Festival Spieltriebe 2015 „The Trip“ schildert das Schicksal eines Flüchtlings

Von Marie-Luise Braun

Vorbereitungen laufen: der Schauspieler Patrick Berg (links) und Regisseur Amis Hamdoun. Foto: Thomas OstenfeldVorbereitungen laufen: der Schauspieler Patrick Berg (links) und Regisseur Amis Hamdoun. Foto: Thomas Ostenfeld

Osnabrück. In dem Stück „The Trip“ erzählt der Regisseur Anis Hamdoun bei den kommenden Spieltrieben des Theaters Osnabrück die Geschichte des syrischen Flüchtlings Ramie.

Drei Personen leben im Kopf von Ramie. Jeden Abend um 18 Uhr melden sie sich hier zu Wort. Denn Sarah, Saleem und Mohammed sind tot. Sie sind im Bürgerkrieg in Syrien umgekommen. Aber Ramie ist in Sicherheit, und genau das ist sein Problem. Was es bedeutet, in solch einer Zerrissenheit zu leben, erzählt Anis Hamdoun bei den kommenden Spieltrieben des Theaters Osnabrück in seinem Stück „The Trip“.

Ähnliches Schicksal

„Es könnte das perfekte Zuhause sein, aber da sind die Gäste aus der Vergangenheit, die ihn immer wieder heimsuchen“, sagt Patrick Berg. Der Schauspieler schlüpft in die Rolle von Ramie. Jetzt aber sitzt er zusammen mit Anis Hamdoun in der noch unfertigen Kulisse des Stücks bei Planen Neumann in den Martinihöfen. Hier ein Tisch, dort zwei Stühle, ein paar Tücher hängen von der Decke, drei Fernseher sind an der Wand aufgereiht. Über sie wird Mohammed eingespielt, den Part hat Nawar Bulbul in Syrien gespielt und filmen lassen. Anja Gläser und Marius Lamprecht verkörpern Sarah und Saleem auf der Bühne.

„Die Figuren sind nicht real, aber ich habe viel übernommen von Freunden und Verwandten“, erläutert Anis Hamdoun. Die Distanz ist ihm wichtig, hat er doch ein ganz ähnliches Schicksal durchgemacht wie Ramie. Auch Hamdoun ist aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Freunde wurden getötet. Der Künstler und Aktivist wurde verletzt und trägt nun eine Augenklappe.

„Das Stück basiert auf echten Charakteren. But they’re not copied.“ Immer wieder sucht sich Hamdoun aus dem Englischen und dem Deutschen die Worte, mit denen er sich besser ausdrücken kann. „Jedes Wort, das ich geschrieben habe, basiert auf einem wirklichen Ereignis.“

Identität verloren

Seit eineinhalb Jahren lebt Hamdoun in Osnabrück. „Ich hatte eine komfortable Flucht mit Ausweis und Flugzeug, nicht mit dem Schiff, so wie 99 Prozent der anderen Flüchtlinge“, sagt er, „am Anfang ist es hart gewesen, das Stück zu schreiben. Und die ersten zehn Proben waren nicht so angenehm. Aber jetzt ist mein Gefühl raus, mein Gehirn arbeitet.“

Er möchte, dass die Zuschauer den Schmerz von Ramie und den anderen spüren, erläutert er sein Anliegen, die Ereignisse in einem Theaterstück zu verdichten. Wie es ist, nicht in seine Heimat zurückzukönnen. Wie es ist, dass dort nichts mehr so ist, wie es war. Wie es ist, sich ein neues Leben aufzubauen in einem Land, in dem man zuvor noch nie gewesen ist.

Und dann sagt Patrick Berg einen Satz, der das alles auf den Punkt bringt. Er zitiert einen Flüchtling mit den Worten: „Als ich das Meer überquerte, verlor ich meine Identität.“