Sparkassen-Fest in Dissen Jazz-Festival mit Spitzenniveau

Von Thomas Hitzemann


Dissen. Das 18. Sparkassen-Jazz-Festival, veranstaltet vom Jazz Club Dissen-Bad Rothenfelde zeichnete in diesem Jahr ein recht umfassendes Bild vom Jazz, zwei Tage lang und bei gutem Wetter. Repräsentanten, Traditionalisten, Rahmensprenger und Erneuerer des Jazz betraten nacheinander die Bühne vor dem Historischen Bahnhof in Dissen.

Grandios, der Auftritt des „Glenn Miller Orchestra“ aus den Niederlanden unter Leitung von Wil Salden beim Jazzfest Dissen-Bad Rothenfelde . Das war originalgetreuer Bigbandsound in unglaublicher Perfektion, rhytmischer Finesse, rasiermesserscharfer Artikulation, federleicht und dennoch gesättigt im Klang.

Die Einstudierung war so sicher, dass der Bandleader kaum die Hände von den Klaviertasten zu nehmen brauchte, um Einsätze zu geben. Neben Stücken von Glenn Miller wurden zahlreiche andere Kompositionen aus der legendären Swing-Ära zwischen den Weltkriegen aufgeführt. Häufig trat Sängerin Ellen Bliek vor das Mikrofon und sang mit ihrer schönen Altstimme Titel wie „It´s Been A Long Time“ oder „Yes, My Darling, Daughter“. Immer wieder glänzten einzelne Orchesterspieler mit kurzen Soli, wobei sie sich nie zu sehr exponierten. Im Gegensatz zu klassischen Orchestern blieben die Musiker ständig in Bewegung. Die Klangtrichter ihre Instrumente zeigten abwechselnd in alle Himmels-richtungen.

Auch kleinere Formationen eroberten sich die Gunst des Publikums. Die „Jay Jay´s Border Jazzmen“ aus Holland spielten sich frei im lockeren Trott des Oldtime Jazz. Gekonnt wechselten sie hin und her zwischen Gesangsterzett und Triospiel auf Klarinette, Trompete und Posaune, unter anderem bei Titeln von den Carpenters. Die Göteborger „Papa Pider´s Jazz Band“ hatte wohl die längste Anreise. Aus ihrem Eingangslied „Just A Little While To Stay Here“ wurden über zwei Stunden munterer Skiffle-Musik. Während ihrer Moderation erwarb sich deutsch mit schwedischem Akzent viel Sympathie. Nur die „Boogie Boys“ aus Polen sprengten den Rahmen von Jazz im eigentliche Sinne. Auf zwei E-Pianos, begleitet durch Bass und Schlagzeug, zeigten sie nicht Tastenkünste, wie von namhaften Boogie-Woogie Pianisten erwartet. Kenner denken dabei an Frank Muschalle oder Vince Weber. Diese jungen Polen ritten eher eine Attacke im Power-Speed- Boogie aus der Klangwelt des musikalischen Cross-Over.

Wie sich der Jazz aus eigenem Geist erneuern kann, bewiesen „The Dixi Heartbreakers“ aus Würzburg. Nicht nur auf Blasinstrumenten und Klavier demonstrierten sie solistisches Können, exquisite Intrumentenbeherrschung zeigten ein Geiger und ein Gitarrist. Stephan Grapelli und Django Reinhard wurden neu belebt. Latin Jazz á la „Tico, tico“ war ihnen ebenso geläufig wie Filmmusik von John Williams. Und dennoch vergaßen sie weder George Gershwin noch Chris Barber. Ein so facettenreiches Repertoire kann den Jazz am Leben erhalten.