden sich im Felix-Nussbaum-Haus selbst. (Hier weiterlesen: „Pit und Peggs“ - das Kinderbuch von Felix Nussbaum) .

Schubkästen voller Objekte

Und das Depot bewahrt wichtige Werke des Malers. Ob der „Antikensaal“, die „Gliederpuppen“ oder eben die „Ziehbrücke“: Am Drahtgeflecht der Schiebewände hängen Bilder, die immer wieder auch in den Ausstellungsräumen zu sehen sind. Dorothea Gartmann findet Nussbaums Stillleben „Maske und Zitrone“ besonders spannend, ebenso wie das Bild mit den Gliederpuppen. „Die Holzmaserung auf dem Bild hat Nussbaum einfach toll gemalt“, findet die Magazinleiterin. Sie bewegt übrigens nicht einfach nur die Bilder durch das Haus, betreut Leihverkehr, kümmert sich um den Aufbau. Derzeit digitalisiert sie auch die Objekte des Bestandes. Mit geübtem Griff öffnet sie Schubkästen voller Kleinobjekte der Stadtgeschichte. Darüber liegen in Schränken Grafiken von Künstlern wie Rolf Escher oder Günter Grass. (Hier weiterlesen: Die Stillleben von Felix Nussbaum) .

Koffer von Hundertwasser

Den Überblick verliert sie dabei nicht. Und so weist sie auch noch auf das kurioseste Objekt im Bestand. Es hängt ganz hinten an einer der Schiebewände - ein Grafikkoffer von Friedensreich Hundertwasser. Die flache Holzkiste mit Lederschlaufe ist ganz im typischen Hundertwasser-Design gearbeitet. In dieser Kiste kamen einmal Grafiken des Künstlers ins Haus. Jetzt allerdings sieht das Köfferchen, halb Behältnis, halb selbst ein Exponat, wie ein Stück aus, das lange niemand mehr in der Hand hatte. Das Depot des Felix-Nussbaum-Hauses mag beschiedene Maße haben. Seine versteckten Winkel hat es dennoch allemal.


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