„Frische Rezepte für gut Arbeit“ Gewerkschaft NGG feiert in Osnabrück Sommerfest

Von Joachim Dierks

Drei vom Grill: Bernhard Hemsing, Claudia Straede und Markus Schürmeyer. Foto: Egmont SeilerDrei vom Grill: Bernhard Hemsing, Claudia Straede und Markus Schürmeyer. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Wenn die für Nahrung, Genuss und Gaststätten zuständige Gewerkschaft (NGG) feiert, darf man sicher sein, dass nahrhafte Speisen und kühle Getränke in gastlichem Ambiente für genussvolle Stunden sorgen. Nicht anders war es beim Jubiläums-Sommerfest der NGG in der Region Osnabrück. Rund 400 Mitglieder und ihre Familien unternahmen im Hof des DGB-Hauses am Bahnhof eine unterhaltsame Reise durch die wechselvolle Geschichte der ältesten Gewerkschaft Deutschlands.

Der Regionsvorsitzende Markus Schürmeyer eröffnete zu Beginn die Wanderausstellung „Vom Vorleser zum Mindestlohn“, die sich im Treppenhaus des DGB-Hauses durch alle Geschosse zieht. Vor 150 Jahren gründeten Zigarrenarbeiter in Leipzig die Vorläuferorganisation der NGG, den „Allgemeinen Deutschen Cigarrenarbeiter-Verein“. NGG-Regionalgeschäftsführer Bernhard Hemsing erläuterte, was es mit dem Vorleser auf sich hat: Die Zigarrenmacher des 19. Jahrhunderts bestimmten vielerorts einen aus ihren Reihen zum Vorleser. Er unterhielt die Arbeitenden durch das Vorlesen aus Romanen, politischen Schriften und Zeitungen. So wurden viele Zigarrenmacher zu politisch besonders interessierten und informierten Arbeitern. Logische Konsequenz war die erste Gründung einer gewerkschaftsähnlichen Interessenvertretung gerade in dieser Branche.

„In Erinnerung an die Gründungsjahre ist der Vorleser bis heute Symbol für Solidarität und Zusammenhalt in unserer Gewerkschaft“, sagte Hemsing, „wobei aus dem Vorleser in unserer Zeit die gewerkschaftseigenen Bildungseinrichtungen geworden sind.“

Die Ausstellung zeichnet den Lebensweg mutiger Männer und Frauen nach, die sich für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen einsetzten und gegen staatliche Repression wie etwa unter Bismarcks Sozialistengesetzen oder während der NS-Herrschaft aufstanden. Ganz so stürmisch seien unsere Zeiten nicht mehr, sagte Hemsing, aber er erinnerte an die aktuellen Herausforderungen wie die Durchsetzung des Mindestlohns oder eine Lösung für das „Riesenproblem Werkverträge“. Da die Ernährungsindustrie in Niedersachsen die zweitgrößte Industriesparte nach den Metallern sei, sei das Problem hier so bedrängend wie nirgends sonst in Deutschland. „Frische Rezepte für gute Arbeit“ – so der aktuelle NGG-Slogan – seien gefragt.

Den Verlauf des Sommerfestes bestimmten allerdings nicht die Probleme der Fleischwirtschaft, sondern eher ihre schmackhaften Erzeugnisse. Unter einer großen Zirkuszeltplane, die begehrten Schatten spendete, ließ sich das Festprogramm genießen. Mittags spielten mit den „Hocker-Rockern“ zwei Kollegen aus den Homann-Werken Dissen, gegen Abend beherrschte die Band „Off-Beat“ die Bühne, mit Bernhard Hemsing an der Gitarre. Ein Clown auf Stelzen machte seine Späßchen.