Masken, Mimen und Musikanten Skurriler Friedensweg durch die Osnabrücker City

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OSNABRÜCK. Unter dem monströsen Motto „Masken, Mimen, Musikanten“ bespielten am ersten Osnabrücker Samstag im August diverse Musiker, Akrobaten und Komödianten drei Stunden lang die Innenstadt. Bei strahlendem Sonnenschein zogen sie mit ganz unterschiedlichen Programmen und Darbietungen durch die Straßen.

Einzig das Duo Sedlan verweilte an ein und demselben Ort. Unter einem Partyzelt vor dem Kulturhaus am Heger Tor interpretierten Seda Devran und ihr musikalischer Partner Admans in ungewöhnlicher Minimalbesetzung mit kraftvoller Soulstimme und virtuoser Bassbegleitung bekannte und weniger bekannte Pop-Songs.

Das Straßentheater Opus Furore sorgte für ebensolche, indem es in Gestalt von zwei Musketieren auf Stelzen vom Theatervorplatz aus durch die Stadt zog, um allerlei akrobatische Jonglierkunst zu präsentieren. Auch der musikalische Weltbürger Frank Heikel suchte vom Domhof über den Nikolaiort verschiedene Orte auf, um mit Oberton- und mongolischem Tieftongesang und exotischen Instrumenten wie das australische Didgeridoo oder die harfenähnliche westafrikanische Ngoni die Passanten buchstäblich zu bezirzen.

Neben diversen musikalischen Trittbrettfahrern zog schließlich der noch kurzfristig mit in das Programm aufgenommene, vom Niederrhein stammende Wahlosnabrücker Barde und Bänkelsänger Günter Gall mit seinem Bollerwagen über die Krahnstraße, um dort als Jüppchen Hanebolz mit Gitarre und Dulzimer historische Lieder und Moritaten vorzutragen.

Nur ein Künstler war nicht anwesend. Kleitos Erotikos Souvlakis – ein Franzose mit griechischen Wurzeln – rief zwar zwischendurch an, um sein Kommen anzukündigen, erschien aber letztlich nicht: Nur eine von vielen Irritationen, für die Justin Lenoir vom Straßburger Theater Rue Pietonne und das Darmstädter Ein-Mann-Theater Rainer Bauer während einer alternativen komödiantischen Führung durch die Altstadt sorgten. Als miteinander „verschwisterte“ Städtebotschafter Monsieur Pes und Herr Biedermann stießen sie zunächst an der Rathaustreppe auf die deutsch-französische Freundschaft an, um dann mit ihren Zuschauern einen skurrilen „Friedensweg“ zu gehen, der viel bis dato unbekannte Kunst im öffentlichen Raum in sich hatte.

Den „Friedensgriff“ der Rathaustür zu berühren, damit es „nie mehr Krieg“ gibt, war noch ein bekanntes Osnabrücker Ritual. Ein vom besagten Künstler „kinder- und behindertenfreundlich“ tiefer gelegtes Relief im Durchgang zur Bierstraße, ein zur modernen Anti-Kriegs-Skulptur erklärter Stromkasten mit Aufklebern und Graffiti an der Ecke zur Lohstraße oder das als Beispiel der „Friedensarchitektur“ vorgestellte, von der Osnabrücker Steinlaus bedrohte schiefe Haus Nummer 37 an der Großen Gildewart mit besonderem „Friedensblau“ an der Tür dürfte jedoch auch den ortskundigsten Mitläufern neu gewesen sein. Ebenso wie das Wohnhaus des Grafen Robert von Camembert aus Angers, dem Erfinder des gleichnamigen Käses, dem mit dem formvollendeten „Camembert-Brunnen“ vor der Dominikanerkirche ein Denkmal gesetzt worden ist.

Dort endete auch der bizarre, rund einstündige Rundgang vor der „begehbaren Friedensstehle“ mit einer pathetischen „Verschwisterungsgeste“ zwischen Monsieur Pes und Herr Biedermann, die zwischenzeitlich im Streit auseinandergegangen waren. Ausgerechnet in der Friedensstadt.


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