Gräberfeld in Merzen Magischer Ort: Leben und sterben auf der Plaggenschale

Von Thomas Wübker

Idyllisch und still: So präsentiert sich der Wacholderhain Plaggenschale in der Nähe von Merzen. Foto: Thomas WübkerIdyllisch und still: So präsentiert sich der Wacholderhain Plaggenschale in der Nähe von Merzen. Foto: Thomas Wübker

Merzen. Die Stadt- und Kreisarchäologie besteht seit 40 Jahren. Zum Jubiläum entstand die dezentrale Sonderausstellung „Magische Orte entdecken“. Dazu gehört auch der Wacholderhain Plaggenschale – ein Gräberfeld in Merzen.

Der Wacholderhain Plaggenschale liegt idyllisch inmitten eines Waldes. Das große Feld lädt zum Spazieren ein. Auf einem Barfußpfad können die müden Füße auf verschiedenen Untergründen gleichzeitig massiert und neuen Sinneserfahrungen zugeführt werden. Doch die Magie dieses Ortes liegt unter der Erde. Die Plaggenschale gilt als Geheimtipp. Hier ist ein überdachter Rastplatz vorhanden, an dem Wanderer eine Pause machen können, und der Barfußpark lädt vor allem auch Familien und Kinder ein, darauf zu laufen.

Es ist so still wie auf einem Friedhof

Wer seine Gedanken und seinen Blick über das Gelände schweifen lassen möchte, kann dabei innere Ruhe und Entspannung finden, denn am Wacholderhain ist es still. So still wie auf einem Friedhof. Und genau das war der Ort in der Zeit von 1200 bis 500 vor Christus. Der idyllische Platz war damals ein großes Gräberfeld. Etwa 100 Grabhügel sind bis heute erhalten.

Die Menschen haben ihre Toten damals in der Nähe ihrer Wohnstätten begraben. Also muss es auf dem Wacholderhain auch eine Art Dorf gegeben haben. Das Gebiet wies die Besonderheit auf, dass die Bewohner in lockerem Sand und nicht in festem Lehm die Gräber ausheben konnten. Die Plackerei wollten sich wohl schon unsere Vorfahren ersparen.

Das Gräberfeld in der Nähe von Merzen zeigt den Archäologen auch einen Wandel bei den Bestattungsritualen auf. In der Bronzezeit gingen die Menschen dazu über, nicht mehr die Leiber der Toten zu vergraben, sondern sie zu verbrennen. Die Asche wurde dann in Urnen beigesetzt. Die Grabstellen wurden mit einem kleinen Hügel gekennzeichnet. Diese Hügel sind bei genauem Hinsehen auch auf dem Wacholderhain sichtbar.

Das Gräberfeld auf der Plaggenschale wird zu den bedeutendsten Bodendenkmalen in Nordwestdeutschland gezählt. Der Name Plaggenschale deutet auf die mittelalterliche Nutzung des Geländes hin. Es wurden Erdplaggen in der damaligen Diktion „geschält“, also abgetragen, und zur Düngung der umliegenden Felder, der Plaggenesche, genutzt.

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