Orchideenfach an der Uni Osnabrück Kosmetologie: Ein Studium, das unter die Haut geht

Von Almut Hülsmeyer


Osnabrück. „Ihr studiert Schminken?“ Solch einen Satz bekommen Sarah Abermann und Kristina Jankulovski oft zu hören, wenn sie erzählen, dass ihr Studienfach an der Universität Osnabrück Kosmetologie heißt. Mit dem Auftragen von Lippenstift, Make-up und Mascara hat es allerdings wenig zu tun.

Stattdessen erwarten die Studenten in dem bundesweit einmaligen Studiengang Lehrveranstaltungen in naturwissenschaftlichen und medizinischen Fächern. Dort lernen sie, wie Zellen, Gewebe und Organe beim Menschen aufgebaut sind, welche Hauterkrankungen es gibt und wie allergische Reaktionen entstehen. (Weiterlesen: Kosmetik mit der Tox-Fox-App überprüfen)

Außerdem beschäftigen sie sich mit der Zusammensetzung von Kosmetika, den Eigenschaften von chemischen Stoffen und der Verträglichkeit von Pflegemitteln. Praktische Übungen wie die Herstellung von ätherischen Ölen oder Cremes ergänzen den Theorieunterricht. Betriebswirtschaftslehre und Recht gehören ebenso zum Studium. „Ich habe mich am Anfang erst einmal in alles reinfuchsen müssen“, sagt Kristina Jankulovski, eine gelernte Kosmetikerin und Frisörin. Auch ihre Kommilitonin Sarah Abermann hat zunächst eine Ausbildung zur Kosmetikerin gemacht. (Weiterlesen: Diana Niklassik aus Osnabrück gibt Beautytipps auf Youtube)

Mehr Bewerber als Plätze

Mit diesem Werdegang sind sie nicht die Einzigen in ihrem Studienfach. Eine Reihe von Studenten hat bereits eine Ausbildung absolviert und ist berufstätig gewesen. Das wird auch bei der Vergabe der Studienplätze berücksichtigt: Zehn Prozent gehen an Bewerber mit Meistertitel.

Wer sich mit Fachhochschulreife oder Abitur bewirbt, muss einen guten Notendurchschnitt vorweisen können. Der Numerus Clausus liegt bei 2,0. Grund dafür ist die große Beliebtheit des Fachs. „Wir haben regelmäßig mehr Bewerber als Studienplätze“, sagt Dozent Prof. Claus Kerkhoff. (Weiterlesen: Jeder zweite Studienplatz in Niedersachsen mit NC)

Familiär, aber anspruchsvoll

Nur rund 40 Studenten beginnen in jedem Wintersemester mit dem Teilstudiengang Kosmetologie. Für die Studenten ist das ein Vorteil. Sie müssen nicht um einen Platz in Vorlesungen, Übungen und Seminaren kämpfen und werden intensiv betreut. „Man fühlt sich nicht verloren, ist nicht auf sich allein gestellt“, sagt Kristina Jankulovski. (Weiterlesen: Kosmetik in der Schwangerschaft – was ist verboten?)

Die Dozenten seien hilfsbereit und entgegenkommend. Wenn am Ende des Semesters die Prüfungen zu dicht aufeinanderfolgten, würde auch schon mal eine Klausur verlegt, damit der Stress für die Studenten nicht ausartet. Trotzdem seien die Anforderungen hoch: Neben dem Fach Kosmetologie müssen sie noch ein allgemeinbildendes Unterrichtsfach wie Biologie, Deutsch, Englisch oder Mathe sowie Betriebs- und Wirtschaftspädagogik studieren. Sarah Abermann: „Das Studium ist anspruchsvoller als viele denken.“ (Weiterlesen: Projekt „Neustart“ vermittelt Studienabbrecher in Unternehmen der Region)

Viele Jobperspektiven

Sie und Kristina Jankulovski wollen in Kürze mit dem Masterstudium beginnen, allerdings würden einige ihrer Kommilitonen nach dem Bachelor aufhören. Diese hätten sich gegen eine Laufbahn als Berufsschullehrer entschieden. „Das Tolle ist, dass man sich noch während des Studiums überlegen kann, ob man ins Lehramt gehen will oder nicht“, sagt Kristina Jankulovski. Ein Praktikum im dritten Semester biete die Möglichkeit, sich beruflich zu orientieren.

Wer kein Lehrer werden möchte, für den gibt es eine Reihe anderer Jobperspektiven. So können Absolventen im Marketing oder in der Forschung der kosmetischen Industrie arbeiten, bei Fachverbänden tätig sein oder eine akademische Karriere an der Universität anstreben. (Weiterlesen: Erfolgreiche Exoten – Mit einem Orchideenfach Karriere machen)