Reihe „Orgelsommer“ Exotisches aus England und Amerika im Dom

Von Jan Kampmeier


Osnabrück. Arne Hatje begibt spielt das zweite Konzert des Orgelsommers auf der Domorgel. Im Vorfeld erklärt er die Besonderheiten seines Programms mit englischen und amerikanischen Komponisten.

Normalerweise dominieren zwei Nationen bei Orgelkonzerten klar die Programme: deutsche und französische Musik. Eigentlich sogar nur die französische Romantik, präzisiert Arne Hatj e, Kirchenmusiker an St. Katharinen. Wenn er sich für sein Konzert beim Orgelsommer englische und amerikanische Orgelmusik des 19. und 20. Jahrhunderts vornimmt, ist das exotisch. Die Namen seines Programms: Healy Willan , Herbert Howells, Alfred Hollins, John Weaver, Francis Jackson.

Arne Hatje ist überzeugt: „Die englische Musik hat genau die gleiche Wertigkeit, aber das hat man nicht auf dem Schirm.“ Ein Grund für ihre Vernachlässigung könnte auch der Mangel an geeigneten Instrumenten sein: „So eine Orgel steht halt nicht an jeder Ecke. Man möchte da gerne ein Glockenspiel drin haben. In England gibt’s das in den größeren Orgeln durchaus und wird von den Komponisten gerne verlangt. Das ist ein typischer Effekt.“

Bei Healy Willan steht auch mal das Register „Harfe“ in den Noten. „Da gibt es bestimmt auf dem Kino-Orgel-Sektor irgendwelche Register, die so etwas nachahmen können.“ Auf solche Effekte, so Hatje, könne man wohl noch verzichten, bestimmte andere Farben aber seien eben notwendig. „Die englische Kathedralmusik ist ohne diese Hochdruck-Tuben einfach nicht denkbar. Eine Tuba ist als Hochdruckregister extrem laut. Wenn in St. Paul’s in London 6000 Leute singen, dann geht eine normale Orgel unter, und dafür sind die gebaut. Es ist so, dass man die Tuba alleine mit dem Tutti der Orgel begleitet, so laut ist die.“

Arne Hatje spielt dieses Jahr im Dom , und dort steht im Turmwerk der Domorgel eine Tuba magna, wenn auch nicht so laut. „Die kann ich hoffentlich dafür benutzen, ich muss mal probieren, wie es sich anhört. Die Domorgel bietet sich für diese Musik jedenfalls an, weil sie das Nötigste eben hat.“ Die Vorzüge der englischen Orgeln würden langsam entdeckt, so Arne Hatje. Die neue Mercatorhalle in Duisburg etwa habe daher eine englische Konzertorgel erhalten. „Mit all diesem Zeug, was dann da drin ist. Das ist eine Bereicherung.“

Arne Hatje hat darauf geachtet, dass sein Programm trotz des starken Fokus abwechslungsreich ist. „Es muss immer von allem etwas da sein. Es muss das Instrument ausnutzen, an dem ich eben spiele, meistens ist auch eine Zumutung dabei, also etwas, was man nicht so einfach konsumiert. Das ist hier die Festival-Toccata von Francis Jackson, etwas herber, aber trotzdem interessant. Das ungewöhnliche Werk stammt von Healy Willan – kein Mensch spielt Willan! Aber es ist ein spannendes, sehr lohnenswertes Werk, das schon ganz lange bei mir in der Schublade liegt. Ich hatte nur nie Gelegenheit, es mal zu spielen.“

Das Orgelsommer-Konzert beginnt am Dienstag, 4. August, um 20.15 im Dom. Eintritt frei.